großen Saales zog er den Hermelinmantel über ihre Schultern : » Bedecke dich - du bist von mir gezeichnet , « sagte er , und mit einem Lächeln zärtlicher Hingabe tat sie , was er befahl . Wieherndes Gelächter , von kreischendem Aufschreien und wollüstigem Gekicher unterbrochen , empfing sie . In dem Boskett ihnen zunächst saß eine rundliche Schriftstellerin auf den dünnen Beinen eines Kritikers , und ein athletischer Dichter schleppte eben ein ausgelassen zappelndes Mädchen in die Fensternische daneben . Drüben kniete schweißtriefend die dicke lyrische Augenblicksberühmtheit vor der schlanken Frau des bekannten Bildhauers , der selbst , eng umschlungen , zwischen zwei Pfadfindermädchen saß . In der Mitte tanzten sie , verlassen von allen Grazien , nur beherrscht von entfesselter Geschlechtlichkeit . Aus dem Rauchzimmer gegenüber trat der Kommerzienrat , sehr kühl , sehr ruhig . Ein kaum merklicher Zug von Hohn und Überlegenheit prägte sich um seine Mundwinkel , als er mit einem Blick das Bild vor sich streifte . An die Kristallscheiben der Türen aber preßten sich die Gesichter der Kutscher und Chauffeure , mit einem Ausdruck von Neid und Gier ihre Herren betrachtend . Von jenem Abend an fehlte Frau Renetta Veits glänzende Erscheinung auf den Karnevalsfesten des Winters . Sie sei leidend , meinten bedauernd die einen ; die anderen lächelten vielsagend . In ihrem meerblauen Boudoir war Konrad Hochseß ein täglicher Gast . » Unter hundert Schleiern möcht ' ich dich verstecken , hinter hundert Türen verschließen , « hatte er ihr bebend in ungezügelter Leidenschaft zugeflüstert , als sie ihn das erstemal empfing . Und : » ich will nur dich - dich ! « hatte sie ihm , überwältigt von der Glut seines Besitzergreifens , erwidert . Von Berolina , der Herrscherin , dem gierigen Raubtier , schien jede Spur in ihr ausgelöscht . Sie lebte nur für ihn , für die Blicke aller anderen in ihren Gemächern verborgen , eine Odaliske . Er aber trug , wo er ging und stand , wie einen unsichtbaren Mantel den schwülen Duft ihrer Liebesstunden um sich . Und ein Gefühl von Lebensfülle beherrschte ihn wie die Julisonne den Sommertag . Die sprudelnde Heiterkeit , die er zuerst an den Tag legte , entwickelte sich bald zu einem ausgelassenen , fast genialischem Humor . Er machte die Nacht zum Tage , ein jubelnd begrüßter Gast in den Bars , in den Ballokalen , wo er mit dem Gelde um sich warf , nur um überall strahlenden Gesichtern zu begegnen . Die schöne Leonie , so meinte man vielfach , sei seine Geliebte , denn er versagte ihr kaum einen Wunsch , und beide wurden in jenem Winter zum bekanntesten Tangopaar . Aber es war nur der überströmende Reichtum seines Glücks , den er verschwenderisch auf alles , was ihn umgab , ausstreuen mußte . Die Quelle , aus der er schöpfte und die ihn wie Champagner , je mehr er trank , um so durstiger machte , versteckte er als kostbares Geheimnis vor aller Welt und bemerkte in dem Rausch , aus dem er nie erwachte , die von Neid und Spott gemischten Blicke nicht , die ihm folgten . Warburg mied er , denn er war der einzige , vor dem ihn ein unbestimmtes , peinigendes Gefühl von Scham beschlich . Bis der alte Freund ihn eines Tages in » eigenen Angelegenheiten « dringend zu sprechen verlangte und ein Ausweichen unmöglich war . » Du schwänzest die Schule , « versuchte Warburg zu scherzen , als er bei ihm eintrat und mit einem Blick das immer noch unbewohnt erscheinende Hotelzimmer überflog . » Vielleicht bin ich nur in eine - andere Klasse versetzt , « entgegnete Konrad ebenso , vor den forschenden Augen ihm gegenüber die seinen senkend . Unruhig schritt Warburg im Zimmer auf und ab . Dann blieb er vor ihm stehen , ihm leise , als berühre er einen sehr Wunden , die Hand auf die Schulter legend . » Was soll nur daraus werden ? ! « sagte er aufrichtig bekümmert . » Muß denn immer aus allem , was ist , etwas werden ? « meinte Konrad mit seinem strahlendsten Lächeln , » hat denn für euch ewig Nüchterne nur einen Wert was Zweck , was Zukunft hat ? ! « » Nun , « warf Warburg ein , » die natürlichste Folge einer so alles beherrschenden Leidenschaft scheint mir doch der Wunsch nach dauernder Vereinigung zu sein , statt - « er stockte . » Sprich es nur ruhig aus , « fuhr Konrad , ernst geworden , fort , » statt nach dauerndem Ehebruch , wolltest du sagen . « Warburg nickte . » Von einem Ehebruch aber ist doch nur die Rede , wenn eine - Ehe besteht . Das aber gilt für Renetta und den Mann , dessen Namen sie trägt , nicht « , - Warburg sah ungläubig auf - , » hat nie gegolten ; aus Mitleid kaufte er sie von einem Schurken frei . « Warburg lachte : » Der - und Mitleid ? ! « Konrad hob ungeduldig die Schultern : » Aus Eitelkeit denn , wenn du willst . Sie hat ihm dafür eine gesellschaftliche Position geschaffen . « » Du denkst also nicht an eine künftige Heirat ? « frug Warburg vorsichtig . Konrad lächelte mit überlegener Heiterkeit : » Spannt man Vollblutpferde vor einen Pflug ? Soll ich die Göttin dieser Liebe in das Kleid einer Dienstmagd stecken ? « Warburg schwieg , ohne den Ausdruck kummervollen Grübelns los zu werden . Konrad , in seiner verfeinerten Empfindlichkeit für fremdes Leid , dachte an des Freundes stille Neigung . » Bist du mir böse , weil ich Frau Sara Rubner so lange gemieden habe ? « Er begleitete seine Frage mit dem wärmsten Freundesblick . » Weißt du , wer Sonne gewöhnt ist , meidet den Schatten . Der graue Salon , das Totenlicht und die reine Geistigkeit dieser Frau - « Warburgs Gesicht war ganz