Boden so dicht , daß keine Pflanze einzudringen vermochte , mit starken Steinplatten belegt war , auf denen sich im Laufe der Zeit eine Schicht von Humuserde gebildet hatte , von welcher sich das später entstandene Baum- und Strauchwerk durch die Seitenwurzeln ernährte . Pfahlwurzeln gab es nicht . Daher die Verdorrung sämtlicher Wipfel ! Wozu einst diese Belegung des Bodens mit Platten ? Das war die erste Frage , die ein aufmerksamer und vorsichtiger Beobachter hier zu beantworten hatte . Die andere in die Augen fallende Beobachtung war die , daß ein Drittel dieser Vegetation vollständig unberührt zu sein schien , während man es den andern beiden Dritteln gleich beim ersten Blicke ansah , daß da Menschen verkehrt hatten , und zwar nicht allzu selten . Die Scheidelinie zwischen dem größeren , berührten Teile und dem kleineren , unberührten war sogar auffällig scharf gezogen . Es sah so aus , als ob ein strenges Verbot herrsche , dieses sehr dicht bewachsene Drittel der Ellipse zu betreten . Weshalb und zu welchem Zwecke diese Unterscheidung ? Das war die zweite Frage , der man nachzuspüren hatte , wenn man den Anspruch erhob , für einen scharfen und zuverlässigen Beobachter zu gelten . Und nun kommt die Hauptsache , die von allerhöchstem Interesse ist . Wenigstens war sie das für mich . Es gab nämlich auf dem sonst vollständig ebenen , ellipsenförmigen Boden des Felsenkessels zwei ziemlich bedeutende , künstlich hergestellte Erhöhungen , welche ganz das Aussehen hatten , als ob der Kessel einst in der Absicht hergestellt worden sei , ihn mit Wasser zu füllen und also eine Art von See zu bilden , aus dem die beiden Erhöhungen als Inseln hervorschauten . Im Lause der Jahrhunderte hatte sich das zu- und abfließende Wasser so tief eingefressen , daß der Boden des Bassins erreicht und dieses einfach durch Auslaufen und späteres Versiegen des Wassers trocken geworden war . Diese Beobachtung an sich hätte weiter nichts ergeben , als daß in uralter Zeit hier Menschen vorhanden gewesen seien , welche in Beziehung auf ihre Bauwerke und in Folge dessen auch anderweit bedeutend höher standen als die späteren Indianer , oder sagen wir richtiger , als die späteren Generationen . Aber diese beiden Erhöhungen - ich will dem Bilde treu bleiben und sie Inseln nennen - hatten die höchst auffällige Eigentümlichkeit , daß sie in den zwei Brennpunkten der Ellipse lagen , und zwar ganz genau . Das konnte nicht Zufall , sondern das mußte Berechnung sein . Da entstand nun sofort die Frage : Welches war der Zweck dieser Berechnung , das Fazit dieses Exempels ? Etwas Gewöhnliches , Alltägliches jedenfalls nicht . Ich dachte an die schwierigen , astronomischen Berechnungen , welche dem Baue der ägyptischen Pyramiden zu Grunde liegen , an die noch unaufgeklärten Geheimnisse der Teokalli und anderer Tempelwerke aus früherer Zeit , doch bin ich weder Fachmann noch Gelehrter und darf es unmöglich wagen , mich auf so schwierige , wissenschaftliche Spekulationen einzulassen . Aber ein Gedanke kam mir doch , wenngleich die Aufrichtigkeit mich zwingt , zu gestehen , daß er mir bedeutend kühner erschien , als ein einfacher Westmann , der nur die Absicht verfolgt , auf seine Sicherheit bedacht zu sein , sich gestatten darf . Aber er stellte sich wieder und immer wieder ein ; er packte mich fester und fester und ließ mich nicht wieder los . Es war der Gedanke an jene im Altertum oft auch baulich behandelte Tatsache , daß man innerhalb einer gewissen geometrischen Figur an einem Punkte ganz deutlich das hört , was an einem anderen , entfernten Punkte leise gesprochen wird . Dieser Gedanke kam ohne mein Zutun , also ohne daß ich grübelte . Ich wies ihn ab . Aber er kehrte zurück , als der » junge Adler « zu sprechen begann , und wollte seitdem nicht wieder weichen . Der Indianer deutete nämlich von da oben , wo wir standen , hinab in die Tiefe und sagte : » Das ist die Kanzel . Wir stehen auf dem höchsten Teile der Wand , von der sie umschlossen wird . Es gibt zwei Kanzeln . Die eine , nämlich diese hier , ist den Bleichgesichtern bekannt ; von der andern aber wissen sie nichts . Die eine wird von ihnen die Kanzel des Teufels genannt ; die andere würden sie wohl als die Kanzel des guten Manitou bezeichnen . Die roten Männer aber nennen diese hier Tscha Manitou12 und die andere Tscha Kehtikeh13 . « » Welchen Punkt bezeichnet Ihr als Kanzel ? « fragte ich ihn . » Die längliche Runde dieses Felsenkessels erstreckt sich von Ost nach West . Es gibt eine Erhöhung im östlichen und eine im westlichen Teile . Welche von beiden ist die Kanzel ? « » Die im westlichen Teile , « antwortete er . » So ist also die andere das Ohr ? « Er sah mich an und wußte nicht , was ich meinte . Da erklärte ich ihm : » Von der Kanzel herab pflegt man doch zu sprechen . Und was der Redner spricht , soll gehört werden . Ihr aber erwähntet hier ein Ohr , welches hört . Ihr nanntet es Das Ohr Gottes . Wo liegt es ? « » Das weiß ich nicht . Jedenfalls ist derselbe Punkt gemeint , den die Weißen als Kanzel bezeichnen . Was ich hierüber weiß , das habe ich von Tatellah-Satah , meinem Lehrer , erfahren . An der einen Kanzel , nämlich an dieser hier , hört Gott , was der Teufel spricht , und verurteilt ihn zur Verdammnis . Und an der andern Kanzel , welche den Weißen noch unbekannt ist , hört der Teufel , was Gott spricht , und wird dadurch von der Verdammnis erlöst . « » Das ist ein tiefer , ein sehr tiefer Sinn , der jedenfalls hier irgendwo und irgendwie in ein äußeres Gewand gekleidet ist , nach dem ich suchen werde . Ihr seht doch , daß