schon vor ihm besetzt hatte . Zweimal nahm er sie und zweimal war er gezwungen , sie wieder aufzugeben . Als er sich zum dritten Angriff anschickte , um den entscheidenden Stoß zu tun und die mehr und mehr in Unordnung geratenden Franzosen in das Saaletal hinabzudrängen , traf ihn eine Kartätschenkugel und warf ihn tödlich verwundet vom Pferde . Vier Tage nach der Schlacht verschied er , am 18. Oktober 1806 . So starb Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau , nicht an Glück , aber an jeglichen Gaben des Herzens und Verstandes jenen Schmettaus gleich , die unter Eugen und Marlborough zuerst die Schlachtfelder Europas betraten und unter dem großen Könige siegreich kämpfend den Ruhm ihrer Familie begründet hatten . Schloß Köpenick war wieder verwaist . Die Krone kaufte den Besitz zurück , aber Zimmer und Treppen blieben öde . Das Laub an Ulmen und Ahornplatanen kam und ging , ohne daß die Gänge des Parks ein anderes Leben gesehen hätten , als die laute Heiterkeit der Köpenicker Schuljugend , die hier ein prächtiges , von Gestrüpp durchwachsenes Terrain fand für » Hirsch und Jäger « und » Wanderer und Stadtsoldat « . Jahrzehnte vergingen so . Da zog wieder Leben ein in Schloß Köpenick , aber welch ein Leben ! Die Fenster , die nach dem Wasser hinaus lagen , wurden mit Holz bekleidet , und nur ein schmaler Streifen blieb offen , der dem Lichtstrahl von oben her einen Eingang gestattete . Geschlossene Wagen rollten über die Brücke , alles war in Dunkel und Geheimnis gehüllt ; es ging » ein finstrer Geist durch dieses Haus « . Die hohen Schwarzpappeln , die alten Wächter am Portal , standen unheimlicher da denn je zuvor und drinnen und draußen war kein Spielen und Lachen mehr . Hunderte saßen hinter den Gitterfenstern , die doch keine Fenster mehr waren , und nichts unterbrach die finstre Stille des Orts ; wie das Licht , so schien auch der Klang von seinen Mauern ausgeschlossen . Eine trübe Zeit . Übermut hatte gefehlt , und Mangel an Mut hatte zu Gericht gesessen ; waghalsige Schwärmerei , mißleitete Begeisterung büßten hart für den eitlen Irrtum einer Stunde . 5 Und wieder andere Zeiten kamen . Wie einen schweren Traum schüttelte Schloß Köpenick seine jüngste Vergangenheit ab . Die Fenster blitzten wieder , wenn die Morgensonne darauf fiel , und auf dem Platze , der zwischen Schloß und Schloßkapelle liegt , entstand ein Garten . Blumen blühten wieder und eine heitere Jugend hielt ihren Einzug . Eine heitere , denn sie kam nicht , um für Eitelkeit und Übermut über Gebühr zu büßen , sie kam , um in Demut und Bescheidenheit zu lernen . Und diese Jugend weilt noch darin . Allabendlich um die Dämmerstunde , wenn die Orgel zu Gesang und Andacht ruft und Lehrer und Schüler sich im alten Wappensaale des Schlosses versammeln , ist es wohl als ging ' es wieder um und als husch ' es in den Korridoren auf und nieder , aber die leisen Klageworte des Kurprinzen , der hier Schutz und Zuflucht suchte , das Kriegsgerichtsurteil , das hier gesprochen wurde , die Seufzer derer , die hier nach Licht und Freiheit rangen – alles verklingt doch als überwundene Dissonanz in dem vollen Brausen des Orgelchors , der eben jetzt das große Vertrauenslied in die Ratschlüsse Gottes anstimmt : Ein ' feste Burg ist unser Gott . Die Müggelberge Die Müggelberge Es rührt kein Blatt sich , alles schläft und träumt , Nur je zuweilen knistert ' s in den Föhren , Die Nadel fällt , – es ruht der Wald . Scherenberg Inmitten des quadratmeilengroßen Wald- und Inseldreiecks , das Spree und Dahme kurz vor ihrer Vereinigung bei Schloß Köpenick bilden , steigen die » Müggelberge « beinah unvermittelt aus dem Flachland auf . Sie liegen da wie der Rumpf eines fabelhaften Wassertieres , das hier in sumpfiger Tiefe zurückblieb , als sich die großen Fluten der Vorzeit verliefen . Die Müggelberge sind alter historischer Grund und Boden und waren schon das » hohe Schloß « dieser Lande , lange bevor die Wendenfürsten in die Spreegegenden kamen und lange bevor sich Brennabor an der Havel erhob . In vorslawischer Zeit , in Zeiten , die noch keine Burgen kannten , waren sie die naturgebaute , wasserumgürtete Feste , die von germanischen Häuptlingen jener Epoche bewohnt wurde – der Sumpf ihr Schutz , der Wald ihr Haus . Karl Blechen , » der Vater unsrer märkischen Landschaftsmalerei « , wie er gelegentlich genannt worden ist , hat in einem seiner bedeutendsten Bilder die Müggelberge zu malen versucht . Und sein Versuch ist glänzend geglückt . In feinem Sinn für das Charakteristische , ging er über das bloß Landschaftliche hinaus und schuf hier , in die Tradition und Sage der Müggelberge zurückgreifend , eine historische Landschaft . Die höchste Kuppe zeigt ein Semnonenlager . Schilde und Speere sind zusammengestellt , ein Feuer flackert auf , und unter den hohen Fichtenstämmen , angeglüht von dem Dunkelrot der Flamme , lagern die germanischen Urbewohner des Landes mit einem wunderbar gelungenen Mischausdruck von Wildheit und Behagen . Wer die Müggelberge gesehen hat , wird hierin ein richtiges und geniales Empfinden unsres Malers bewundern – er gab dieser Landschaft die Staffage , die ihr einzig gebührt . Ein Reifrock und ein Abbé in die verschnittenen Gänge eines Rokokoschlosses , eine Prozession in das Portal einer gotischen Kirche , aber ein Semnonenlager in das Waldrevier der Müggelberge ! Ihnen gilt jetzt unser Besuch . Wir kommen von Schloß Köpenick , haben Stadt und Vorstadt glücklich passiert und schreiten nunmehr dem Gehölze zu , das bis über die Müggelberge hinaus das ganze Terrain bedeckt . Es ist ein Forst und eine Heide wie andere mehr ; Moos und Fichtennadeln haben dem Weg eine elastische Weiche gegeben und nur die Baumwurzeln , die grotesk überall hervorlugen und uns wie böswillige Gnomen ein Bein zu stellen suchen , mahnen zur Vorsicht . Eine rechte