so freudig erwartungsvoll an Klaudines Augen und sie selbst fühlte sich so müde und traurig , aber sie antwortete nicht und ging zu Fräulein Lindenmeyer . » Gestehe es nur , Lindenmeyerchen « , sagte sie , sich zum Scherz zwingend und das alte Fräulein duzend , wie in ihrer Kinderzeit , » du hast dir Besuch eingeladen , um die Last der Wirtschaft von meinen Schultern zu nehmen ? « » Ach , Herzenskindchen « , jammerte das gutmütige Geschöpf , » so hat es die Ida doch dumm angefangen und wir hatten es uns so fein ausgedacht ! Seien Sie nicht böse ! Ich kann es nicht mit ansehen , wenn Sie des Morgens mit verwachten Augen herunterkommen und so blaß sind , so blaß ! Es ist so ein altes Sprichwort : › Rosenbeet und Ackerland gedeihen nie in einer Hand . ‹ Wenn Sie frisch sein wollen bei Hofe , dann müssen Sie auch Ihr Recht haben , sonst ist es bald vorbei mit Ihrem weißen klaren Teint . Heinemann sagt es auch , er hat sich mit mir um die Wette geängstigt Ihretwegen . Und , Fräulein Klaudine , die Ida hat ihren regelrechten Profit dabei . Sie könnte durch ihre Tante die Stelle bei der Gräfin Keller als Kammerfrau bekommen , aber so weg von der Waldwiese geht es doch nicht . Wahrhaftig , es ist so ! « beteuerte die alte Seele . So hatte Klaudine plötzlich eine Hilfe bekommen . Es war eine ordentliche Behaglichkeit in das Haus eingekehrt und eifriger ist wohl nie eine Herrin bedient , herzlicher nie ein Kind verwöhnt worden wie Klaudine und die kleine Elisabeth . Heinemann strahlte ordentlich , wenn er der flinken Dirne auf dem Treppchen begegnete oder sie in der Küche die alten Volkslieder mit halblauter Stimme singen hörte . Jetzt weinte auch die kleine Elisabeth nicht mehr , wenn Tante Klaudine in dem schönen Wagen der Frau Herzogin fortfuhr , und Klaudine saß nicht mehr so abgespannt bei Tische , wie bisher , ohne einen Bissen zu genießen . » Es ist ganz vornehm bei uns ! « lächelte Joachim , als Heinemann zum erstenmal die einfachen Gerichte auftrug und Klaudine ruhig an ihrem Platz verblieb , » ich bin glücklich deinetwegen , Schwester . « Klaudine hatte ihre Reise aufgegeben . Als sie der Herzogin von ihrer Absicht sprach , war diese in leidenschaftliches Schluchzen ausgebrochen : » Ich kann Sie nicht halten , Klaudine , gehen Sie ! « Und da hatte sie , erschreckt und gerührt zugleich , versprochen zu bleiben . Nun kam der Hofwagen , der sie nach Altenstein holte , täglich früher . Die Neigung der fürstlichen Frau zu dem stillen schönen Mädchen wuchs eben täglich , und sie war jetzt ruhig , ganz ruhig . Sie fuhr in der Herzogin Wagen spazieren und saß in dem Boudoir derselben , vorlesend oder plaudernd . Zuweilen freilich trat der Herzog unangemeldet und rasch ein , von einem Freudenruf der fürstlichen Frau begrüßt , aber Klaudine fürchtete seine Begegnung nicht mehr . Keiner jener heißen Blicke war ihr mehr gefolgt , keine Silbe hatte er zu flüstern versucht , sie wußte , er hielt sein fürstliches Wort . Sie kannte ihn genau durch seine Mutter . Wie manchen tollen Streich hatte die alte Herzogin gelegentlich von ihm erzählt , von den Sorgen , die er ihr bereitet , von den Gebeten , die sie im heißen Flehen um diesen Sohn gesprochen , daß er nicht untergehen möge in dem wilden Treiben seiner Jugend ! » Und « , hatte die alte Dame dann hinzugefügt , » es war doch nur überschäumende Jugendlust , sein Herz blieb edel . Er war zu lenken , wenn man das richtige Wort fand . « Und Klaudine meinte , sie habe das richtige Wort gefunden . Sie gehörte zu den edlen Naturen , die nicht ruhen , bis sie das Gute in einer Menschenseele entdeckt haben , die suchen und suchen und , wenn sie das Gold gefunden haben , keine Grenzen kennen im Verzeihen . Sie verzieh dem Herzog stillschweigend die Beleidigung , die er ihr zugefügt hatte , als sie sah , wie ritterlich er seine Leidenschaft bekämpfte , wie er sich bemühte , gegen seine Gemahlin geduldiger zu sein als vordem , wie er in ihr die Freundin dieser Gemahlin ehrte . An die Herzoginmutter schrieb Klaudine , es waren dankbare , gerührte Worte , mit denen das schöne Mädchen ihr Glück pries , sich die bevorzugte Gefährtin der Herzogin nennen zu dürfen . » 0 , wenn Eure Hoheit wüßten « , hieß es darin , » wie glücklich ich bin in der Liebe und dem Vertrauen des edelsten Herzens , ich sinne nur darauf , wie ich dafür danken kann , daß ich die Freundin dieser liebenswürdigen Fürstin geworden . Ihre Hoheit trägt nicht nur äußerlich die Liebe für ihren hohen Gemahl zur Schau , Ihrer Hoheit ganzes Sein und Wesen ist so in diese Liebe getaucht , daß Hoheit sich verstellen müßten , wollten sie dieselbe verbergen . « Klaudine schien lebhafter als seit langer Zeit . Sie konnte mit Ungeduld den Wagen erwarten , der sie nach Altenstein holte . Die Herzogin hatte eines Tages , schüchtern wie ein Schulmädchen , ein paar Hefte in Klaudines Hand gelegt . Es waren liebliche kleine Gedichte , von ihr verfaßt . Zuerst jubelnde Lieder der Brautzeit , dann die tiefinnerlichen Glücksworte der jungen Ehefrau , und zuletzt die Verse , die sie aufschrieb an der Wiege ihrer Söhne . Auch einige kleine Novellen waren darunter , eigentümlich erdacht . Es gab da immer ein paar Menschen , die sich über alles lieben und getrennt werden durch den Tod , durch einen tückischen Zufall , durch ein unabweisbares Verhängnis , niemals aber durch die Schuld des einen oder anderen . Klaudine hatte gestaunt über die traurigen Abschlüsse , aber nicht gewagt , darüber zu sprechen . So waren acht