– ich weiß , was ich tue . « » Das weißt du eben nicht ! « murmelte er . » Doch ! « klang es trotzig zurück . » Oder meinst du , ich müßte hinübergehen und ihn mit gerungenen Händen bitten , mich in Gnaden wieder aufzunehmen ? « Und wie Hohn kräuselte es sich um ihre Lippen . » Das Gescheiteste wär ' s ! « erklärte Onkel Heinrich verdrießlich . Sie beugte stolz den Kopf in den Nacken zurück . » Nein ! « kam es von ihren Lippen , » und wenn ich noch elender würde ! Verzeihen kann ich , aber – hinkuschen wie – wie ein Hund – nein ! « » So soll mich Gott strafen , wenn aus dir nicht der pure Hochmut spricht « , fuhr der alte Herr auf . » Wer gibt dir ein Recht , dich so weit über ihn zu 214 stellen ? Ein armer Kerl war er , der nicht freien konnte ohne Geld . Ist es ein Verbrechen , daß er nach diesem Punkte gefragt hat ? Bei jeder Prinzessin geschieht es . Lieblos bist du und starr und ungerecht ! Hast du nie ein Unrecht getan ! « Sie war schon bei den ersten zürnenden Worten zusammengefahren wie ein erschrecktes Kind . Nun sprang sie auf , und vor ihm niederkniend , sahen ihre Augen bittend zu ihm empor . » Onkel , weißt du denn , wie ich ihn geliebt habe ? Weißt du denn , wie ein Weib lieben kann ? Zu ihm aufgesehen habe ich , wie zu dem Edelsten auf der Welt , so groß kam er mir vor . Zu seinen Füßen habe ich gelegen , und abends habe ich die Hände gefaltet und Gott gedankt , daß er mir diesen , gerade diesen Mann gegeben hat . Der einzige , glaubte ich , wäre er , der nicht nur das reiche Mädchen in mir sah , und hundertmal hat er mir dies erzählt . Onkel , du , du bist immer allein gewesen , du weißt nicht , wie sehr man lieben kann ! Und dann hinunterzusteigen , einen gewöhnlichen Menschen vor sich zu sehen , einen , der auch die Lüge nicht verschmäht – lieber tot , lieber tot ! « Und sie ließ seine Rechte und barg ihr Gesicht in den zitternden Händen . » Und da , wo das Glück gewesen war , da soll ich mit der kargen Pflicht haushalten ? Ich soll seine Frau sein , und ich weiß , daß nicht Liebe ihn zu mir geführt hat ? Ich soll ein zärtliches Wort hören und nicht dabei denken : › Er meint ' s nicht so ? ‹ Er sagt mir etwas , und ich 215 zermartere mich in Zweifeln darüber , ob er es ehrlich meint ? Oh , die Hölle kann nicht schrecklicher sein , denn ich hatte ihn lieb ! « Dem alten Herrn standen die Augen voll Wasser . Er strich verlegen über den schlichten Scheitel der jungen Frau . » Steh auf , Trudchen « , bat er leise ; und nach einer Pause : » Man soll aber vergeben , sagt schon die Bibel . « » Ja , von Herzen ! « flüsterte sie , » und wenn du ihn siehst , so sage es ihm . Ach , und wenn er gekommen wäre und hätte gesprochen : › Verzeihe mir ‹ – aber so – « Dem Onkel Heinrich schoß ein Gedanke durch den Kopf . » Dann würdest du nachgeben , gute Kleine ? « fragte er , » nicht wahr ? « » Ja ! « stammelte sie , » so schwer es auch ist . « Der alte Egoist wußte , was er zu tun hatte . Er führte das weinende Trudchen zu ihrem kleinen Sofa , ließ sich von Johanne ein Glas Wein reichen und fuhr dann nach Niendorf . Er sah unterwegs immer das schöne , tränenüberströmte Gesicht vor sich und hörte ihre klagende Stimme . Als er ziemlich hastig die Treppe zum Gartensaal emporstieg , erblickte er schon durch die Glasscheiben der Tür die kleine , schwarze Adelheid neben dem Amtsrichter am Tische , der eben eine Weinflasche entkorkte . Beide waren so vertieft darin , und im Anblicken und Erröten und wieder Anblicken , daß sie den alten Spion da draußen nicht gewahrten . 216 » Nun wahrhaftig , es sind auch Zeiten danach , in diesem Hause Bowlen zu machen « , dachte Onkel Baumhagen . Er jagte das Paar beim Eintreten mit einem brummigen » Guten Tag ! « in die nüchternste Wirklichkeit zurück , und der Herr Amtsrichter begann sogleich mit einem Lamento über das schauderhafte Pech , daß dieser Wolff ein halb Jahr zu früh gestorben sei . » Was ist denn hier los ? « fragte Onkel Heinrich dagegen und sog das Aroma der Walderdbeeren ein . » Die Abschiedsbowle für den Herrn Amtsrichter « , erklärte Fräulein Adelheid . » O la la ! Sie wollen fort ? « » Ich muß « , erwiderte der Kleine mit einem bedauernden Blick zu dem jungen Mädchen . » Übrigens , verehrter Herr , seitdem hier die frauenlose , die schreckliche Zeit angebrochen , ist es , gelinde gesagt , unheimlich in Niendorf . Linden ist seit der Todesnachricht gestern abend so niedergeschlagen , als sei mit diesem Satanskerl sein Liebstes in die Grube gefahren . Weiß Gott , um einen teuren Verwandten hätte er nicht besorgter sein können , und die Gäule haben sich die Beine abgelaufen , um Erkundigungen über das Befinden des Biedermannes einzuziehen . Ich glaube sogar , er hatte dem Leibarzt dieses ausgezeichneten Erdenbürgers eine Prämie für die Erhaltung seines so kostbaren Lebens ausgesetzt . « Onkel Heinrich brummte etwas , das beinahe wie 217 eine Verwünschung klang . » Wo ist Linden ? « fragte er dann . » Oben ! « scholl Fräulein Adelheids Stimme