... am Weihwasserbecken ... Besinnung hatte er nicht , sich zu benetzen ... Die Gruppe , die sich seinen Augen bot , ließ auch nichts anderes aufkommen , als zunächst den Gedanken : Paula stirbt ! ... Beleuchtet von Kerzen , die Diener und einige Mädchen in die Höhe hielten , stand Paula mit einer Pergamentrolle in den Händen , leichenblaß , Wachsfarben , wie ein Cherub des Himmels und wie schwebend im Chor der Seligen ... Armgart , zu ihr aufsehend , hielt sie in Andacht und Schrecken ... Die Tante Benigna hielt sie ebenso mit ihrer Rechten ... Paula las zwar , aber ihr Auge stand starr und wie gebrochen ... Die Worte : » Vorbehaltlich daß die jüngere Linie meinem Beispiel folgt und bis dahin in den Schoos der alleinseligmachenden Kirche zurückgekehrt ist « standen wie mit Geisterhand aus ihrer Stirn zu lesen ... Onkel Levinus sprach diese Worte ... Und nun trat Bonaventura ein ... Da erlosch Paula ' s Auge ganz ... Ihre Kniee wankten ... Mit einem Hauch des Schreckens verging ihr die Kraft , sich zu halten ... Ohne Bewußtsein lag sie in den Armen der Hinzuspringenden , die sie nebenan auf ein Sopha trugen ... Wie mit Donnerton wollte Bonaventura rufen : Aber die Urkunde ist ja falsch ! ... Doch auch ihn entwaffnete der Anblick derselben . Er kannte so viele solcher alten Urkunden . Diese trug die Spuren ihrer Echtheit unverkennbar ... Das Pergament war zermürbt , mannichfach zerbrochen , altersbraun ... Die Buchstaben der Handschrift im steifen Kanzleigeschmack der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege ... Während Paula nebenan ins grüne Zimmer getragen wurde , erzählte der Onkel die Art des Fundes , die Ueberraschung Benno ' s , die Zweifel Thiebold ' s , seine eigenen Untersuchungen ... Aber Terschka ? fragte Bonaventura außer sich ... Betroffen - natürlich - erschüttert - Es ändert sich vieles - wenn nicht - ... Alles ! rief Bonaventura ... Der Onkel bestätigte dies ... Sonst hörte er nichts und sah nichts , als die wahrscheinliche Geschichte der Urkunde ... Er bewies an den Brüchen des Documents , wie dasselbe zwei Jahrhunderte lang an der hintern Wand eines Schubfachs hätte müssen eingeklemmt gewesen sein ... Er hatte das Siegel der Dorstes nie in so richtiger Prägung gesehen ... Drei Sterne fand er wieder , die gerade Maximilian von Dorste zuerst in das Wappen des Hauses einführte ... Er bewunderte die damalige Schreibart einiger Dorfschaften , die zu den gräflichen Gütern gehörten ... Längst von ihm geahnte Ursprünge derselben sah er jetzt bewiesen ... Paula blieb inzwischen auf dem Sopha ; Armgart kniete vor ihr und barg thränenvoll ihr Haupt ... Tante Benigna sagte halb bangend , halb von ihrem Standpunkt schon freudestrahlend : Eine große Wendung ! Paula - die Herrin des Ganzen ! Das steht nun fest und bleibt unwiderruflich ... Und auf ein Wort , das sie eben von den Rücksichten der Etikette beginnen wollte , trat Terschka ein , in schwarzen Kleidern , in völlig veränderter Haltung gegen sonst , bleich wie der Tod ... Die Augen Bonaventura ' s wagte er nicht auszuhalten ... Er verbeugte sich und blinzelte auf alle Umstehenden von der Seite , während er aufs neue die Urkunde ergriff ... Wie oft hatte man sich aus Wien bereit erklärt , sich ihr unterwerfen zu wollen , falls sie gefunden werden könnte und überhaupt je ausgestellt wäre ... Es handelte sich um eine veränderte Stellung aller der Fragen , die bisher Rück vertreten hatte . Es handelte sich um die weitere Erbfolge , die eine völlig verschiedene wurde , wenn sie von Paula als Herrin ausging , als wenn von der jüngern Linie . Blieb Paula die Besitzerin , so hatte auch die weibliche Linie der Dorstes Erbrechte und da ergab sich auf diese Art nicht nur der berechtigtste Antheil drüben in der Person des Präsidenten auf Neuhof , durch diesen in Bonaventura selbst , sondern auch für viele entfernter wohnende Angehörende ... Gerade von dieser Seite aus war schon lange und besonders durch den Kronsyndikus wie eine felsenfeste Nothwendigkeit die Convenienzregel hingestellt worden , daß , wenn Graf Hugo nicht mit dem Erwerb dieser großen Güter , weil er nicht katholisch wäre , durchdränge , doch Gräfin Paula dann seine Hand annehmen müßte , um ihn und die jüngere Linie von ihrem tiefen Verfall emporzubringen ... Ein solcher Receß , wie er nun jetzt eintrat , gestattete Paula nicht die freie Disposition über ihr Eigenthum ; Vettern und Muhmen und Kirche und Landschaft nahmen an den Pacten einer Ehe theil und legten die mannichfachsten Beschränkungen der vollen Besitzergreifung auch für Paula auf ... Paula , die darum aber doch die reiche Erbin blieb und höchstens aus freiem Willen , aus Hinopferung ihrer Hand etwas für die jüngere Linie thun konnte - für den Grafen Hugo , den Lutheraner , den Freund Angiolina ' s - den Freund des Freifräuleins von Wittekind , der Schwester Benno ' s ! - Paula erhielt an die Freiheit ihres Willens Berufungen , denen wenigstens jetzt ihre Kraft nicht gewachsen war ... Alles das übersah Bonaventura voll Schrecken und Wehmuth ... Terschka erklärte mit scheinbarer Ruhe und mit einer den Onkel und die Tante wohlthuend berührenden Mäßigung nur seine Ueberraschung zu diesem Schicksalsschlage ... Seinen unbedingten Glauben an die Urkunde verweigerte er nicht ... Er erwähnte die Anstalten , die er getroffen hätte , sofort durch einen Courier nach Wien die neue Wendung wissen zu lassen , die man jedenfalls - er verbeugte sich gegen Paula - hoch in Ehren zu halten hätte ... In seinem Innern kämpften die Entschließungen , die er fassen sollte ... Seine irrenden Augen suchten Armgart , die die ihrigen verbarg ... Die Beichtworte , die Bonaventura von Hammaker und Bickert gehört hatte , lauteten auf » Feuersbrunst « und » falsche Urkunde « ... Ein Wie ? ein Wo ? und Wann ? hatte er von keinem von beiden erfahren können ... Vielleicht hatte