nötig ? « Und mit innigem Glück verglich er diese Schlagsahne mit jener andern , über welcher er ihr einst zuerst wiederbegegnet war , damals , vor Monaten , bei Frau Regierungsrat Keller . Eine hübsche Strecke Weg zurückgelegt , Viktor , findest du nicht ? Von der verächtlichen Gleichgültigkeit am Anfang bis zur heutigen Herzinnigkeit ! Und noch stehen wir ja erst am Anfang . O Wonne des Ausblicks ! Darob trendelte er vergnügt durch die Straßen der Stadt , leise vor sich hin singend und mit den Händen ein himmlisches Orchester leitend . Da begegnete ihm Frau Steinbach . » Kommen Sie heute nachmittag zu mir « , verlangte sie kurz , im Vorbeigehen , mit fremder Stimme , » ich habe mit Ihnen zu reden . « Verstimmt , wie von einem kalten Regenschauer überrascht , trieb er weiter ; nunmehr ohne Musikbegleitung . » Ich habe mit Ihnen zu reden . « Ob er schon nicht von ferne erriet , was in aller Welt die Rede aufrühren werde , ahnte ihm doch Verdrießliches ; denn es ist selten etwas Erfreuliches , wenn jemand mit einem zu reden hat . Meinetwegen ; ich schüttle es ab wie die Ente das Wasser . Einzig Theuda-Imago bestimmt mein Heil oder Unheil ; bei ihr steht ja gegenwärtig alles aufs herrlichste . » Mein Herr , Sie machen sich lächerlich « , empfing ihn Frau Steinbach streng und kalt , ohne ihn anzublicken . Unwille verfinsterte sein Gesicht . » Womit ? « » Bitte , verstellen Sie sich nicht ; Sie wissen ganz gut , was ich meine . « » Entschuldigen Sie , daß ich Ihnen widerspreche . Ich verstelle mich nie und habe keine Ahnung , was Sie meinen . « » Nun , dann werde ichs Ihnen sagen : mit Ihrem ebenso törichten wie unverantwortlichen Benehmen bei Direktors . « » Darf ich um Belehrung bitten , was Sie dazu berechtigt , mein Benehmen töricht und unverantwortlich zu nennen ? « » Nun , wenn das etwa nicht töricht ist , eine verheiratete Frau mit Liebesergüssen zu belästigen , die Ihrer Liebe nicht bedarf , der Sie vollkommen gleichgültig sind und wo Sie sich höchstens die Brosamen des Mitleids erbetteln können ? Wenn das nicht töricht sein soll ! Unverantwortlich aber , oder , falls Ihnen der Ausdruck zu stark klingt , unrecht muß ich es nennen , daß Sie versuchen , sich zwischen rechtschaffene , pflichtgetreue Eheleute hineinzudrängen ; glücklicherweise umsonst . « Jetzt errötete er mit heftigem Blutschwall ; zugleich vor Scham und Empörung . Wie das brennt , wenn ein Dritter weiß , was unter vier Augen geschah ! Grimmig entgegnete er : » Darüber , was ich verantworten kann oder nicht verantworten , darüber werde ich Herrn Direktor Wyß Rede stehen , wenn er es wünscht , aber nur ihm , niemand sonst . Hier hingegen , wo ich töricht und lächerlich gescholten werde , gestatte ich mir die Bemerkung , daß ich in meinem Gedächtnis Gründe finde , die mich zu der Überzeugung berechtigen , Frau Direktor Wyß gewähre mir denn doch ein wenig mehr als die Brosamen ihres Mitleides und ich sei ihr auch nicht gar so vollkommen gleichgültig , wie Sie in so schmeichelhafter Weise anzunehmen belieben . « Da wandte sie ihm ihr Gesicht zu und trat einen Schritt näher : » Ach , Sie armer , junger , naiver Herr ! Ja , naiv , trotz Ihrem überlegenen Geist und Ihrer Welt- und Menschenkenntnis . Meinen Sie denn wirklich , Sie Ärmster , weil eine Frau Ihre Liebesgeständnisse duldet und nicht ungerne anhört , das beweise das mindeste für ihre Herzensneigung ? Natürlich hört sies gerne ; selbstverständlich ! Ist das doch ein Triümphlein für sie . Und ein klein , klein wenig Blümleinspielen innerhalb der Grenzen des Erlaubten wird sie sich wohl auch nicht haben entgehen lassen ; vielleicht ist sie darin ein bißchen zu weit gegangen , das kann ich nicht wissen . Übrigens , was heißt hier zu weit gehen ? was für ein Sittengebot verwehrt ihr denn , mit jemand , der sie in unschicklicher Weise belästigt , umzuspringen , wie sie mag ? Sie sind ihr ja doch nicht verwandt ; sie hat nicht die mindeste Verpflichtung , Sie zu schonen . Wer eine Frau in eine schiefe Lage bringt , muß sichs eben auch gefallen lassen , wenn es ein bißchen krumm zugeht ; das ist sein Fehler , nicht der ihrige . Doch gesetzt selbst den Fall , Sie hätten einigen Eindruck auf ihr Herz gemacht , und das scheint mir , aus Ihren Worten zu schließen , in der Tat der Fall zu sein - es wäre auch nichts Verwunderliches , Sie sind ja doch nicht der erste beste - , was haben Sie damit gewonnen ? Ein oberflächliches , flüchtiges Gefühlchen , das beim ersten Ruf des Schicksals zerstiebt . Lassen Sie morgen ihr Kind oder auch nur ihren Mann krank werden , was sind Sie dann ? wer sind Sie ihr ? Eine Null , nein , weniger als eine Null , ein Abscheu , dessen bloßen Anblick sie nicht einmal erträgt . Frau Direktor Wyß , wie ich Ihnen schon früher sagte , ist eine einfache , brave , gerade Frau , die keinen andern Gedanken hat als ihr Kind und ihren Mann ; alles , was Sie bei ihr erreichen können , ist , daß Sie sich bloßstellen und sich unglücklich machen , möglicherweise auch , wenn das sträfliche Spiel fortdauert , daß Sie sie ins Gerede bringen ; sie hat ja auch Freundinnen . Jetzt handeln Sie , wie Sie wollen und wie Sies mit Ihrem Gewissen vereinigen können ; ich maße mir nicht an , Ihnen Ihre Pflicht vorzuschreiben . Wie indessen ein geistig hervorragender , selbstbewußter und zum Selbstbewußtsein berechtigter Mensch wie Sie es aushält , von der gnädigen Nachsicht ihres Mannes zu zehren , ist mir unbegreiflich ; gefallen Sie sich