Doch bei Gott , nicht einer von jenen , so schnöden Gewinst suchen . Nach dem edlen Gut der Freiheit tracht ich , ein schuldlos Gefangener ; und ferner noch einen zweiten Menschen , einen gänzlich unschuldigen , möcht ich befreien . « Der Herzog unterbrach mich : » Einen zweiten Menschen ? Und wer ist das ? « - » Das ist die Tochter des Grafen Andreas Schlick , den man zu Prag enthauptet hat ; die junge Gräfin Thekla ist es , eingekerkert in derselben Burg , die auch mein Gefängnis war . Manch nächtliche Stunde hab ich gemeinsam mit dem Fräulein durchgrübelt , uns beide frei zu machen , und rund herausgesagt : die Gabe , so ich von Euer Altezza erbitten möchte , ist der Jungfer Gräfin Befreiung . « Belustigt blickte Wallenstein auf Seno , wandte sich dann wieder zu mir und meinte : » Ei warum flog Er ins Freie , wenn sein Gefängnis ein so weich Vogelnestlein ? Als Goldmacher mit einer holden Gräfin hausen , ist doch kein übel Los . Mich wundert nur , daß der Slawata die beiden Vögelein zusammensperrte . Oder wie seid ihr beide zusammenkommen ? Das alles soll Er jetzo beichten , dieweilen wir auf diesem Blütenteppich rasten wollen . « Und der Herzog schritt nach dem Rasenplatze inmitten der Schneegrube und setzte sich auf einen Block . Die Jagdherren folgten und lagerten sich rings , während Pagen und Diener , darunter meine beiden Wächter , ehrerbietigen Abstand hielten . Auf Wallensteins Wink trat ich vor und berichtete nun alles so ziemlich der Wahrheit getreu . Wie ich aufs Dach gekrochen und durch den Schornstein der Jungfer Gräfin vor die Füße gefallen sei , als sie gerade zur Harfe sang . Der Herzog nebst seiner Begleitung brach in Gelächter aus . Ich erzählte ferner von meiner erfundenen Tinte und dem geheimen Brief an den Oheim . Glaubte aber verschweigen zu sollen , daß ich einen Schatz des Grafen Schlick gefunden , und daß der Buchstabe Z ihn angedeutet habe . Sagte bloß , Jungfer Thekla habe mir Dukaten gegeben aus dem Erbe ihres Vaters , und ich habe dies Gold angewandt , um Seno vorzugaukeln , daß ich ein Adepte sei . « Wütend blitzte mich Seno an . Wallenstein aber lachte und ermunterte mich , frei zu reden . So schilderte ich denn , wie ich an Stelle des unverfänglichen Tiegels den andern mit dem verborgenen Golde gebracht hatte . Abermals erhub sich Gelächter . Seno machte ein mürrisch Gesicht . An seinem Verdruß weidete sich der Herzog und sprach übermütig : » Goldmachen ist gewiß eine wackere Kunst , doch mir ist nur ein einzig Rezept dafür bekannt , auf das man sich verlassen kann . Nimm Salpeter , Schwefel , Kohle und mache Schießpulver . Das kann zu Golde werden , so du es recht verwendest . Gelb Metall ist genung von unserm Herrgott geschaffen worden , wir Menschen brauchen dem Schöpfer nicht ins Handwerk zu pfuschen . Es stehet uns auch übel an , Kohlen zu blasen und im stinkigen Laboratorio unter Hüsteln und Spintisieren die Lebenszeit zu vertrödeln , genasführet von abergläubischen Idolen und wurmstichigen Scharteken . Ist es denn nicht würdiger , der Drommete und Trommel folgend , das Gold aufzuraffen , wie es Gott geschaffen hat ? Zusammenzuscharren , wo er es über die Lande hin verstreute ? « Noch einmal richtete Wallenstein sein Aug auf mich : » Diese wahrhaftige Goldmacherei sollte Er sich zu eigen machen , und ich will Ihm dabei helfen . Mag Er mir als Chymiste dienen , aber nur in meinen Salpetermühlen und Pulverwerken . Ich rate Ihm gut - zwingen mag ich Ihn nicht . Denn Er ist hinfüro frei und kann auf der Stelle gehen , wohin Er will . Auch seine Jungfer Gräfin will ich in Freiheit setzen . « Außer mir vor Freude stürzte ich vor dem Herzog nieder und wollte seine Hand küssen , die er mir jedoch entzog . Seno machte ein Bedenken geltend : » Das wird Slawata Euer Altezza verübeln . « Grimmen Hohnes gab Wallenstein zurück : » Um so besser ! Diesen Oberstkanzler ärgere ich gern . Die böhmischen Rebellen taten nicht klug , daß sie ihn aus dem Fenster stürzten - hätten lieber capite rapite machen und ihn zu Stücken hauen sollen . Die Canaglia ist schuld , daß wir morgen nach Bayern aufbrechen , wo die Kurhüte sich zusammenrotten , mir das Generalat abzunehmen . Wohlan denn , wofern ' s die Sterne wollen ! Mag der Kaiser probieren , ohne mich auszukommen . Mir ist es unerträglich , von jemand zu dependieren . Doch Ferdinandus dependiere von mir ! Bald soll er mich von neuem rufen . Es wehet allbereits ein rauher Wind aus Mitternacht . Den nordischen Leuen hör ich brüllen . Cave leonem , Ferdinande ! « Bei diesen Worten war Wallenstein heftig und schiefrig worden , indessen seine Begleiter in Spannung lauschten . Mir gab das dankbare Herz eine treffliche Losung ein . Ich schwenkete meinen Hut und rief : » Vivat Altezza ! « Da sprangen die Herren vom Rasen und umjubelten unter Hüteschwenken den Herzog : » Vivat Altezza ! Evviva ! « Auch in böheimischer Sprache erschollen Zurufe . Stolz blickte Wallenstein in die Runde . Dann verabschiedete er mich mit einem Wink und sprach zu einem Offizier , der mit Seno in Wasenstein gewesen : » Unverzüglich soll Er nach Wasenstein zurück , die junge Gräfin Schlick zu befreien . Nehm Er aber mehr Leute mit und schau Er , daß Er mit gutem Vorwande in die Burg komme . Will unser Bärenschütz mitgehn , so stehet ihm das frei . « Noch einmal beugte ich das Knie vor dem Herzog , neigte mich vor dem Grafen Max und den andern Herren und trat zum Offizier , der allsogleich den anwesenden Soldaten den Befehl zum Abrücken gab . Ich schloß mich an , und