Nein , meine Liebe , ich danke recht schön ! Bitte , verschaffen Sie mir ein wenig Vanille- oder Erdbeereis – ich verschmachte ! « Die gemütliche , dicke Wirtschaftsmamsell , deren Verstand nicht weiter reichen sollte als ihr kleiner Finger , wie die Frau Baronin behauptete , sah sehr verblüfft und verlegen drein und besann sich vergeblich auf eine Antwort . » Ach , es ist kein Eis zu haben – wie ? « rief Lucile belustigt ; sie weidete sich übermütig an der hilflosen Miene der völlig Verwirrten . » So , so – na , dann bitte ich um ein Glas Champagner . « Es erfolgte ein abermaliges momentanes Schweigen . Mamsell Birkner wandte sich langsam nach dem Bedienten um , der sich eben aus dem Staube machen wollte . » Wollen Sie so freundlich sein , Robert – « » Ich bedaure , « versetzte er achselzuckend und offenbar sehr empört darüber , daß er in diesem Falle so offen seine Machtlosigkeit bekennen mußte . » Die gnädige Frau Baronin – « Lucile winkte unterbrechend und silberhell auflachend mit der Hand . » Ein Glas frisches Wasser , wenn ich bitten darf ! « Der Bediente ging hinaus . Mamsell Birkner stellte das Kaffeebrett auf den Tisch und verneigte sich respektvoll vor Donna Mercedes , die kurz , aber höflich für jede Erfrischung vorläufig dankte . Dann schloß sich die Türe auch hinter ihr . Lucile wälzte sich wie toll vor Lachen in den Polstern . » Ha , ha , ha ! Der Witz ist unbezahlbar ! Die gnädige Frau Baronin hat die Kellerschlüssel mitgenommen ! « – Gleich darauf aber richtete sie sich plötzlich empor , schüttelte mit einer Art von wildem Triumph die Locken aus der Stirne , legte die Arme um die emporgezogenen Knie und beobachtete einen Augenblick schweigend , mit boshaft funkelnden Augen ihre Schwägerin , die lautlos , aber raschen Schrittes im Salon auf und ab ging . So wie diese junge Frau , deren fremdartige Erscheinung in keiner Linie , keinem Farbenton an germanischen Ursprung denken ließ , auf schlanken , schmalen , weichbeschuhten Füßen von Wand zu Wand und unruhig über das Parkettgetäfel hinglitt , war sie das Bild einer Libelle , die der Sturm in verworrenes , dunkles Geäst verschlagen hat , das Bild des verzweifelten Mühens , zu entrinnen . » Was habe ich immer gesagt , Donna de Valmaseda ? « fragte Lucile spöttisch , in hörbar rachegesättigtem Tone . « War es etwa übertrieben , wenn ich diese steifleinene Baronin Schilling als das widerwärtigste Weib auf Gottes Erdboden schilderte , als eine wahre Ausgeburt von Neid und heimtückischer Eifersucht ? ... Puh , sie ist häßlich wie die Nacht und kann unsereinen nicht ausstehen ! – Ich wußte , daß man ihr ein Dorn im Auge sein würde ... aber schlau ist sie , die gute Frau , das muß ihr der Neid lassen . Sie ist jedenfalls mit ihrer Wen , tückischen Nonnenmiene gegangen und hat dem zurückgelassenen Haushalt einen Zuschnitt gegeben , wie ihn sich anständige Leute nicht gefallen lassen können – die beste Art , uns schnell wieder los zu werden ! ... Ich frage , was nun , Donna de Valmaseda ? – Baron Schilling – « » Ein fischblütiger Germane , wie er in den Büchern steht , « scholl es halblaut und wie im unwilligen Selbstgespräch aus der Fensterecke , in der Mercedes für einen Augenblick stehen geblieben war . » Ah , endlich ! « jubelte Lucile . Sie sprang wie elektrisiert auf ihre Füße und riß die Türe nach den anstoßenden Zimmern auf , wo Deborah eben die kleine Paula wusch und umkleidete , und die Kammerjungfer einen Koffer aufschloß . » Nur das Nachtzeug wird ausgepackt , Minna ; sonst kein Stück weiter ! « befahl die kleine Frau ; dann flog sie nach der Fensterecke . » Wüßte Felix , wie armselig wir hier untergebracht sind , « rief sie in dringlicher Hast , wie jemand , der nach dem alten Sprichwort das Eisen schmiedet , solange es warm ist – » er würde uns um keinen Preis in dieser Spukherberge lassen , die von der Gnädigen offenbar selbst nicht mehr benutzt wird , weil sie sich fürchtet ... Und wie gründlich sie erst noch aufgeräumt hat mit allem Komfort , ehe sie gegangen ist , die brave Frau ! Siehst du dort die scheußlichen Kannen und Sahnentöpfe mit den angekitteten Henkeln und Schnäbeln ? « – sie zeigte nach den Kredenztischen . » Das Zeug ist für uns aus der Rumpelkammer geholt worden ... Vor acht Jahren brachen die Platten und Aufsätze fast unter dem Silber- und Kristallgeschirr – ich habe den Eindruck behalten , denn ich weiß noch , daß ich mich damals wahnsinnig ärgerte , weil Mamas prächtiges Büfett gar nicht dagegen aufkommen konnte – ob die Gute gefürchtet hat , ihre Kostbarkeiten möchten uns an den Fingern hängen bleiben ? « Wie eine flinke Bachstelze duschte das seidenraschelnde , boshaft hetzende Geschöpfchen dicht an die schweigende Dame im Fensterbogen heran und suchte einen Blick zu erhaschen . » Wir gehen doch nun selbstverständlich nach Berlin – ja , Mercedes ? « fragte sie mit süß und kindlich bittender , schmeichelnder Stimme . » Es bleibt uns ja gar nichts anderes übrig ... Felix wollte eine deutsche Erziehung für die Kinder – nun , die können sie ja nirgends besser haben – urdeutsch sage ich dir ! ... Und für mich wäre das ein Glück , ein Glück ? « – sie preßte die Hände auf die Stirne , als befürchte sie , vor Seligkeit den Verstand zu verlieren . – » Die Großmama ist zwar tot , und Mama hat den Streich gemacht , sich von einem Einrosten ins Blaue hinein entführen zu lassen – aber ich habe so viele Freunde dort , so viele , die damals für mich geschwärmt haben – ach mein Gott , ich glaube ,