s debütirte durch die Duldung der beiden Eremiten mit glänzendem Erfolg ... Bonaventura sah ihre Macht über den Präsidenten ... Wenn ihr alle wüßtet , an welchen Fäden diese beiden Mönche geführt werden ! ... Diese Empfindung sprach Lucinde nicht aus ... Jede Erregung ihrer Gefühle niederkämpfend , hob sie sogar den Kopf langsam in die Höhe , als sich die Tüngel-Appelhülsen nicht nehmen ließ , zu sagen : Sie kannten ja früher den ehemaligen Doctor Klingsohr ? ... Nur Ein Blick der Misbilligung folgte bei allen , die die Schärfe dieser Frage verstanden ... Lucinde aber erwiderte ruhig und ganz in dem einfachen Ton , der hier üblich : Der Pater ist ein Heiliger geworden ... Ich mühe mich , ihm gleichzukommen ... Es gelingt mir nicht ... So blieb sie siegreich ... Als man Beifall murmelte , konnte Bonaventura nicht anders als sich sagen : Da strengt nur euern Witz an ! Da muß alles zu Schanden werden ! ... Der Onkel war vom Bewohnen der Baumstämme , wie immer , auf die Urwelt und die Troglodyten gekommen und von diesen auf die Katakomben in Rom ... Frau von Sicking kannte die Katakomben so genau , wie die Boudoirs ihrer Wohnungen in Deutschland und Belgien ... Sie erzählte von mehrern wieder neu eröffneten Grabstätten der alten Christen und Lucinde wußte sogar die Jahreszahl einzuschalten von der Verfolgung des Diocletian ... Levinus rückte ihr überrascht näher und näher ... Da aber erhob sich schon Frau von Sicking ... Auch Lucinde mußte es thun ... Wie gab sie so sicher Paula die Hand und lächelte ihr und sprach vom Wiedersehen , vom Frühling , von Gesundheit und , leiser und demüthig , von ihrer Wunderkraft ! Wie versicherte sie , daß sie für Paula bete , und bat , daß Paula dies auch für sie thun möchte ... Der Onkel unterbrach diesen Abschied und hörte voll Leidwesen , daß das gelehrte Fräulein schon wieder abreise und erst zu den Exercitien zurückkäme - Die Commerzienräthin Kattendyk hatte in der That ihren Wunsch erreicht , hatte eine große Summe für die geheime Thätigkeit der Frau von Sicking versprochen , hatte auch der » Mutter Gottes von Telgte « , einem wunderthätigen Gnadenbild der Gegend , ein kostbares neues durch und durch mit Silber gesticktes Kleid angelobt , eine Prachtschöpfung aus den Ateliers der Damen Eva und Apollonia Schnuphase ... Ein unendliches Weh lag auf den Zügen Bonaventuras , Paula ' s und Armgart ' s ... In dem : » Segne Sie Gott , Gräfin ! « Lucindens lag etwas , als wenn ihr die Leiden aller Märtyrer für die Zukunft vorausgesagt würden ... Bonaventura fühlte die Absicht dieses ihm nur allein kalt und wie ein Fluch erklingenden Tones ... Die Hand hätte er zurückreißen mögen , die erstarrt Paula in die schwarzen Handschuhe Lucindens legte ... Beide Frauen , die Geliebte und die Verschmähte , waren an Wuchs sich gleich ; Paula schön an sich und noch mehr durch den Reiz der Jungfräulichkeit ätherisch wie ein Hauch ; Lucinde wie eine Brunhild - durch ihre geheimnißvolle Kälte bestrickend ... Paula hätte Lucinden festhalten mögen , trotzdem daß sie fühlte : Das ist sie immer noch mit ihrem Haß gegen dich und mit ihrer Eifersucht ! Sie ist es immer noch , die sich berufen glaubt , die Einzige zu sein , die über Bonaventura wachen dürfe ! Sie , die sonst schon nicht ruhte und rastete in Annäherungen und Verhinderungen der Ruhe und des Glücks eines Mannes , der , wenn er lieben dürfte , seine Wahl doch so nicht treffen würde ... Aber Lucinde war das einzige Wesen , das sie vom Traumschlaf heilen konnte ... Seit der ersten Vision beim Eintritt Lucindens in das Institut , seit der ersten Einmischung der Eifersucht schon damals , als Paula , träumend , den geliebten Priester vom Bekennen der ewigen Gelübde abzuhalten suchte und Lucinde in diesem Priester Den in Erfahrung brachte , der ihr selbst eben der wiedererstandene Serlo erschienen - war in Lucindens unmittelbarer Nähe jenes Traumleben nie wieder eingetreten und sie sehnte sich ja , frei zu werden von diesen unheimlichen magischen Gewalten ... Endlich war das ein Ausbruch von Urtheilen , als Lucinde und Frau von Sicking gegangen waren ! Alle Schleusen waren aufgezogen ... Paula und Bonaventura konnten sich eine Weile allein angehören ... Die Blumen , die am Fenster blühten , die im Wasserglase gezogenen Hyacinthen , die behenden Goldfischchen in kristallener Schale , all der lieblich trauliche Vorfrühling , den beide in der Nähe des Fensters genießen konnten , hätte sie fortreißen sollen , das warme blühende Leben auch Athem an Athem zu empfinden und sich leise zu sagen : Wir , wir gehören uns doch ! ... Das lauschte aber und plauderte und klatschte und lauschte ... Es stand glücklicherweise nichts still , alles schritt vorwärts ... Selig wogen durfte wenigstens die Brust und auf die Lippen treten selbst ein lauteres Wort der Vertraulichkeit ... Inzwischen fehlte Armgart , ohne daß man es sofort bemerkte ... Armgart war Lucinden und Frau von Sicking gefolgt , hatte Hut und Mantel und eine große Tasche ergriffen , die schon im Vorsaal zu ihrer Flucht bereit lagen , hatte den Brief Terschka ' s in ihrem Busen verborgen und schlich den sich Entfernenden an das Hauptportal nach ... Als sie einstiegen , sagte sie rasch : Lassen Sie mich mit , meine Damen ! Ich habe in Witoborn zu thun ! Vergeben Sie ! Ich störe nicht ! Ich sitze hier rückwärts ! ... Schon saß sie ... Frau von Sicking lächelte zerstreut und meinte , sie wollten einen Umweg machen , um sich nach dem Befinden des Herrn Pfarrers Müllenhoff zu erkundigen ... Das thut nichts ! antwortete Armgart in Hast . Wenn Sie mir nur versprechen , mich dann von Ihrer Wohnung aus nach Witoborn fahren zu lassen ! ... Sehr gern ! sprach Frau von Sicking , mächtig ergriffen , wie es schien ,