entgegnete : » Sie haben Recht , - ich dachte nur einen Augenblick an Frau und Kinder , aber Jurkowski ' s Beispiel leuchtet uns vor , der jetzt am Malakoff kommandirt und erklärt hat , daß nur das Grab oder schwere Verstümmelung ihn von dort entfernen würden . Als man ihm gestern die Botschaft von seiner Frau aus Simpheropol brachte , die das erste Bombardement hochschwanger mit sechs Kindern hier mit uns erlebt , daß sie von der Cholera ergriffen dem Tode nahe sei und ihn bitten lasse , nur auf einen Tag hinüber zu kommen , antwortete er : Nicht auf eine Stunde kann ich meinen Posten verlassen ! « » Echt spartanisch ! « brummte der Jägerlieutenant . » Ja , spartanisch - spotten Sie immerhin . Tokarew ! Die Thaten des klassischen Alter hums reichen nimmer an diese Aufopferung , die wir täglich hier von dem Geringsten sehen , während er weiß , daß sein name spurlos in der Menge verschwinden wird . Oder wägt die Forderung der spartanischen Mutter : Mit dem Schilde oder auf dem Schilde ! etwa höher , als gestern die Antwort Ihres Kameraden Wickhort , da er schwer verwundet fortgetragen wurde und der General ihn fragte , welche Belohnung er wünsche , ob das Georgen-Kreuz oder Beförderung : Lassen Sie eine neue Bombenkanone auf die vierte Bastion bringen ! ? « - Doch Sie wollen von Istomin ' s Begräbniß hören ? In der Wladimir-Kathedrale liegt er begraben gleich neben Korniloff , und Nachimoff , der Dritte im Bunde unserer Seehelden , beugte sich über die Gruft und ich sah seine Thränen fallen auf den Sarg . Aber er seufzte nicht nach dem gefallenen Waffenkameraden , sondern nach dem Loos , das jenem gestattete , die Entehrung der russischen Seeflagge nicht länger mit anzusehen , die Mentschikoff ihr auferlegt . Denn gleich darauf , als General Osten-Sacken ihm vorstellte , daß er ihm in seiner Eigenschaft als Truppenkommandant der Festung verbieten müsse , sich der Gefahr noch länger ebenso tollkühn auszusetzen , wie der Gefallene gethan , da sein Leben für Rußland unschätzbar sei , - da antwortete der Admiral ihm trotzig : Euer Excellenz würden dasselbe thun , wenn man Ihnen den Säbel ander Hand nähme und Sie mit einer Fuchtel bewaffnen würde . Der Marinelieutenant reichte dem Erähler die Hand : » Er hat Recht - Gott möge ihn wenigstens uns erhalten . Aber dennoch meine ich , hat die Marine auch hier auf dem Lande ihre Schuldigkeit gethan . « » Das hat sie - und der Ruhm der Vertheidigung Ssewastopols gehört ihr zur großen Hälfte . Jetzt schmälert sie uns Soldaten ihn noch bei den Ausfällen , bei denen sie immer voran ! Haben Sie Ihre näheren Instructionen schon erhalten für heute Abend , Herr Kamerad ? « Birjulew halte sich leicht für das Compliment verneigt . » Noch nicht , Herr Oberstlieutenant . Ich kenne nur im Allgemeinen den Zweck und weiß allein , daß unsere Diversion zur Unterstützung der Hauptattaquen unter Generallieutenant Chrulef von der Kamtschatka-Lünette und der griechischen Freiwilligen des Fürsten Morusi von der Bastion III. dienen soll . Aber ich erwarte sie jeden Augenblick . « » Man muß gestehen , der General en chef hält ein gutes Entree . Ich wünsche nur , daß er so fortfährt . « » Man hegte eigentlich kein besonderes Vertrauen auf seine Energie , « sagte vorwitzig der Fähnrich . » Er soll überaus vorsichtig und schwer von Entschlüssen sein . « » Das ist es , was man dem Fürst-Admiral eben nicht zum Vorwurf machen konnte , « fiel der Sappeur ein , » indeß ist es eine wichtige Eigenschaft für den Feldherrn . Etwas mehr Vorsicht hätte uns Inkermann nicht verlieren machen . « » Ssoimonof ' s Versehen trug die Schuld . Der Fürst war einer jener Kolosse von Erz , für die es Zufälle und Möglichkeiten nicht giebt . Es ist merkwürdig , daß diese harte Natur mitunter so viel Laune und Gemüthlichkeit bewies . Ist er bereits abgereist ? « » Gestern Morgen . Seine Gesundheit soll sehr angegriffen sein . In Petersburg galt er früher als Witzbold . Barjatinski hat uns manche hübsche Anekdote von ihm erzählt . « » Richtig ! Sein Epigramm auf den Herzog von Leuchlenberg und dessen Georg brachte ihn ja eine Zeit in Ungnade . Aber er war stets ein tapferer Soldat . Die Eroberung von Anapa begründete seinen Ruf . « » Bei Varna , « fügte der Podpolkawnick bei , rollte ihm eine matte Kanonenkugel über den Fuß , während er eine Prise Schnupftaback nahm . Ader nicht ein Körnchen ging ihm verloren , während er sagte : Hätte der Bursche so viel Pulver mehr gehabt , wie ich hier zwischen den Fingern halte , so hätte ich ein Bein weniger . Die Anekdote mit dem Knopf ist kostbar und soll durch alle europäischen Zeitungen die Runde gemacht haben . » Bitte , lassen Sie hören , Birjulew , ich kenne sie nicht , « bat der Jäger-Offizier . » Ei sie in bald erzählt . Capitain Beaufort von den britischen leichten Dragonern war bei Balaclawa gefangen genommen und zur Heilung einer Wunde nach Simpheropol gebracht worden . Bald darauf gingen durch Gelegenheit eines Parlamentairs Briefe für ihn ein , und da es Vorschrift , daß alle Schreiben an und von Kriegsgefangenen vor der Uebergabe gelesen werden , geschah dies auch mit den Briefen des Capitains . Einer davon - der Engländer gehört zur Peerage - - war von einer Dame . Sie bat ihn . Ssewastopol so bald als möglich einzunehmen , damit er zu den Almaks noch in London sei , aber auch Fürst Mentschikoff in Person nun Gefangenen zu machen und ihr zum Beweis seiner Tapferkeit einen Knopf von des Fürsten berühmten Paletot mitzubringen . Als dem britischen Capitain dieser Brief übergeben wurde , fand er einen andern dabei von des Fürsten eigener Hand , der in englischer Sprache und