Fremde und eigener Einsamkeit und flügelfreier Sehnsucht hinauszuziehen , daß er in der Menge gestoßen und gehalten hin und her irrte , ziellos keine Stätte fand , und völlig ermüdet um die eigentliche Bescherungsstunde bei Rehorsts sich , statt dort hin , nur wieder bis an seines Hauses Eingang zurückgefunden . » Es ist eine Rätselwelt , « dachte er , wie er aufstieg Stufe um Stufe , unentschlossen und nicht aufgelegt . » Um Christ geht ' s , « sagte er , » und sie machen einen großen Markt . Und draußen gar werden sich die Damen in Roben von Seidentüll und mit flaumigem Halse zeigen - ganz wie Joseph und Maria in dem Eselstalle . « » Meine Bodenklause ist mir heute gut genug , « dachte er fast trotzig . Er wußte selbst dann nicht , wie lange er in dem Arbeitsraume im tiefen Dunkel versunken gesessen . Also daß nur die Sterne aus der Höhe darüber leuchteten , wohin er den Blick ewig hinausgewandt . Daß er noch immer sich nicht zu sich fand , von dem Zauber des Silberlichtes sanft getroffen , und von dem Gefühle , in einer tiefen , undeutbaren Enge und Kluft der Menschenwelt eingeschlossen , selbst nichts zu sein , als ein sehendes Auge , das sich emporhob bis in die weiten , schweigenden , reinen Gewölbe der hellen Nacht . Aber dann ermannte er sich . Der Nachtschein hatte eine Helle auch auf seinen Tisch geworfen , und hatte dort etwas enthüllt , was seine Neugier erregte . In seiner Abwesenheit war ein Packet gekommen . Er machte sogleich Licht und sah , daß es von Rosas Hand adressiert war . Die Schwestern sandten allerhand Dinge , Sorgliches zum Anziehen , und Süßigkeiten auch , und Grüße lagen von allen drinnen . Auch mit schöner Handschrift ein Festgruß des Herrn Geheimrat , und vor allem ein Brief von Rosa . Aber er kam nicht dazu , die Briefe genauer anzusehen . Die Weihnachtsglocken begannen draußen über die Dächer der Stadt zu dröhnen , und Erinnerungen waren heute genug wach , daß sich Einhart nach mehr Aufwühlen nicht sehnte . Etwas wie Unruhe ging gleich aus dem Glockengewoge neu in ihn ein , daß er wie in Unzufriedenheit aufsprang . Im Grunde waren es jetzt nur Gedanken und Bilder von Frau Rehorst , die er verscheuchen wollte , vor denen er floh , und die er suchte , wenn er geflohen war , und die ihm sich in seltsamen Spielen verwoben zu grotesker Belachung seiner Sehnsuchten und sich zusammenfanden zu den zärtlichsten Friedensbildern von Liebenden in der einsamen Weihnachtsnacht . Er war wie gefangen . Langsam verdröhnten die Glockentöne wieder über der sternenbeschienenen Weihnachtstadt , als er seinen Blick durchs Fenster noch einmal hinauswandte , und sich entschloß , doch zu Rehorsts noch verspätet hinzugehen . Er warf seinen Mantel um und lief in den Straßen , was er konnte . Aber in der Nähe des marmornen Würfels kam ihm eine harte Lust an , in die Hölle zu fahren , statt in die geschmückten Prunksäle eines reichen Hauses . » Mögen sie mich erwarten , « dachte er ... » Ich werde zu den Zöllnern und Sündern gehen . Ich werde gerade heute in einer Spelunke essen , « nahm er sich vor mit einer spitzen Anwandlung . » Und meine neue Mutter wird den guten Sohn vergeblich unter den Ihren suchen . Ich werde einmal ein Fest für mich feiern , statt mit Fabrikbeamten und Dichtern und Musikern und Schwätzern und schönen Frauen . « Unterwegs hatte sich ein junges , lächelndes Ding von Dirne an ihn gedrängt . » Bist du auch so allein , wie ich ? « Das gefiel Einhart . Solche Frage kam gerade recht . » Komm nur mit , « sagte er , » wir werden zwei sein . « So nahm sie seinen Arm , und Einhart lief mit ihr in das Kellerlokal , aus dem immer ein verstimmtes Orchestrion herausklang , wenn er am frühen Abend manchmal vorbeikam . » Ich werde dich einmal alles fragen , was ich wissen will ! « sagte Einhart lächelnd zu ihr . » Frage nur zu , Herr , « sagte das Mädchen . So saßen sie bald in einem Winkel des kleinen Lokals , in dem etwa sechs Frauen in seidenen Ballroben mit entblößten Busen um einen Christbaum lachten . » Überall ist heute Weihnacht . Auch diese Weiber narrt der Stern aus Bethlehem , « sagte Einharrt trocken . Aber er sah , daß das Mädchen vor ihm sanfte , helle Augen hatte und beglückt in den brennenden Schein sich verlor . » Es ist schön , « sagte sie nur . » Also du bist es doch zufrieden auf der Welt , « fragte Einhart lachend . » Nun , es ist ja entzückend hier , « sagte die kleine blonde Person , » und wenn die Damen uns Weihnachtslieder singen , und du uns was Gutes zu essen geben läßt ! « Einhart sah sich mit vollkommenem Feuer um . » Ja , also die Damen aus der Hölle singen uns Weihnachtslieder , und wir wollen wirklich etwas Gutes essen ! « » Ich habe meine Schlafstelle bei Frau Kern , « erzählte die Blonde einfach , » aber die ist heute Aufwartung im Rehorstschen Hause . Da kommt sie erst spät , und es ist alles dunkel oben . « » Und Eltern und Geschwister und sonst Leute , die sich um dich kümmern ? « redete Einhart . » Hab ich nicht . « » Nun gut , « sagte Einhart , » wir beide werden jetzt in der Hölle sitzen , wo die Teufel selbst Weihnachtslieder singen , und werden uns Eins fühlen . Auch die Teufel sind alles nur Engel , die fielen . Das ist mir ein richtiges Weihnachtsfest . Weißt du , so sind wir recht , wie wir sein müssen , ganz