selber , den nichts wie Sandstreifen und ansteigende Fichtenwaldungen einfassen , erhebt sich oder erhob sich wenigstens in den sechziger Jahren , als ich den See zum ersten Male sah , ein einziges Haus : die Müggelbude . Auf einer vorspringenden Sanddüne gelegen , die sich vom Westufer aus in die Müggel hinein erstreckt , ist sie oder war sie der geeignetste Punkt , um den See und seine Ufer zu überblicken . Eben diese Müggelbude , nach der von Köpenick aus ein reizender Spaziergang durch den Wald führt , 6 ist Leuchtturm , Fischerwohnung und Fährhaus zugleich , aber vor allem ist sie doch Gasthaus . Sie ist es nach jenem überall hervortretenden Gesetze , welches in unwirtbaren Gegenden ein jedes einzeln stehende Haus zum Gasthause macht . Die oft angerufene und oft gewährte Hilfe führt schließlich dazu , die Hilfe zu einem Geschäft zu machen . So auch die Müggelbude . Freilich ist es ein wild-verwogenes Geschlecht , das hier anpocht , um Unterkommen oder Hilfe zu finden , und der Fährmann , der erfahren haben mag , daß uns das Unglück nicht bloß zu seltsamen Schlafkameraden führt , sondern uns auch umgekehrt ebenso seltsame Schlafkameraden bringt , hat wohlweislich Vorkehrungen getroffen , um sein eigentliches Haus vor ihnen sicherzustellen . Seine Müggelbude repräsentiert ein » Gasthaus erster Klasse « ; für die Unbekannten und Schlecht-Legitimierten aber hat er abwärts auf dem untersten schmalen Uferstreifen eine Art Schifferghetto aufgeführt . Hier auf einem Terrain , das sich See und Sand beständig streitig machen , erheben sich flachgewölbte Holzhütten , die sich bei näherer Besichtigung als ausrangierte Schiffskajüten erweisen . Durch die halb offen stehende Tür gewinnt man Einblick in das Innere derselben ; auf vier hohen Pfosten ruht ein roh zusammengenagelter Kasten , groß genug für zwei oder drei Schläfer , und mit nichts ausgestattet , als mit etwas niedergelegenem Stroh . Das ist alles , was die Gastlichkeit der » Dependance « der Müggelbude bietet . Und doch muß es hier ein wunderbares Schlafen sein , wenn in Winternächten die glitzernden Sterne durch die halbhandbreiten Ritzen in dies Schlafgemach hineinblicken und der See , als wollt ' er sich warm schlagen , seine Wellen bis an die hochaufgezimmerte Bettlade treibt . Schade nur , die Schifferknechte , die hier einen Unterschlupf suchen und finden , sind wohl die letzten , sich dieses Zaubers zu freun . Die Müggelbude steht hoch , ihr zu Füßen aber zieht sich ein Sandgürtel , der nach vorn hin aufs neue steil abfallend , den See in seiner ganzen Ausdehnung umzirkt . Auf diesem Sandgürtel nehmen wir Platz , und eine knorrige Kiefer im Rücken , deren vorgebeugter Schirm schon halb über dem Wasser schwebt , sitzen wir jetzt auf einer Art Moos- oder Erdbank und blicken auf die weite Wasserfläche hinaus , die , leise brandend , ihre Wellchen bis unter unsre Füße schickt . Der See gleicht hier einem Haff und sooft die Wellen zurückrinnen , blinken die weißen Muscheln , die das bewegte Wasser ans Ufer geworfen . Es freut das Herz , so an der Müggel zu sitzen und die leise Musik von Wald und Wasser um sich her , die Stunden zu verträumen . Die Sonne sinkt und das Bild , das beim ersten Anblick , aller eigentümlichen Schönheit unerachtet , eine gewisse Monotonie zeigte , gewinnt mehr und mehr Gewalt über uns und spinnt uns in den alten Müggelzauber ein . Die Kähne mit ihrer weißen Kalksteinladung , deren aufgeschichtete Blöcke das Kajütendach in ein kleines Kastell verwandeln , ziehen geräuschlos vorüber , die Dächer des gegenüberliegenden Rahnsdorf glühen noch einmal auf und der See selber wechselt von Minute zu Minute seine Stimmung und seine Farbe . Aber mit halbem Auge nur verfolgen wir das Farbenspiel ; unser Auge richtet sich immer wieder nach rechts hin , wo die Müggelberge steil aufsteigen und ihre wachsenden Schatten bis weit in den See hineinwerfen . Ein dünner Nebel zieht um den Berg , und wenn es dann und wann aufblitzt , fahren wir zusammen und blicken nach der Prinzessin aus , der zweiten Prinzessin dieser Gegenden , von der es heißt , sie käm ' allabendlich mit vier goldfarbenen Pferden von den Müggelbergen herab , um die Durstigen im See zu tränken . Sie kommt freilich nicht und auch der große Heuwagen bleibt aus , der , von vier weißen Mäusen gezogen , der Prinzessin entgegenfährt , um ihr den Weg zu sperren , aber eingewiegt in phantastisches Träumen könnte jetzt eine ganze Zauberwelt vor uns ausgeschüttet werden , wir würden ihre Wunder ohne Verwunderung entgegennehmen . Die Müggel und ihre Ufer sind Märchenland . Noch einmal fährt ein Glutstreifen über den See ; nun aber schwindet die Sonne , beinah plötzlich bricht die Dämmerung herein und bleifarben liegt die weite Wasserfläche da . In seiner Mitte beginnt es wie ein Kreisen , wie ein Quirlen und Tanzen ; sind es Nebel , die aufsteigen ? oder sind es die alten Müggelhexen , die lebendig werden , sobald das Licht aus der Welt ist ? Der Fährmann von der Müggelbude hat sich zu mir gesetzt und ich dringe jetzt in ihn , mich über den See zu fahren , aber statt jeder Antwort zeigt er nur auf eine grauweiße Säule , die mit wachsender Hast auf uns zukommt . Wie geängstigte Schwäne fahren die Wellen der Müggel vor ihr her und während ich meinen Arm fester um die Fichte lege , bricht vom See her ein Windstoß in Schlucht und Wald hinein und jagt mit Geklaff und Gepfeif durch die Kronen der Bäume hin . – Einen Augenblick nur und die Ruh ' ist wieder da , – aber die Bäume zittern noch nach , und auf dem See , der den Anfall erst halb überwunden , jagen und haschen sich noch die Wellen . Die Müggel ist bös . Es ist als wohnten noch die alten Heidengötter darin , deren Bilder einst die Hand der Mönche von