die in ein Vestibül führten , das rings mit Blumen geschmückt war . Zwei Victorien von Bronze hielten den Eintretenden Kränze entgegen . Der Fußboden war mit bunten , dichtwollenen Teppichen belegt . Hinter den Victorien rauschte ein Vorhang auf von schwerem , rothem Sammet . Man befand sich in einer Rotunde . Rings an den Wänden Spiegel mit Goldleisten und neben ihnen Candelaber . An den Wänden eine einzige Ottomane rundum , unterbrochen nur von den Eingängen in kleine durch Vorhänge unterschiedene Cabinete . Als sie über die schweren Teppiche hinschritten , sagte Egon : Ich entsinne mich , daß Ihr zum ersten male hier seid ! Seht da die Erfindungsgabe meines Vaters ! Von der rechten Seite hier bis zur Linken ziehen sich kleine allerliebste Gemächer . Über jedem ist in Wachsmalerei angegeben , wozu die Bestimmung der Gemächer dienen soll . Hier über dem Vorhang der erschöpfte Mars . Amor nimmt ihm die Waffen ab . Es ist das Entrée eines Badezimmers , das sich hier nebenan befindet . Die badende Nymphe macht es kenntlich . Daneben sitzt Pan und bläst auf seiner Flöte , während Tritonen aus Hörnern Wasserstrahlen spritzen . Ich weiß nicht , welche Tändeleien für das dritte Cabinet bestimmt waren . Über jenes vierte seht Ihr Hebe mit der Kanne und einem Teller schweben . Wahrscheinlich ist in der Kanne Nektar und auf der Schale Ambrosia . Soviel weiß ich , daß in diesem vierten Cabinet vortrefflich gespeist worden ist und sich die Ambrosia als die Praxis eines guten Pariser Kochs zu erkennen gab . In dem fünften waltete die Nachmittagsruhe . Es ist das Cabinet der türkischen Pfeifen . Der talentvolle Künstler , der diese Medaillons über die Thüren malte , muß in Verlegenheit gewesen sein , die türkischen Pfeifen in den Kreis seiner mythologischen Allegorieen einzuführen und doch hat er sich sehr artig geholfen . Seht die drei schönen Mädchen , die über einem todten von Flammenglut umgebenen Knaben weinen und die Hände ausstrecken . Sie verwandeln sich eben in Pappeln und die Thränen , die ihnen entfallen , flimmern von dem gelben Schein des Knaben gelb ... Recht geschickt ! sagte Siegbert . Der gelbe Knabe ist der soeben von der Sonne herabgestürzte Phaethon . Die Schwestern beweinen seinen Fall und verwandeln sich in Pappeln . Ihre Thränen , die in dem gelben Scheine des versengten von der Lichtmaterie des Sonnenballs gedörrten Phaethon gelb erscheinen , sind der Bernstein . Richtig , fuhr Egon fort und diese Sage vom Ursprung des Bernsteins paßt in der That für ein Cabinet mit türkischen Pfeifen , deren Spitzen von Bernstein sind . Ich kenne den Maler nicht . Es ist unser herrlicher Berg selbst , sagte Siegbert , der diese Wachsmalereien fertigte . Sie sind berühmt . Ich bekomme Ehrfurcht vor dem Geschmack meines Vaters , des alten Haudegens . Seht da , das sechste Cabinet hat als Medaillon eine Nymphe , die sich im Wasser spiegelt und sich dabei selber kopirt , mit einer Stecknadel nämlich auf einem großen Feigenblatt , das ihr ein Satyr hinreicht . Seht den Satyr mit dem Feigenzweig ! Wie zierlich und schalkhaft die ritzende Nadel auf dem Blatt ! In diesem Cabinet sind Bildersammlungen , die ich Euch nicht zeigen mag . Und hier im siebenten und letzten Cabinet befindet sich sogar eine Bibliothek verbotener Bücher . Mein loyaler Papa war ein eifriger Sammler in diesem Fache der Literatur , das der Maler in jenem Medaillon kenntlich machte : Ein Faun sitzt und lehrt Amor schreiben . Der kleine Junge weint , weil die Feder vielleicht kritzelt oder ihm die Mühe zu sauer wird . Der Faun liest behaglich , was Amor geschrieben hat . Die beiden Tauben , die sich über dem Busch , wo die Schulscene passirt , schnäbeln , drücken das Thema der hier gesammelten wilden Literatur aus . Inzwischen waren die Diener gekommen und hatten in das vierte Cabinet silberne Schüsseln , Körbe , Servirbreter , Flaschen getragen . Der Kammerdiener schlug den Vorhang zurück . Egon forderte die Freunde auf einzutreten . Ein zierliches , behagliches Gemach umfing sie . Die kleine gedeckte Tafel in der Mitte widerstrahlte von Krystall und Silberzeug . Die nach außen zu unscheinbaren Fenster waren durch ein zweites Fenster verdeckt , das von innen vorgebogen werden konnte , ein Fenster von mattgeschliffenem Milchglase mit eingefugten Lithophanieen . Die Sessel waren außerordentlich bequem mit Lehnen von blau- und weißgestreiften Gurten . Von derselben Farbe waren ringsum Ottomanen . Ein Gemälde an der Wand erwies sich alsbald als Flötenuhr und spielte mit reingestimmtem Glockenton die Gnadenarie aus Robert dem Teufel . Der einfachere Charakter dieses kleinen Cabinets entsprach seiner Bestimmung ; denn in einem Eßzimmer sollen die Sinne des Auges nicht durch eine überladene Staffage zerstreut werden . Egon machte den Wirth mit gewohnter Freundlichkeit . Drei galonnirte Diener , schon in Bereitschaft mit nach Hofe zu fahren , servirten in weißen Handschuhen . Es war ein Ton in das Hauswesen gekommen , gegen den Egon früher selbst protestirt hatte und der sich nun seit etwa vierzehn Tagen von selbst verstand . Seine Gäste aßen nur wenig . Sie machten sich Vorwürfe , ihn jetzt , wo er seine Gedanken zusammenzufassen hätte , noch aufzuhalten . Dankmar fragte ihn sogar , ob er das Programm schon fertig hätte ... Seit Jahren denk ' ich darüber nach und schrieb es in zehn Minuten nieder ! erwiderte Egon . Und darf man nicht einen der Paragraphen erfahren ? Ich werde dem Hofe Bedingungen stellen , die er niemals eingehen kann . Denn leider haben diese bedrängten Machthaber schon eine solche Furcht , von der Sprache unsrer Tage abzuweichen , daß sie eher die Richtung , die sie selber fürchten , an ' s Ruder bringen als etwas Neues zu versuchen . Dies vortreffliche Dejeuner , bemerkte Dankmar sarkastisch , ist wenigstens Bürgschaft , daß du keine so spartanischen Vorschläge machen wirst , wie ich zuweilen deinen Ideen abgelauscht habe .