Jeder will den Vorzug meiner Liebe ! Warum soll ich ihnen beiden die Hand nicht festhalten und ihr Priester werden zum neugeschlossenen Bunde ! ... Terschka stört diesen Bund ? Nun wohl ! Terschka ist - furchtbar . Er ist der Freund des Grafen Hugo und die Mutter des Grafen ist die Freundin meiner Mutter - Sie liebt ihn vielleicht nur noch in ihren geheimsten Gedanken - ich will Paula glauben , die das Gegentheil versichert - aber Terschka ist voll List . Wohin mich auch mein Gelübde führt , Terschka soll meine Mutter nie beirren - nie - nie ! ... Ich ahne meinen Untergang , aber ich opfere lieber mich selbst an Terschka und nehm ' ihn , wenn er mich will ... Gott wird mein Beginnen » crönen « ! ... Und so kam es , daß Armgart zu Terschka sagen konnte : Begleiten Sie mich doch heute Abend nach Hause ! ... So kam es , daß sie sprach : Soll ich morgen mit auf die Jagd ? ... So kam es , daß sie gestern sagte : Wie lange bleiben Sie auf Schloß Neuhof ? ... So - daß sie ihm sogar nachrief : Kommen Sie doch nicht zu spät ! ... Daß Terschka dann auch noch einen bestrickenden Zug des Unvermeidlichen hatte , that das Uebrige zu einem Entschluß , mit dem sie vielleicht unter Tausenden allein steht ... » Ich nehme nur Den , den ich liebe ! « sagte einst eine Stiftsdame und that mit dem Wort unendlich groß . Armgart erwiderte : » Trivial ! « ... Bonaventura war gegangen ... Paula hatte sich zurückgezogen ... Man fand sich immer mehr und mehr in den Fund der Urkunde , wie man sich schon gestern in den Brand gefunden hatte ... Armgart flatterte in der tiefen Verschüchterung ihres ganzen Seins dahin ... Einmal hörte sie das Wort » Etikette « zu Terschka sprechen , der mit Augen dasaß , die zwei Kratern eines Vulkans glichen ... Glaubt nur nicht , rief sie , daß Paula nun diesen Grafen Hugo nimmt ! Sie geht in ein Kloster ! ... Die Tante rief zornig : Und du gehst zu Bett ! ... Armgart ging , aber sie erschrak vor jedem Fußtritt , der gehört wurde , vor jedem Geräusch im Schlosse ... Fräulein von Tüngel-Appelhülsen hatte den Stachel in ihre Brust gesenkt , daß schon die Mutter bei Frau von Sicking wäre ... Bei Hedemann würde sie vom Vater hören ... Das nun klang in alles , was sie that und sprach , wie ein stürmisches Läuten hinein und wohnten nur Benno und Thiebold nicht bei Hedemann , sie wäre schon in aller Frühe zu ihm gerannt ... Der Onkel entließ sie zur Ruhe mit einem herzinnigen Kuß auf die Stirn . Die Aufregung des Schlosses machte , daß nicht sogleich die Diener zur Hand waren ; sie sagte in ihrer Weise darüber : Es geht wahrhaftig bei uns jetzt alles Hott und Tule ! ... Terschka kannte diesen Ausdruck nicht ... Armgart , darum befragt und ohnehin immer mit schwarzen Seelen beschäftigt , leitete ihn von den Hottentotten her ; für » Tule « fragte sie den Onkel ... Von den Hottentotten ? wiederholte der Onkel ... Hott und Tule ? ... Angeregt wie er war durch seine archivalischen Studien , hörte er diese Deutung mit Erstaunen , begann von Ultima Thule , als dem äußersten Norden der Alten , ließ » Hott « in der That als äußersten Süden gelten und hatte nun noch für die Nacht eines jener Objecte , mit denen er selbst in der Sterbestunde seinen bevorstehenden Tod vergessen konnte ... Armgart ging in ihren Thurm , vor dem Fall ihres eigenen Schattens erschreckend ... Spähend suchten die Augen , ob sie auch vor jeder Ueberraschung sicher war ... Sie riegelte heute zu , wie auf der Flucht ... Eine Viertelstunde später , als sie fast entkleidet war , klopfte es ... Wer sollte wol anders so vorsichtig klopfen als Terschka ? ... Sie erbebte und meldete sich nicht ... Terschka war es in der That und flüsterte : Fräulein Armgart ! Ihre Mutter kommt morgen ... Sie hörte nur ... Ich bin morgen früh in Witoborn zum Begräbnis des Landraths ... Sie schwieg und zitterte ... Haben Sie keinen Auftrag ? ... Möglich , daß ich erst zurückkomme , wenn Ihre Mutter schon da ist ... Mein Gott ! Ich bin so unglücklich , die Mutter nicht begrüßen zu können ... Aber ich werd ' s halt schriftlich thun ... Küssen Sie ihr doch in meinem Namen die Hand ! ... Teufel ! sprach Armgart mit knirschenden Zähnen und sprang vom Bett herab , auf dem sie schon halb entkleidet saß ... » Küssen Sie ihr die Hand « ! ... Eine jener Galanterieen , die in diesem tugendhaften Land mehr etwas Frivoles , als Artiges ausdrückten ... Hören Sie denn aber ? fuhr Terschka fort ... Ja ! sagte sie mit erstickter Stimme , doch laut genug , um vernehmbar zu werden ... Sie wird oben am Cavaliersaal wohnen ! fuhr Terschka fort . Die beiden Zimmer rechts ; alles ist vorbereitet , ohne daß Sie davon ein Wort wissen sollen ! Verrathen Sie mich aber nicht ! ... Meine Blumen müssen einstweilen als Selam für mich sprechen ! Von den Gerichten und Justizräthen rundum komm ' ich morgen vor Abend nicht frei und einen Courier muß ich auch von Witoborn in erster Frühe noch nach England expediren ... Haben Sie doch ja ein wenig Mitleid mit mir ! ... Nach England , wo die Menschen protestantisch werden und fünfmal hintereinander heirathen dürfen ! ... So fühlte Armgart ... Terschka mochte nicht ganz das teuflische Raffinement besitzen , Armgart ' s Eifersucht erregen zu wollen , dennoch that er es mit seinen , der südländischen Galanterie angehörenden Worten wider Willen ... Armgart blieb im Zustand der Verzweiflung zurück ... Nicht ' nur daß die Mutter schon wieder