und doch , wenn ich wirklich ein starkes Mädchen bin , so siehst Du mich bald . Ach , ich weiß nicht , wohin ich soll , und Grünschloß ist so schön , so verführerisch schön . Hätt ' ich nur einen so jungen , fügsamen Charakter wie Du , meine Liebe . Ich habe ein hartes garstiges Herz . Aber hier auf dem Schlosse der Fürstin halte ich ' s nicht mehr aus vor Langerweile . William schmachtet für die Fürstin und bemerkt es nicht , wie ihn ihr Schwager schnöde , ja unwürdig , verächtlich und abgeschmackt behandelt - o wie würde Valers Zorn donnern , wenn er dies mit ansähe . Der Prinz gewordene Leopold spielt eine wunderliche Rolle hier . Man behandelt ihn mit aller Auszeichnung , die seinem neuen Stande zukommt , und doch weiß niemand , wie er eigentlich heißt , und doch hüpft ein so gefährlicher Spott auf den Lippen der Fürstin herum , wenn sie mit dem » verzauberten Prinzen « spricht , daß ich wirklich nicht weiß , was ich dazu sagen soll . So erregt mir das ernsthafte Liebesverhältnis , das sich zwischen Leopold und der Prinzessin Amelie gebildet hat , eine Art gespenstigen Grauens . Ich fürchte , Konstantie haßt die Prinzessin . Die klare , in Goethe poetische Frau ist der gerade Gegensatz alles Nebelhaften , unklar Romantischen . Unsere Freunde würden sagen : Sie ist griechisch , plastisch und Gott weiß was , die Prinzessin aber ossianisch , mittelalterlich , christlich . Es ist mehr , es ist ein wunderlich Wesen , diese Amelie . Wenn man noch keinen Begriff von einer Mondscheinprinzessin hat , so muß man sie ansehen , aber feineren , durchsichtigeren Teint habe ich nie erblickt , weicheres , schöneres Organ nie gehört - ich kann mich nur von dem Gedanken nicht losmachen , daß all solche toll romantische Personen schwachköpfig sind . Du weißt , daß das Haus , woher sie stammt , sehr vornehm , aber sehr arm ist . Bei all ihrer Schwärmerei hat Amelie doch gegen alle niedrigeren Stände einen Stolz , ja Hochmut , daß ich mich oft innerlich erbittert gefühlt habe , wenn ich es sah . Das ist alles so ganz anders bei der Fürstin . Nur der Schwager derselben paßt zu Amelie - es ist ein garstiger Mensch , hinter dessen Hofton eine grinsende Roheit zu lauern scheint Er gibt sich den Anschein , als zeichne er mich aus . Ach mir ist so unheimlich unter all den Larven , und daß sie mich zum Teil an Grünschloß erinnern , ist mir doppelt schmerzhaft - ich will nichts von Euch Lieben hören , wenn ich nicht bei Euch sein kann . Ach , Ihr mögt in Eurem Frieden recht glücklich sein , Ihr guten Leute . Nach Paris soll ich mit Euch reisen ? Ich möchte wohl , aber - liebe Alberta , es ist nicht alles gut in der Welt . Wenn ich recht stark oder recht schwach werde , so bin ich bald in Grünschloß . Gestern hab ' ich einen sehr lieben Brief von Ludovikos Schwester erhalten . Sie muß ein sehr liebenswürdiges Wesen sein , und bittet mich um Nachricht über ihren Bruder , der sie plötzlich verlassen hat , ohne daß sie den Grund seiner Abreise weiß . Wie geht es mit Valers Gesundheit ? Wie ist der Himmel doch so gut , daß er das Unglück abgewendet . - - Ich werde wohl bald kommen , ich sehne mich sehr nach Euch und doch , liebe Alberta , ist es eine große Torheit , wenn ich zu Euch gehe . Glaub mir ' s , ich bin recht übel daran . Hätte mir nicht die Fürstin mit ihrem klaren Geiste so manches von den Verhältnissen auf Grünschloß in einem andern Lichte dargestellt , als es mir erschienen war , ich wäre noch übler daran und käme nicht zu Euch , verzehrte sich auch mein Herz in Sehnsucht . Frag mich nicht , was das für Rätsel sind , frag mich nicht , gutes Kind ! Wenn einmal meine gute Laune wieder bei mir einkehren sollte , dann werde ich Dir davon erzählen , recht viel erzählen . Tausend Grüße für Euch alle und nun Ade - Ade ! - 33. Hippolyt an Valerius . Wien , im September . Verachtete ich nicht die Trostlosigkeit , Freund , ich wäre trostlos . Haßte ich nicht die Reue , diese Schuldenmacherin bei der Zukunft , die unnützerweise Geld für die Vergangenheit leiht , ich finge an manches zu bereuen . Ich trete in den Speisesaal und setze mich . Ein leiser Schrei meiner Nachbarin läßt mich genau in das halbverhüllte Gesicht sehen - es ist Julia , die aufstehen und davoneilen will . Ich fasse krampfhaft ihre Hand und halte sie fest , sie kann nicht fort , ohne großes Aufsehen vor der zahlreichen Gesellschaft zu verursachen . Der Himmel weiß , was ich ihr in Glut und Wut der Liebe alles zuflüsterte , sie bebte wie ein Espenblatt , ihre Brust schlug hoch , das Gesicht brannte in Scham und Feuer . Da fielen ihre weinenden Augen wie fußfällig in die meinen , sie bat , wie eine Sünderin ihren Beichtiger um Hoffnung für die Seligkeit bitten mag , ich möge sie lassen . Noch eh ' ich zu etwas entschlossen war , erstarrte ihre Hand in der meinen , sie lehnte sich an die Rückseite des Stuhls und war ohnmächtig . Ihre Augen blieben offen , kein Mensch außer mir kannte ihren Zustand . Die Kellner präsentierten ihr die Speisen , ich dankte statt ihrer . Mein wilder Mensch hatte Lust , sich über das Ereignis zu freuen , und wollte eben die unwohl gewordene Dame auf ihr Zimmer bringen lassen , um die wieder lebendige in ihrer Schwäche zu erobern . Der alte stolze Hippolyt schämt sich dieses jämmerlichen Gedankens , aber die Liebe hat die alte Kraft