. Es hatte eine Differenz von funfzehn Stimmen gegen sich . Aber der Fürst ? fragte Siegbert . Stimmte mit der Minorität , sagte Louis . Ministeriell ? Mehr als ministeriell ! Lesen Sie seine Motivirung ! Man trat in die offene Flur des nächsten Hauses , breitete die Zeitung auseinander und las : » Fürst Hohenberg . Meine Herren , Sie wollen in dies Haus eine Ordnung einführen , die eine Tyrannei ist und allen Gesetzen des Anstandes widerspricht . Ich billige vollkommen , wenn Sie sagen , in diesem Hause wären Sie die Herren und die Herren Minister nur Ihre Gäste ; ich theile durchaus nicht die Ansicht der Herren Minister , denen dies Verhältniß umzukehren beliebt . Allein , wer sich vorgesetzt hat , nur seinen eigensten Überzeugungen zu folgen , wird unfähig sein , sich in dieser Frage auf irgend einen Parteistandpunkt zu stellen . Die Minister haben Thatsachen zu vertreten , während Sie nur Meinungen . Ein Minister kann in jedem Augenblick in der Lage sein , einen neuen Brennstoff in die Debatte zu werfen ... Eine Stimme . Öl in ' s Feuer ! Fürst Hohenberg . Wohl ! Mein Herr ! Öl in ' s Feuer ! Daß es lodere , daß es flamme , daß die Wahrheit heller erkannt werde ! Und wenn hier ein Minister des Absolutismus oder ein Minister in der Blouse stünde , er müßte das Recht haben , die furchtbare und leider meist unwiderstehliche Kraft der ihm anvertrauten Thatsachen zu vertreten , zu geschweigen , meine Herren , daß die einfachsten Gesetze des Anstandes Demjenigen , den man bei sich eingeladen hat , das letzte Wort zuzugestehen . Ich stimme gegen den Antrag der Commission . ( Bewegung . Bravo . Zischen . ) « Es ist acht Uhr , sagte Dankmar , nach einem Augenblick des Erstaunens rasch auflodernd , wollen wir Egon besuchen ? Ich muß es thun , sagte Louis ; ich hab ' ihm versprochen , Bericht zu erstatten von unserm gestrigen Abend , an dem er Antheil zu nehmen schien , als ich ihm davon erzählte . Wenn ihn irgend ein Gedanke ergreifen kann , so sollte es dieser hochherzige ! Egon ist ja schon ein Ritter vom Geiste ... denn Sie sehen , wie er sich vom Buchstaben der Partei lossagt . Dieser Buchstabe , bemerkte Dankmar auf eine so zweifelnde , schmerzliche Wendung , ist leider in Übergangskrisen , wie wir sie jetzt erleben , der Geist selbst . Wer nicht die Kraft hat , selbst eine Partei zu bilden , muß sich bezwingen , die Zahl Derer , die ihm am verwandtesten denken , durch seine Zustimmung zu vergrößern . Die edelste Aufgabe meines Bundes wird auch die sein , die Kunst zu lehren und zu üben , Majoritäten zu bilden . Wir wollen zu Egon gehen . Als die Freunde eine Seitengasse einschlugen , bestätigte Louis auf ' s neue , wieviel Sorgen ihm der hochgestellte Freund mache . Seit vierzehn Tagen schiene er an einem tiefen Kummer zu leiden und wäre nicht mehr der Alte . Leider hätte diese Verstimmung zur Folge , daß er alle seine alten Pläne aufgäbe und nur noch dem Ehrgeize lebe . Louis erzählte von Wiederherstellung eines verwitterten Wappens über seinem Palais , eine Unternehmung , die Siegbert noch mit den Worten entschuldigte : Warum soll er das Wappen vermodern lassen ? Entweder mußte die steinerne Tafel ganz abgenommen oder restaurirt werden . Aber man hörte von Vermehrung der Bedienung , von neuen Livreen nach englischem Schnitte , von einer verschwenderischen Anwendung des Hohenberg ' schen Wappens auf Briefcouverten , Büchern , Tellern , Pferdegeschirren u.s.w. Unsre Freunde gestanden sich , daß die sonst so demüthigen Blicke der Diener impertinent geworden waren . Die Wandstabler ' s , die sich schon anschickten , das Haus zu verlassen , rümpften die Nase , als wollten sie sagen : Unsre Zeit bricht wieder an ! Die Art der Anmeldung bei Egon wäre umständlich , complizirt , erkältend , noch ehe man ihn sähe . Er erweise sich herzlich nach wie vor , aber er wäre zerstreut ... oder ein Kummer drücke ihn , den Niemand errathen könne ... Man war bei dem Thema über Helene d ' Azimont angekommen und schwieg . Der Weg zum Palais war noch nicht zurückgelegt . So knüpfte man an den gestrigen Abend an und Louis Armand sprach nun aus , was er gestern zurückgehalten hatte . Also nur der Geist soll triumphiren ? sagte er . Nur der Gedanke soll uns frei machen ? Wir sollen uns also die Hand reichen über Länder und Völker hinweg ? Anfangs , meine Freunde , fürchtete ich , die Idee der Ritter vom Geiste würde auf jene Sekte hinauskommen , die sich in Paris unter dem Namen der neuen Templer begründet hat . Ich war Zeuge einer Sitzung dieser neuen Templer . Es sind Affen alter Ceremonien , schwache eitle Copieen der Freimaurer . Sie scheinen keinen andern Zweck zu haben , als sich , wie auf der Maskerade , im Costüme des Mittelalters zu brüsten , gut zu essen , sich mit großen fabelhaften Titeln zu beladen , und alle diese Narrheiten entschuldigen und beschönigen sie dann mit einigen Phrasen über Menschenliebe , Wohlthätigkeit , den ewigen Frieden , die Fraternität der Nationen und die Ehrwürdigkeit aller Religionen ! Mit Egon war ich bei einer dieser Sitzungen zugegen und schon damals sagte er : Das Streben , auf die überlieferte Ordnung , in der wir geboren werden , gleichsam eine neue zu pfropfen , die Ordnung einer eigenen Wahl , ist gewiß ehrenwerth , aber wie müßte es doch großartiger und heroischer ausgeführt werden ! Sagte er Das ? Ich kenne die Statuten dieser neuen Pariser Templer , schaltete Dankmar ein . Egon rief damals aus , fuhr Louis Armand fort : Welche Affen , welche Komödianten ! Ich sehe mit klaren Augen die alten Templer auf dem geweihten Boden Palästina