, wie lange Fäden ihre Augen zu dir hinüber spannen ! Fast verzehrt , fast lechzend nach Liebe ! Du kommst mir wie einer der Religionsstifter vor ! Alle zogen erst die Frauen an . Aber sie waren gewissenhafter als du und entsagten ... Ihr Wuchs ist untadelhaft - Hörst du nicht ? Aufrichtig ! betheuerte Dankmar . Sie zieht mich an und gerade deshalb , weil sie mein vollkommenstes Gegenbild ist . Sie hat etwas zerflossen Weibliches , wie ich es liebe . Die schönsten Weiber , Melanie an der Spitze , machen mir keinen dauernden Effekt . Ich war von Melanie auch nur geblendet . Ich bedurfte ihrer . Ich weidete mich an ihrer Haltlosigkeit , ihrer eitlen Hingebung . Ich war auf Augenblicke entzückt und habe mich doch so von ihr getrennt , daß ich sie mit der größten Ruhe ihrem Ziele , den Prinzen Egon nun wirklich noch zu erobern , zusteuern sehe . In der That ? Wäre Das jetzt ... schaltete Siegbert voll Schmerz und doch überraschtem Antheil ein . Melanie ist , seit wir ihr an dem Eisenbahndurchschnitt begegneten , sehr oft bei Pauline von Harder . Egon spricht mit Wärme von ihr ... Und Helene d ' Azimont ? Bahnt ihrem Gewissen eine Brücke , um von der Verzweiflung über Egon sich zu neuem Leben wieder in eines Malers Armen zu sammeln ... Eines Malers ? Heinrichson ' s ? unterbrach Siegbert entrüstet , stand auf und ließ zuvörderst die Katze hinaus ... Du phantasirst ! rief er dann schmerzergriffen über die Voraussetzung , daß menschliche Herzen solcher Lügen , solcher Irrthümer und Wandelungen fähig sein sollten . Mein guter Bruder ! sagte Dankmar . Psychologie und etwas Schädellehre ! Die länglichen , schlanken Formen des Ledamalers kennst du ... Er wäre gewissenlos genug ... Die runden Formen der d ' Azimont bedeuten Das , was die Menschen Gemüth nennen und was ich Leidenschaft und excentrische Gegensätze nenne . Bei einer gewissen Klasse von vornehmen Frauen ohnehin siegen erst Die , die ihnen ebenbürtig sind . Bei der ersten Furche auf der Stirn wählen sie einen berühmten Musiker zum Freunde , bei der zweiten einen berühmten Maler , und wenn es abwärts geht , findet sich wol noch irgendwo ein flammender Naturpoet , der für seine lyrischen Vokale einen Consonanten braucht . Guido Stromer mein ' ich z.B. könnte noch bei Paulinen von Harder Glück machen und Heinrichson ' s Nachfolger werden . Abscheulich ! Abscheulich ! rief Siegbert , mehr von den bizarren , menschenfeindlichen Ansichten des Bruders entrüstet , als an die Möglichkeit solcher Verbindungen glaubend . Und Adele Wäsämskoi , fuhr Dankmar unbarmherzig fort , liebt die Fürstin nicht auch einen Maler ? Warum sollte Helene d ' Azimont nicht an Heinrich Heinrichson Ersatz für Egon - Siegbert hielt dem grausamen Spötter den Mund zu . Er konnte seine Anschuldigung nicht vollenden . Abscheulicher ! sprach er dann voll ernsten Unwillens . Wie spielst du mit Frauenherzen ! Irren diese schwachen Wesen , so sind sie bemitleidenswert und die meiste Schuld trifft uns . Daß Egon Helenen nicht mehr liebt , ist wol gewiß . Es ist ein schmerzlicher Beweis der Umkehr seines Charakters . Diese Hingebung , diese Liebe Helenen ' s war ein Wunderwerk , eine Fabel , unglaublich und doch wahr . Lauschte sie nicht seinem Athemzuge , betete sie ihn nicht an ? Was soll ein Weib beginnen , das nun einmal im Manne lebt und sich von der Seele des Geliebten dann ausgeschlossen sieht , nur angewiesen auf einen Pflichttheil der Achtung und öffentlichen Schonung ! Kann man Helenen verdenken , daß sie Egon statt zu lieben , wird hassen lernen ? Und daß sie dem Prinzen einen berühmten Maler gegenüberstellt ? sagte Dankmar . Das ist nicht wahr ! Verleumdung ! Heinrichson zeichnet mit ihr die Erinnerungen an der See von Enghien , er übermalt ihre schwachen Leistungen , zu denen sie die Liebe spornte , ohne daß sie die Kraft besaß , Das , was ihr in voller Seligkeit der Erinnerung vorschwebte , zu vollenden . Er ist einschmeichelnd , das ist wahr , ist verführerisch , charakterlos . Ich zweifle nicht , daß er sich von seiner brillantesten Seite zeigt , sie mit Artigkeiten überhäuft , sie durch eine scheinbare Zurückhaltung verwirrt und durch seinen trockenen , zuweilen geistreichen Witz unterhält ... Nun ... nun ... und dem Allen widerstände ein beleidigtes Frauenherz und benutzte es nicht , um dem Treulosen zu zeigen : Sieh ! Da weckt ' ich doch noch neue Flammen ! Siegbert schauderte und blickte fast vernichtet zur Erde . Es war ein zu greller Schatten gewesen , den Dankmar da auf die Menschenseele fallen ließ . Lieber Bruder , sagte Dankmar ruhig und ergriff Siegbert ' s Hand . Ich wünsche , daß ich mich immer täuschte , wo du anders und gläubiger siehst . Du siehst die Dinge schön und warum sollt ' ich nicht wünschen , daß die Menschen gut , ihre Thaten schön sind ! Aber kannst du leugnen , daß dich die Fürstin Wäsämskoi liebt , daß sie zittert , in deiner Nähe zu sein , daß sie Augen nur hat für dich , daß sie in Zorn geräth , wenn Olga dich eine Weile anblickt ? Und du selbst , Siegbert , bist du frei von der Einwirkung dieses eigenthümlichen Verhältnisses ? Es macht dich unlustig zur Arbeit ! Du tändelst deine Zeit so hin ! Du beginnst nichts Neues mehr , vollendest nichts Altes ! Gestehe nur , daß es in deinem Innern bewegt und bunt genug aussieht . Siegbert ging im Zimmer auf und ab . Er fühlte nur zu tief die Wahrheit dieser Vorwürfe und widersprach ihnen nicht . Du hast Recht ! sagte er leise und mit feuchten Augen und setzte sich neben den Bruder , das Haupt auf die alte Sophalehne stützend . Du hast Recht ! ... Rathe mir ! Liebst du die Fürstin ?