und Sendboten des Christentums in die Rede ! Das sind Fiktionen , mit denen ein Kenner der Verhältnisse nicht irre zu machen ist ! Wer von seiner Religion und von seiner Kulturform behauptet , daß sie die allein seligmachende und er also ein Auserwählter Gottes sei , der ist eben ein Egoist in der höchsten Potenz , und Religion und Politik sind für ihn nur die Mittel , seine Selbstzwecke zu erreichen . Als Christ will er den ganzen Himmel und als Kaukasier die ganze Erde nur für sich allein haben . Sprechen wir nicht von der Beglückung der Chinesen ! Das ist Dekorationsmalerei , die nur in die Ferne wirkt , in der Nähe aber die Pinselarbeit um so häßlicher zeigt ! Die chinesische Frage ist eine religiöse und eine Rassenfrage . Um von der religiösen zuerst zu sprechen , so ist sie für uns abgetan . Ich sagte bereits , daß die Christen , welche wir gestern bei uns willkommen hießen , schon heut die Torheit begingen , uns in Beziehung auf unsere Religion gute Lehren geben zu wollen . Sie waren so unwissend , daß sie gar nicht ahnten , was eine solche Beleidigung der Gastfreundschaft einem Volke gegenüber , dem die Höflichkeit der Umgangsformen über Alles geht , zu bedeuten hat . Und sie sind auch heut noch so unwissend , nicht zu erkennen , daß ihre Mission trotz jahrhundertelanger Arbeit bei uns so viel wie nichts gewirkt haben , weil der Chinese die Behauptung , das Christentum sei die einzig seligmachende Religion , als eine krasse Unhöflichkeit , als persönliche Beleidigung auffaßt . Ueber dreihundert Millionen Menschen sollen mit allen ihren Ahnen viertausend Jahre zurück nichts als Dummköpfe gewesen sein ! Und diese Beleidigung wird uns von Leuten in das Gesicht gesagt , welche ihren eigenen christlichen Brüdern wegen einer anderen Auslegung eines Bibelwortes im Leben die Kirchen- und dann selbst noch im Tode sogar die Gottesackertür verschließen ! Welch eine Ungeheuerlichkeit ! Haben sie es denn wirklich nicht gewußt , daß wir , das Volk der höchstentwickelten Umgangsform und Rücksichtnahme , die Mission zunächst und vor allen Dingen von diesem Standpunkte aus auffassen ? Ein unhöflicher Mensch wird bei uns nie etwas erreichen , und der Missionar begeht gegen uns und unsere Ahnen die allergrößte und unverzeihlichste Unhöflichkeit , die sich ein Chinese denken kann ! Und dabei weiß er nicht einmal , daß er nur oder meist aus diesem Grunde keine Erfolge hat ! Er will uns belehren und ist doch selbst nicht über unsere Art , zu denken und zu fühlen , belehrt ! Ja , es hat einige verständliche christliche Sendboten gegeben , welche uns studierten und kennen lernten und dann einsahen , daß der Chinese zwar Christ , wenn man seine Eigenart gelten läßt , aber niemals Europäer werden könne . Sie handelten darnach , wurden von unserm Kaiser hoch geehrt und konnten über die Früchte ihrer Arbeit glücklich heimberichten . Da aber verbot man ihnen diese Rücksichtnahme , und die Früchte blieben liegen und verfaulten . Meint man etwa , die bald hier und bald da emporlodernde Empörung gegen die Missionare richte sich gegen ihren Glauben ? O nein ! Selbst der ungebildetste Chinese hat wenigstens den einen Vorzug , in Beziehung auf die Religion tolerant zu sein . Diese Ausbrüche des angesammelten Zornes werden vielmehr durch die Art und Weise hervorgerufen , in der man diesen Glauben hoch über den unsern stellt und mit rücksichtslosen Sohlen unsere heiligsten Sitten und Gefühle niedertritt . Ich behauptete : und wenn zehntausend Missionare so lange lebten , daß sie zehntausend Jahre lang ihre Religion bei uns verkünden könnten , so würde doch keiner von ihnen mehr erreichen , als was der einzelne bisher erreicht hat , wenn sie nicht ihr jetziges Verhalten ändern und uns als Menschen gelten lassen , die ihre eigenartige Entwicklung und also auch ihre eigene Art , zu denken und zu fühlen haben . Ich gebe zu : es ist keineswegs ausgeschlossen , daß der Chinese ein Christ wird , aber er wird es nur dann , wenn er dabei Chinese bleiben kann ! « Er hob bei diesen Worten die Hand wie zum Schwur empor . Ich hörte ihm an , wie ernst ihm Alles , was er sagte , war . Zeit zu einem Einwurfe oder einer Bemerkung fand ich nicht ; er wartete nicht darauf , sondern sprach weiter : » Und nun die Rassenfrage , die ich eigentlich schon damit erledigt habe , daß ich sagte , der Chinese will Chinese bleiben . Ein gelehrter Christ , den man geistreich nennt , hat kürzlich China besucht und ein Buch über uns geschrieben . In diesem steht zu lesen : Ein Dichter oder Künstler soll auf dem Höhenpunkte seines Schaffens sterben . Tut er das nicht , so geht es mit ihm bergab , und der Schatten seiner späteren Jahre verdunkelt seine Werke . So steht es auch mit den Nationen , und der Chinese hat vergessen , zu sterben , als die geeignete Zeit dazu gekommen war ! Das mag für europäische Ohren geistreich klingen ; es ist aber das grundfalsche Urteil eines Mannes , welcher glaubt , uns in zwei Worten ebenso abtun zu können , wie er in zwei Monaten das Studium unsers Landes und Volks vollständig abgetan zu haben glaubt . Wenn sich der Dichter überanstrengt hat , so soll er nicht sterben , sondern tüchtig essen und dann so lange wie möglich schlafen , um neue Kraft zu gewinnen . Tut er das , so wird er nach seinem Erwachen im neuen Vollgefühle seiner selbst frisch weiterschaffen können . Der Chinese ist so klug gewesen , nicht zu sterben , sondern sich schlafen zu legen . Die Zeit , in welcher er erwacht , kann gestern gewesen sein , kann heut oder morgen kommen . Ich meine nun , für die weiße Rasse sei auch die Zeit nun da , sich von ihren zivilisatorischen Anstrengungen auszuruhen , denn es