brannte und die kupferne Kaffeemaschine summte . Johnny zog sich im Nebenzimmer um und wickelte dann Ellen in einen schweren Seidenmantel - es war eine Atmosphäre von Behaglichkeit , die sie lange nicht mehr gewöhnt war , und sie dehnte sich vor Wohlgefühl . Nun mußte sie ihm erzählen , wie sie lebte , manchmal lachte er , dann wieder schüttelte er den Kopf : » Ich habe das ja alles selbst durchgemacht , aber glauben Sie mir , die Boheme kriegt jeder einmal satt und Ihre Gesellschaft da gefällt mir nur halb . - Aber das allerverrückteste finde ich doch , daß Sie heiraten sollen . « Es war jetzt heller Tag , und sie berieten , wie Ellen in ihrem Clownkostüm nach Hause kommen sollte - er brachte alle möglichen Dinge herbei , steckte sie zuletzt in einen Regenmantel von sich , schnürte ihr ein Paar unförmliche Bergstiefel an die Füße und drückte ihr einen Schlapphut ins Gesicht . Dann stand er da und wollte sich totlachen . So wateten sie wieder durch den Schnee zu einer nahen Badeanstalt , nahmen Zelle an Zelle ein Brausebad unter vielem Lachen - es war alles so lustig und morgenfrisch und dabei wie ein leichtes Spiel , das sich immer an der Grenze bewegte . » Ich habe wirklich allen Respekt vor mir « , sagte Johnny , als er sie im Fiaker nach ihrer Wohnung brachte , » nicht einmal um einen Kuß habe ich Sie gebeten , seit wir uns wieder in normale Menschen verwandelt haben - warum sind Sie auch verlobt ? - Aber hübsch war es doch . « Das kleine Abenteuer mit Johnny , das ja eigentlich gar kein Abenteuer war , ging Ellen noch ein paar Tage nach wie ein wohliger Traum , bei dem sie immer wieder lächeln mußte . Sie hätte ihn gerne einmal wiedergesehen , aber die andern hatten natürlich davon erfahren , Zarek war beleidigt und auch Henryk etwas verstimmt . So gab sie es auf , und ihre Gedanken waren auch bald wieder ganz in Henryk gefangen , so daß ihr alles andere unwesentlich vorkam . Der Frühling kam mit schweren Stürmen , und sie wußten nichts mehr wie diese verzweifelte Leidenschaft , die mit jedem Tag wuchs . In einer Märznacht waren Walkoff und Ellen bis spät mit den Freunden zusammengewesen ; als alles sich trennte , gingen sie in heißer Stimmung zu ihm hinauf . - Dann faßte ihn wieder die Arbeitswut . » Oder bist du zu müde , Ellen ? « Nein , sie war nie müde . Sie stand vor ihm am Tisch , und er arbeitete , da wurde sie auf einmal blaß und fing an zu schwanken . Er konnte sie gerade aufs Bett legen , ehe sie ohnmächtig wurde . Bald nach diesem Abend stiegen bange Ahnungen in ihr auf , sie wollte sich selbst die tödliche Angst nicht eingestehen , die immer banger und beklemmender auf sie herabsank , suchte sie von Tag zu Tag zurückzudrängen und sagte sich immer wieder : Es kann ja nicht sein , ist zu furchtbar , als daß es sein könnte . Ihr schien , als sähe sie ein Beil herabfahren , das ihr den Schädel spalten wollte , und sie hätte sich verkriechen mögen , um nur nicht daran zu denken . So vergingen Wochen , und endlich wußte sie , daß es wohl nicht anders sein konnte . Und die Gewißheit , der nicht mehr auszuweichen war , verwandelte ihre Empfindungen . Es war das Schicksal selbst , das dunkel und übermächtig sich vor ihr aufrichtete , und sie beugte sich vor seinem brennenden Blick . Beinahe wie Freude kam es jetzt über sie : sie wollte es ja gerne tragen - ein Kind von ihm - ein Kind ihrer Leidenschaft . Neben all den seltsamen , beängstigenden Gefühlen , die ihrem Körper alle Spannkraft nahmen , erfüllte es sie mit wehmütig ahnender Wonne - ein Kind , ein Wesen , das ganz ihr eigen sein sollte - ihr , der Heimatlosen , die keine Stätte hatte auf der weiten Welt und keinen Menschen , der ihr die Arme auftat . Als sie es Henryk sagte , konnte sie vor Bewegung kaum sprechen . Sie saß auf dem Bett und sah ihn an , - aber er schien nur erschrocken , ging rasch auf und ab in dem schmalen Raum und blieb schließlich vor ihr stehen : » Das ist schlimm genug - was soll daraus werden ? « » Vor allem will ich jetzt an Reinhard schreiben , daß alles zwischen uns aus sein muß - das wollte ich ja schon lange . « » Und dann ? « » Das weiß ich noch nicht - irgendwie wird es sich schon finden . « Ellen lächelte . » Du brauchst keine Angst zu haben , Henryk , daß du mich heiraten mußt . - Du weißt doch , daß ich sowieso hier bleiben wollte , und ich werde mich schon durchschlagen . Wir haben ja alle nichts und leben doch . « Henryk setzte sich neben sie , war gut und zärtlich : » Laß uns nur noch abwarten , Kind , vielleicht findet sich ein Ausweg , und es ist ja noch nicht so sicher . Geh ' an die Arbeit und versuche , nicht immer daran zu denken . « In dieser Zeit kamen wieder lange Briefe von Reinhard , er drängte zur Entscheidung , sie sollte jetzt von München fortgehen , es nicht mehr hinausschieben , denn wenn sie vor dem Sommer heirateten , war noch vieles zu ordnen . » Was ist mit dir , warum schreibst du nicht ? Ich begreife nicht , daß du selbst jetzt nichts anderes im Kopf hast wie deine Malerei - auf alles , was ich schreibe , nicht eingehst . « Ellen hatte ein langes Schreiben an ihn angefangen , schrieb Bogen auf Bogen , immer wieder konnte sie die Worte