Herbstesfrische weht durch den Wald . Der herbe Duft des Eichenlaubs mischt sich mit dem Harzgeruch der Tannen , und anheimelnd klingt es , wenn die Eichkätzchen von einem Baum zum andern springen und die Zweige mit leisem Knick zerbrechen . Dann und wann hören wir , vom Fahrweg her , den eigentümlichen Klinker- und Klankerton , an dem ein märkischer Bauernwagen auf hundert Schritt schon erkennbar ist . Die Halskette der beiden magern Braunen rasselt am Deichselhaken , die Sprossen klappern in den Leiterbäumen , die Leiterbäume wieder an den vier Wagenrungen und gegen die Wagenrungen schrammt das Rad . Dazwischen das Hüh ! und Hoh ! des Kutschers , und Schwamm-anpinken und Tabaksqualm – und das Begegnungsbild ist fertig , das die märkische Heide zu bieten pflegt . Schon mehrere solcher Fuhrwerke sind an uns vorübergekommen und ihre Insassen haben jedesmal unsern Gruß erwidert in trägen , unverständlichen Lauten , wie einer der aus dem Schlafe spricht . Jetzt aber verlassen wir den Fußweg , der neben der großen Fahrstraße hinlief , und biegen nach rechts hin in einen schmaleren Pfad ein , der leise bergan steigend , uns immer tiefer in die weiten und unmittelbar an den Fuß der Müggelberge sich anlehnenden Waldreviere führt . Bald ist völlige Stille um uns her ; wir haben in unseren Gedanken von Menschen und Menschenantlitz Abschied genommen und fahren drum erschreckt zusammen , als wir plötzlich dreier Frauengestalten ansichtig werden , die mit halbem Auge von ihrer Arbeit aufblicken und dann langsam-geschäftig fortfahren , das abgefallene Laub zusammenzuharken . Die grauen Elsen , unter denen sie auf- und abschreiten , sehen aus wie die Frauen selbst , und ein banges , gespenstisches Gefühl überkommt uns , als wäre kein Unterschied zwischen ihnen und als rasteten die einen nur , um über kurz oder lang die andern bei ihrer Arbeit abzulösen . Wir fragen endlich » ob dies der Weg nach den Müggelbergen sei « , worauf sie mit nichts andrem als mit einer gemeinschaftlichen Handbewegung antworten . Einen Augenblick stutzen wir in Erinnerung an die wohlbekannten Drei von der Schottischen Heide , deren Wink oder Zuruf immer nur in die Irre führt ; aber uns schnell vergegenwärtigend , daß die Türme Berlins nur ein paar Meilen in unserem Rücken liegen , folgen wir unter Dank und scheuem Kopfnicken der uns angedeuteten Richtung . Und siehe da , noch hundert Schritt und es lichtet sich der Wald und vereinzelte Tannen und Eichen umzirken einen Platz , in dessen Mittelpunkt ein Teich , ein See ruht . Dieser See heißt der » Teufelssee « . Er hat den unheimlichen Charakter aller jener stillen Wasser , die sich an Bergabhängen ablagern und ein Stück Moorland als Untergrund haben . Die leuchtend-schwarze Oberfläche ist kaum gekräuselt und verwaschenes Sternmoos überzieht den Sumpfgürtel , der uns den Zugang zum See zu verwehren scheint . Er will ungestört sein und nichts aufnehmen als das Bild , das die dunkle Bergwand auf seinen Spiegel wirft . Der Teufelssee hat auch seine Sage von einem untergegangenen Schloß und einer Prinzessin , die während der Johannisnacht aufsteigt und die gelben Teichrosen des Sees an den Saum ihres schwarzen Kleides steckt . Die Kuhjungen aus Müggelsheim , die hier herum ihre Herden durch Wald und Sumpf treiben , haben das alles mehr denn einmal gesehen und das Knistern ihres Seidenkleides gehört ; wir aber , die wir die Johannisnacht sträflich versäumt haben und erst um die Mitte Oktober in diese Gegenden kommen , müssen uns begnügen , den drei harkenden Frauen begegnet zu sein , die so trefflich zur Herbstlandschaft stimmten und spukhaft genug waldeinwärts zeigten . Unmittelbar hinter dem Teufelssee erheben sich die Müggelberge . Wir verschmähen den bequemen Weg , der sich hinaufschlängelt , und nehmen den Berg auf geradestem Wege wie im Sturm . Oft zurückgleitend , wo die abgefallenen Kiennadeln am dichtesten liegen , und im Zurückgleiten einen Birkenstrauch oder eine junge Tanne fassend , so dringen wir mutig vor , jede Stelle preisend , an der raschelndes Eichenlaub statt der glatten Nadeln zu unsern Füßen liegt . Nun aber haben wir ' s überwunden , das Erdreich wird feuchter , Treppeneinschnitte und Rasenbänke gönnen uns abwechselnd einen Halt und eine Rast , und endlich eine dichte Hecke durchbrechend , die fast schon am Grat des Berges entlang läuft , haben wir das Ziel unserer Wanderschaft erreicht – die Höhe der Müggelberge . Diese Müggelberge repräsentieren ein höchst eigentümliches Stück Natur , abweichend von dem , was wir sonst wohl in unserem Sand- und Flachlande zu sehen gewohnt sind . Unsere märkischen Berge ( wenn man uns diese stolze Bezeichnung gestatten will ) sind entweder einfache Kegel oder Plateauabhänge . Nicht so die Müggelberge . Diese machen den Eindruck eines Gebirgsmodells , etwa als hab ' es die Natur in heiterer Laune versuchen wollen , ob nicht auch eine Urgebirgsform aus märkischem Sande herzustellen sei . Alles en miniature , aber doch nichts vergessen . Ein Stock des Gebirges , ein langgestreckter Grat , Ausläufer , Schluchten , Kulme , Kuppen , alles ist nach Art einer Reliefkarte vor die Tore Berlins gelegt , um die flachländische Residenzjugend hinausführen und ihr über Gebirgsformationen einiges ad oculos demonstrieren zu können . Wir haben den Grat ungefähr in seiner Mitte erreicht , wo er mehr eine muldenartige Vertiefung als eine Erhöhung zeigt . Die Kuppen befinden sich an den vorgeschobeneren Punkten , so daß der ganze Berg einem ausgedehnten alten Schloßbau gleicht , der hohe Erker und Altane , vor allem aber ein paar abgestutzte Ecktürme an seinen zwei Giebelseiten trägt . Diese West- und Ostkuppe der Müggelberge gestatten die weiteste Aussicht ins Land hinein . Besonders die Westkuppe . Über den Rücken des Berges hin schreiten wir dieser letzteren zu . Der Weg führt durch dichtes Gehölz , das wie ein grüner Wandschirm dasteht und nach keiner Seite hin einen Durchblick gestattet . Die Bäume selbst sind noch jung , und nur alle fünfzig Schritte begegnen wir