Jan Wurts Haus . Und ehe der große Fischermann noch recht begriff , was er angerichtet hatte , ging die Tür des kleinen Hauses auf , und Jan guckte heraus . Die Groggläser und den Saal sehen und einen großen Lärm machen , war eins bei ihm . Alle Tänzer kamen aus dem Gang , die Musikanten konnten nicht weiterspielen , eine so gewaltige Lunge hatte der kleine Mann , so konnte er gröhlen und schelten ! Der große Karsten wurde immer kleiner und wäre am liebsten unter den Tisch gekrochen , es half ihm aber nichts : er mußte das Haus wieder hintragen , wo er es hergenommen hatte , und am andern , hochhellichten Tag mußte er den Deich entlang und mußte Abbitte vor Jan Wurt tun . Alle Leute lachten ihn aus .... Als des Erzählens ein Ende war , machte Kap Horn dem Jungen aus umgedrehten kleinen Rochen die sonderbaren Seeaffen zurecht und lehrte ihn den Kompaß nach der Weise : West zum Norden , Westnordwest , unsre Freundschaft stehet fest ; Süd zum Osten , Südsüdost , deine Liebe ist mein Trost ! ... Nur spielen wollte er nicht , denn er behauptete , mit der Harmonika mache er die Fische bange , dafür aber machte er ihm eine Angel für Makrelen und Katzenhaie zurecht , beschwerte sie mit dem Lot und fierte sie hinteraus . Es war nur schade , daß nie etwas angebissen hatte , so oft Störtebeker auch aufzog . Schon strichen einzelne Möwen über den Ewer hin , als wenn sie sagen wollten : Man to , wi sünd all hungerig ! Da sang Störtebeker zum Einziehen , und die Arbeit begann wieder . Dieser Streek brachte nur fünf Stiege : sie segelten deshalb westlicher , bevor sie wieder aussetzten . Hein Mück kam an den Törn . Störtebeker aber tat auch ihm Gesellschaft , weil er noch nicht müde war , er ließ sich von ihm im Steuern unterrichten und steuerte allein , als Hein sich als Koch betätigen , die Klöße rollen und die Kartoffeln zu Pott bringen mußte . Das war etwas für ihn : allein an Deck zu sein und allein zu steuern . Wie paßte er auf , daß kein Segel an zu klappern fing , daß sie immer voll standen , daß er nicht aus dem gegebenen Kurs kam , wie suchte er die See ab , daß er keine Haverei mache ! Sein Vater hätte ihn sehen müssen ! Als Hein wieder die Wache nahm , sprachen sie über Ostermoonen und Binsenschiffe , über Hechtschnarren , Jimpenfischen , Kaninchenzucht und andre Dinge vom Deich , sie einigten sich über die fischreichsten Gräben und beschwögten Karkmeß , Weihnachten und Fastelabend , die drei großen Feste , die nun bald kamen . Dieser Streek brachte gute zwanzig Stiege Schollen , als sie aber nach dem Mittagessen - gekochte Rochen gab es , etwas Köstliches ! - an Deck gingen , um die Kurre wieder auszusetzen , da war der Wind schlafen gegangen und der Ewer steuerte nicht mehr ; da mußten sie das Fischen aufgeben . Stundenlang dümpelte der Ewer auf der ziemlichen Dünung hin und her wie in schweren Träumen , die Gaffeln knarrten , und die Schoten schlugen mit den Blöcken . Das war die schlechteste Zeit für die Fischerleute . Selbst Klaus Mewes machte ein verdrießliches Gesicht . Wie unsinnig schlug das herrenlose Ruder hin und her , willen- und machtlos war der Ewer der Meeresdünung und der Seeströmung ausgeliefert , die mit ihm spielten wie Löwen mit der Maus . Störtebeker wunderte sich sehr über diese unruhige See und diesen tanzenden , rollenden Ewer bei so totenstiller Luft . Einer schlief einen Stremel , der andere lag auf den Luken , der Dritte lief an Deck auf und ab : sie wußten die Zeit nicht hinzubringen , so jäh waren sie aus der schönen Fischerei gerissen worden . Wie guckten sie nach dem Heben , wie sehnten sie Wind herbei ! Klaus Mewes schüttelte das Wetterglas , als wenn darin die Brise säße . Zuletzt schleppte er die angefangene Kurre an Deck , denn drinnen war es heiß , und knüttete in großer Ungeduld . Und Kap Horn spielte wieder Segelmacher , diesmal aber auf den Luken . Hein Mück kochte Störtebeker einige Taschen , die dieser unter den Flügelschlägen und dem Gekreisch der Seemöwen aufklopfte und verzehrte . » Kratz man mol annen Mast , denn kummt Wind , « rief Kap Horn , aber Störtebeker lachte ihn aus und sagte , das solle er seine Großmutter man tun lassen . Dagegen hielt er scharfen Ausguck nach Windwolken an der Kimmung . Es kam aber kein Wind durch . Die See wurde allmählich ruhiger . Gegen Abend sichtete Störtebeker drei Torpedoboote auf der See , nicht weit vom Ewer ; mit einem Male erhob er großen Lärm , rief das ganze Schiffsvolk auf und sagte : eins von den Torpedobooten , den schwarzen Schiffen , sei eben umgekippt und untergegangen . Da wurde er aber bannig ausgelacht , denn was er für Torpedoboote gehalten hatte , das waren Tümmler , die träge auf dem Wasser trieben und mitunter heisterkopf schossen und untertauchten . Von ihnen tauchten allmählich immer mehr auf , mitunter erschien auch der Kopf eines Seehundes . Ließ sich aber einmal einer einfallen , zu schreien , dann mußte man Seemann sehen , wie er aus seinem Handschuhberg stob und bellend und knurrend am Setzbord wütete ! Störtebeker sagte , er könnte sich tot darüber lachen . Es blieb die ganze Nacht todstill , - erst gegen Morgen kräuselte sich die Dünung . Da konnte zur allgemeinen Freude wieder gefischt werden . So trieben sie den Schollenfang noch vier Tage bei wechselnden Winden , oft von Stillen heimgesucht , und kamen immer östlicher , bis Langeoog hinauf . Dort sprach Klaus Mewes das erlösende Wort : » Utscheiden ! « Sie hatten 250 Stiege , der ganze Bünn saß