' s , die Hand der Freundin haltend , um ihr Zittern zu mildern ... Bis zu einem so weit gehenden Ueberblick aller Beziehungen , daß Armgart auch Bonaventura am Widerstreit dieser beiden Naturen aufs mächtigste betheiligt sah , reichte ihr Auge nicht ... Paula ' s und Lucindens Liebe zu Bonaventura war ihr nur ein » Schwärmen « - jene Empfindung , die ein Mädchenherz in alle Himmel versetzen kann , nicht aber die Entsagung zum größten Schmerz der Erde macht ... Lucindens Feierlichkeit war von Frau von Sicking ' s Begleitung ebenso bedingt , wie von der ersichtlichen Neugier der Anwesenden , die sie musterten ... Sie sprach anscheinend harmlos mit Armgart von der Begegnung im letzten Sommer an der Maximinuskapelle und von Benno von Asselyn ... Sie erzählte der jungen Gräfin vom orthopädischen Institut , von dessen Vorstand , von einigen jungen Mädchen , jenem guten Curatus Niggl , der die armen Verwachsenen , Blinden und Lahmen bei sich zum Kaffee lud ... Sogar Bonaventura wurde von ihr ins Gespräch gezogen ... Mit Niggl und Hunnius war er als Priester ausgeweiht worden ... Auch ein Wort über den Tod Hendrika Delring ' s konnte nicht ausbleiben , ebenso wenig wie die Kunde über Treudchen , die ins Kloster gegangen war ... Bonaventura blieb so erregt , daß er nun selbst zu fragen anfing ... Wie hat nicht jener große Staatsintriguant so Recht gehabt , als er sagte : Die Sprache ist erfunden , um unsere Gedanken zu verbergen ! ... Das allgemeine Gespräch kam wieder zurück auf die beiden Flüchtlinge in den Eichstamm und jetzt erst hörte Bonaventura die ihn doppelt erschreckende Kunde ... Denn er hatte nichts für Sebastus ' Befreiung gethan und machte - seiner » priesterlichen Lässigkeit « Vorwürfe ... Streit mit dem Provinzial gab man als Ursache dieser Flucht an ... Der Name Hubertus weckte im Gespräch die Erinnerung an die Rettung des Dieners , den man im Spital von Witoborn glaubte ... Lucinde konnte sich sammeln und Kraft gewinnen , den Namen Klingsohr und das fortgesetzte Anblicken der Damen zu ertragen . Sie behielt dasselbe bleiche Incarnat , wie immer ... Sie zuckte nicht einmal mit den Augenwimpern ... Nur Bonaventura ' s Auge suchte sie zuweilen und dieser schlug dann das seine nieder ... Frau von Sicking sagte dem Domherrn die schmeichelhaftesten Dinge - jetzt auch , als ob sie ihre geheimsten Abneigungen errathen glaubte , recht aufgetragen Lobendes über seine Mutter ... Gräfin von Styrum-Schorum kam heute schon von Schloß Neuhof herüber , wo die Kunde von den beiden Mönchen eine nicht geringe Sensation erregt hatte ... Der gesetzliche Sinn des Herrn von Wittekind , der sich solcher Nutznießung seines Waldes durch die Gensdarmen erwehren wollte , war überstimmt worden durch seine Gemahlin , die aufs dringendste gebeten hatte , dem frommen Verlangen dieser beiden Brüder nichts in den Weg zu legen ... Da man dem Bericht Beifall murmelte , mußte Bonaventura für die Mutter danken ... Er dankte und bemerkte Lucindens Lächeln ... Triumphirend schien diese sagen zu wollen : Das alles , was ich hier sehe und höre , sind die Opfer , die mir der Gott der Rache bringt ! ... Sie ließ sich Klingsohr und Klingsohr ins Ohr rufen ; sie lächelte nicht einmal ... Ihre Blicke spannen nur lange Fäden und bald war ihr alles wie in einem großen Netze ... Mit leiser Stimme flüsterte sie mitten in die Schilderung des Lagers , das sich von Moos und Baumlaub die beiden Flüchtlinge in der Eiche und um diese her gemacht hätten , der Tante Benigna zu von dem Brand , von dem Eindruck , den ihr der Anblick der Flamme schon vom Schloß Münnichhof aus gemacht hätte ... Die Tante sah nichts von dem Blick , der diese liebevollen Worte begleitete , als wenn sie gelautet hätten : Die Welt soll noch in Feuer aufgehen und wie ihr hier alle sitzt und lächelt , weg habt ihr ' s doch ! ... Sie bedauerte , morgen nicht der Dankmette beiwohnen zu können , die in der Liborikirche gehalten werden sollte ... Diesen alten Bau würde sie erst sehen , wenn die Exercitien begännen ... Ueber den Baustyl der Liborikirche und von byzantinischen Rundbogen sprach sie so unterrichtet , daß die Tante dem ihr zu » geistreich « werdenden Gespräch entschlüpfte und Lucinden mit dem Onkel Levinus in Verbindung brachte , der jetzt erst zur Gesellschaft hinzutrat ... Auch der Onkel kam mit Nachrichten von den entflohenen Mönchen und von der Requisition derselben durch den Provinzial - und mit - Gensdarmen ... Gensdarmen ! rief man fast einstimmig ... Das duldet Herr von Wittekind nimmermehr ! rief Frau von Böckel-Dollspring-Sandvoß ... In seinem Walde kann er geschehen lassen , was er will ! ... hieß es ... Der Onkel erzählte , was er unten von den Jägern vernommen ... Man fände beide in der berüchtigten Eiche , wo der alte Klingsohr gefallen ... Sein Sohn , der ehemalige Doctor , läge im Innern derselben auf einem Lager und läse sein Brevier ... Hubertus hämmere mit der Axt eine Hütte und einen Altar und einen Kochherd ... Die Nacht noch wäre eine Kälte von drei Grad gewesen ... Jetzt thaue es ... Die Bauern liefen scharenweise in den Wald und hülfen den Eremiten bauen und brächten so viel Nahrungsmittel , daß Hubertus den Scherz gemacht hätte , ob sie hier etwa einen Verkauf halten sollten ? Dennoch nahm er den Ueberschuß und schickte ihn ins Kloster , wo sich » nun wol zwei Parteien bilden würden « sagte der Onkel lächelnd ... Zurück wollen sie nicht , fuhr er fort , sich mäßigend , da Niemand in seine Ironie einstimmte ; Sebastus erbietet sich , für Jeden , dem seine Fürbitte von Werth sein könnte , täglich so viel Rosenkranzgebete zu sprechen , als man bestellt ... So hatte man denn wieder ein Wahrzeichen der Zeit mehr , ein hocherfreuliches 1 und die kluge Mutter Bonaventura '