! “ mahnte Benedict dringender . „ Nein ! “ sagte Rhaneck dumpf „ Jetzt nicht ! “ „ Aber Sie versprachen mir doch – “ „ Nie ! “ wiederholte der Graf leidenschaftlicher . „ Ich sage Dir , Du erfährst es niemals , wenigstens von meinen Lippen nicht – Du selbst hast sie mir geschlossen . “ Der junge Priester schwieg . Er machte keinen Versuch weiter , in das Geheimniß einzudringen , dessen schon verheißene Enthüllung man ihm auf einmal so hartnäckig weigerte , aber der Argwohn lag wieder finster auf seiner Stirn und fremder und kälter als je trat er vor seinem Beschützer zurück . Dieser strebte sichtbar , die Fassung wieder zu gewinnen , die ihm die leidenschaftliche Erklärung Benedict ’ s völlig geraubt hatte , er rief Ottfried herbei , aber als dieser , dem Rufe folgend , an seine Seite trat , schien er noch einmal zu schwanken . Es war , als dränge sich das verhängnißvolle Wort trotz alledem wieder auf seine Lippen , als wolle er dennoch einen Versuch der Versöhnung wagen ; er wandte sich zu Benedict . „ Du bestehst also darauf , nach dem Stifte zurückzukehren ? “ „ Morgen Abend bin ich dort . Sagen Sie dem Prälaten , die Kraft , die er dem Orden erhalten wollte , sei ihm verloren auf ewig , aber ich wäre trotzdem des Wortes eingedenk gewesen , mit dem er mich beim Abschiede entließ : Ich sei zu Allem fähig , nur nicht zum Meineide ! “ Der Graf zuckte wieder leise zusammen und die schon gehobene Hand , mit welcher er die des jungen Priesters ergreifen wollte , um ihn zu seinem Sohne zu führen , sank schlaff hernieder , stumm preßte er die Lippen zusammen . Von den beiden jungen Männern redete keiner ein Wort , sie standen sich gegenüber , finster , feindselig von einander abgewendet , nur mühsam den innern Groll zügelnd . Noch hielt die Gegenwart des Grafen sie in Schranken . Wenn diese Schranke fiel , so wiederholte sich vielleicht jene Scene im Walde , deren furchtbaren Ausgang er einst mit Mühe verhindert hatte . Er kannte freilich nicht die geheime Quelle , aus der jener Haß stammte , der den Beiden schon einmal die Waffen in die Hand gezwungen , und eben deshalb unterschätzte er die Gefahr , er ließ es bei seinem frühern Verbote bewenden , einander nicht feindlich zu nahen : ein ohnmächtiges Wort , ein Verbot sollte die volle heiße Leidenschaft der Jugend dämmen . Das eine Wort , welches allein der Feindseligkeit zwischen ihnen ein Ende machen und sie zur Versöhnung hätte zwingen können , blieb ungesprochen – der Graf ahnte nicht , was ihm dies Schweigen kosten sollte , und welche Qualen er damit auf sein eigenes Haupt herabrief . Der Abschied war hastig und kurz von seiner Seite , eisig von Seiten Benedict ’ s. Rhaneck schlug , von seinem Sohne begleitet , den Rückweg nach dem Dorfe ein , während Jener den verspäteten Gang nach der Wallfahrtskirche antrat . Pfarrer Clemens hatte nicht Unrecht , bei diesem täglichen Gange für seinen jungen Mitbruder zu fürchten , zumal in der jetzigen Jahreszeit . Es war ein einsamer und gefährlicher Weg , der nur Raum für die Schritte eines Wandernden bot . Rechts stieg der Fels jäh empor , links fiel er jäh ab in die Tiefe , steil bergabwärts wand sich der Pfad , über glattes Steingeröll , vorüber an stürzenden Bächen , an abgestorbenen Tannen bis zur „ Wilden Klamm “ . Schon in einiger Entfernung vernahm man das Rauschen und Tosen des Gewässers , das sich tief unten im Grunde sein felsiges Bett wühlt , zu beiden Seiten desselben stiegen die nackten Klippen schroff und steil empor , die Häupter so nahe zu einander geneigt , als wollten sie sich berühren . Es sah aus , als habe eine vulcanische Gewalt die mächtige Felswand gespalten und in zwei Hälften auseinander gerissen , zwischen denen nun der Fluß dahintobte . Eine schmale Brücke , roh aus Baumstämmen gezimmert , und mit einem schwachen Geländer nur als Stützpunkt für die Hand versehen , hing in halber Höhe der Felsen über der Schlucht . Nur ein matter Strahl des Tageslichts fiel von oben herein , gerade hell genug , um zu erkennen , daß die „ Wilde Klamm “ ihren Namen mit Recht führte , man konnte nichts Wilderes sehen , als diese Scenerie von der Brücke aus . Der Blick schwindelte , wenn er oben in der Höhe das dunkle zerklüftete Gestein zu umfassen strebte , das , schwer niederhängend , jeden Augenblick bereit schien , herabzustürzen und den schwachen Steg zu zerschmettern ; und er schwindelte , wenn er hinabsank im die Tiefe , wo das Wasser brausend und zischend dahinschoß , die schaumgepeitschten Wellen ewig am Fuße der Klippen brechend , die jäh ansteigend auch nicht einen Fuß breit Raum zwischen sich und dem wilden Elemente ließen . Wie Eiseshauch umfing hier die Luft den einsam Wandernden , sie legte sich feucht und kalt auf seine Stirn und wehte ihn an wie mit Grabesodem ; hier galt es , nicht aufwärts und nicht niederwärts [ 151 ] zu schauen , sondern fest und unverwandt auf den Steg vor sich zu blicken , wollte man ungefährdet hinüber . Furchtlos betrat Benedict die Brücke , er ging den Weg ja seit Monden beinahe Tag für Tag ; ohne das Geländer zu berühren , ohne auch nur die allergewöhnlichste Vorsicht zu brauchen , schritt er rasch vorwärts . Vielleicht gab sein schwindelfreies Auge ihm diesen Muth , vielleicht auch die Gleichgültigkeit gegen das Leben , die er vor Kurzem noch dem alten Pfarrer gegenüber ausgesprochen ; und es war wohl Schlimmeres als bloße Gleichgültigkeit dagegen , was , in der Mitte der Brücke angelangt , seinen Schritt bannte und ihn so unverwandt niederschauen ließ in den kochenden Gischt da unten . Leise kam die Versuchung herangeschlichen , es