man sich von seinen Freunden trennt , werden die Feinde der Freunde immer glauben , einen Verbündeten zu haben . Und sie werden sich täuschen in diesem Glauben , lieber Dankmar , sagte Egon ruhig . Ich glaube in der That , daß man die Absicht hat , mir heute um zehn Uhr im Schlosse ein Portefeuille anzubieten . Ich werde ein Programm stellen . Erlaubt man mir nach diesem Programm zu regieren , so werd ' ich das Portefeuille annehmen ! Die Lage des Hofes , erwiderte Dankmar , ist nicht von der Art , ein Programm , wie du es mit Ehren nur stellen kannst , annehmen zu können . Dies Wort verletzte Egon sichtlich . Doch behielt er seine Mienen in der Gewalt und fragte Siegbert und Louis , ob sie gemeinschaftlich frühstücken wollten ? Ich habe , sagte er launig , den Keller meines Vaters revidirt und gefunden , daß da unten viel Poesie versteckt lag . Wie ich die Etiketten las : Alicante , Xeres , Marsala , welche Vorstellungen weckt Das ! Man fühlt sich in die Gegenden versetzt , wo diese gekelterten Trauben einst am Stocke hingen , man sieht das Ultramarin des südlichen Himmels , man hört die Woge des Meeres an den hohen steinigten Ufern branden und streckt sich unter Palmen- und Olivenbäumen hin und träumt dolce far niente . Damit klingelte Egon und bestellte ein Frühstück . Unten im Pavillon , sagte er . Aber rasch ! rasch ! Bringt , was Ihr zur Hand habt und Alicante und Xeres ! Der Kammerdiener flog . Ich kann mir denken , sagte Egon , daß Euch meine gestrige Abstimmung überrascht hat . Ich kann mir aber nicht helfen . Ich muß so reden , wie ich fühle . Tretet nur einmal in eine dieser Vorberathungen der Parteien , hört diese blinde , tolle , sich überstürzende Hast der Menschen , die die Parole austheilen , ich wette , Ihr haltet es mit aller Eurer Überzeugung von der Notwendigkeit , Partei halten zu müssen , nicht drei Tage aus . Ich hielt es vierzehn Tage aus . Aus der Partei der Linken bin ich ausgetreten . Und welcher Seite des Centrums schließest du dich an ? fragte Dankmar . An keine . Nicht einmal an den Club Justus ? sagte Dankmar immer erregter . An diesen am wenigsten , antwortete Egon . Was soll ich dasitzen und dies Durcheinander der Intriguen hören ! Alles soll Taktik und immer Taktik sein , an die Thatsachen denkt Niemand . Sie sitzen und zählen Stimmen . Immer ist Einer unterwegs , der bald zu der , bald zu jener kleinen Fraktion läuft und ein Compromiß beantragt : gebt uns acht Stimmen für Das , so geben wir Euch acht Stimmen für Das ... o pfui , ich habe diese Methode Politik zu treiben satt . Es ist ein kleiner Schacher , kein großer Handelsgeist , der dort herrscht . Ich will von heute an stimmen , wie ich denke . Die Freunde konnten diesen Entschluß eigentlich doch nur billigen , befürchteten aber , daß sich Egon isoliren würde . Nein , sagte Egon , es gibt Männer genug in der Kammer , die unter dem Druck der vorlauten Intrigue seufzen . Sie Alle sehnen sich nach Befreiung . Sie werden sich mit Freuden unter dem Banner schaaren , das irgend ein Retter der gesunden Vernunft aufsteckt . Ob ich dieser Retter sein werde , weiß ich nicht ! Will man sich mir anschließen , wohlan , da ist meine Hand ! Aufsuchen werd ' ich Niemand ! Aristokratisch oder bequem ? fragte Dankmar mit feinem Lächeln . Egon schien an dieser Alternative keinen Anstoß zu nehmen . Im Gegentheil sagte er : Entsinnst du dich unsres ersten Gespräches im Walde hinter dem Heidekrug ? Wohl ! sagte Dankmar . Damals trugst du eine Blouse . Allerdings würde ich jetzt dieselben Ansichten , von einem Fürsten in gesterntem Fracke vorgetragen , vorsichtiger auffassen . Du protegirst die Zeitung : das Jahrhundert . Man nennt den Ton derselben doctrinair . Die Doctrinaire sind die Aristokraten der Idee . Beruhige dich , Freund , erwiderte Egon , ich werde auch nicht mit den Professoren stimmen . In einer Zeit des Handelns ist Niemand überflüssiger als Der , der ewig nur räth und lehrt . Aber kommt ! Kommt ! Es ist bald neun Uhr ! Wir gehen in den Pavillon ! Durch mehre Zimmer , Cabinete , einen Corridor und dann eine kleine Wendeltreppe herab führte Egon die Freunde nach jenem geheimnißvollen Pavillon seines Vaters . Niemals hatte er gern von diesem Orte gesprochen , die Freunde niemals veranlaßt , ihn zu besuchen . Heute sprach er von ihm wie von einer seiner gewöhnlichen Retraiten . Die Freunde folgten ihm in einer eigenen beklommenen Stimmung . Sie fühlten , es war zwischen ihnen und dem jungen Fürsten nicht mehr wie sonst . Die Unbefangenheit fehlte , der Duft des Verhältnisses war verflogen . Sie fühlten , daß er ihnen nicht wehthun , sie in ihren Grundsätzen nicht verletzen wollte , und nichts verletzte sie doch mehr , als gerade , daß sie sahen , wie er ihnen auswich und durch Artigkeiten und Scherze den tiefern Bruch zwischen ihnen zu verdecken suchte . Siegbert hatte noch den meisten Glauben , oder er fühlte in Dem , was ihn sonst drückte , nicht den Zwang dieser Scenen , denen er doch nur halb beiwohnte . Seine Phantasie weilte bei Olga , bei der Vorstellung , wie er ihr nun heute begegnen , ihr in ' s Auge sehen sollte ! Louis war erschüttert . Dankmar verstimmt . Er stand sogar einige male auf der Wanderung nach dem Pavillon still , als ob er sich besänne , zu folgen und nicht besser thäte , sich heimlich zu entfernen . Sie hatten die kleine Wendeltreppe hinter sich . Ein Bedienter , der an ihrem Fuße harrte , stieß zwei Thorflügel auf ,