mit Kinderwägelchen bildeten Gruppen unter den Arkaden , nah den Ausgängen . Eifrig äugten sie nach den vom Portier ausgehängten Schildern , welche die ankommenden Züge verkünden sollten ; Lachen und Scherzworte belebten zuweilen die Gruppen , unter denen es kein Stoßen und Drängen gab , wohl aber eine gemeinsame angenehme Aufregung , die Erwartung von etwas Fröhlichem und Willkommenem . Lauter und dichter drängte sich die Menge auf dem Platz , unter den gelichteten Bäumen ; bis zum Eingang der Löwenstraße standen sie , schlossen den kleinen Zeitungskiosk an der Brücke ein und gestatteten selbst dem elektrischen Tram und den gelben Postwagen nur eine langsame , beengte Durchfahrt . Hier herrschten die Männerkleider vor , aber nicht die gewohnte dunkle Tracht des Städters , sondern weiße und weißblaue Turnerkleidung , aus der schlanke gebräunte Arme und Nacken hervorsahen . Fahnen und Banner wurden von Zeit zu Zeit bewegt , zuweilen spielte ein nahe dem Brunnen aufgestelltes Musikkorps . Die Sonne blinkte in dem springenden und stürzenden Wasser und auf den blanken Messingröhren der Trompeten ; Jodler stiegen wie Vogelrufe empor , und ein kleiner Trupp italienischer Arbeiter , zusammengedrängt in einer Ecke , sang ein taktmäßig mit den Spazierstöcken auf den Straßensteinen betontes Schelmenlied . Der Zug pfiff , eine Kirchenuhr schlug , dann schlug auch die Uhr des Bahnhofs mit hellem , schwirrendem Schlag : fünf Uhr . Das ersehnte Schild wurde herausgehängt , Mütter und Väter strebten , sich in die Nähe der Doppeltüren zu drängen , die Kinderwägelchen bildeten Spalier , die Portiers öffneten , und die Kinder der Ferienkolonien , alle mit Sträußen in den Händen , mit weinlaubbekränzten Hüten , mit Efeuzweigen um den Hals , mit Eichenkränzen , die auf der Spitze eines Stockes schaukelten , alle lustig , erhitzt , bestaubt und betäubt von der Fahrt und dem Lärm , kamen laufend und springend die einen , verträumt und langsam die anderen aus der dämmerigen Halle in das blendende Sonnenuntergangsrot heraus . Es wurde geküßt , umarmt , geschrien , gesucht , kleine Reisetaschen und Köfferchen geschwenkt , ein fröhliches , lautes Gewimmel entstand zu den Füßen der großen Sandsteinpfeiler , unter den Bogen . Die roten Heidekrautsträuße , die bekränzten Strohhüte , die bunten Herbstblätterranken , in die einige der kleinsten Reisenden vom Mützchen bis zum Saum des kurzen Kleides eingehüllt waren , schwärmten zwischen die Großväterpfeifchen , die ausgestreckten Mutterarme , die den Weg versperrenden Kinderwägelchen hinein , flimmerten abwärts über die breiten Stufen und verloren sich in der Menge . Ehe die Eltern noch ihre Kinder , die Kinder ihre Mütter gefunden , kam der zweite festlich erwartete Zug an ; eine andere Pforte öffnete sich , donnernd fuhren die Wagen in die Halle , siegreiche Turner mit radgroßen Lorbeerkränzen , mit bekrönten Bannern erschienen auf der Treppe , Hurrageschrei , Bravorufen , Händeklatschen erscholl ihnen entgegen , die Fahnen der auf dem Platze Wartenden begrüßten die Fahnen der Ankommenden , die Musikanten schmetterten los , hüben und drüben , hinter den Turnern tauchten braune bärenstarke Gestalten auf in dunklen ärmellosen Sammetwämsern , Sennen aus dem Bernerland , aus dem Freiburgischen , von denen zwei je eine junge Tanne , die sie mit ihren eisernen Fäusten aus dem Berggestein gerissen zu haben schienen , über den Häuptern der Heraustretenden schwenkten . Die Luft erbrauste von Jubel . Jemand intonierte das Schweizerlied , und Gottfried Kellers feurig-inniges : » Oh mein Schweizerland ! oh mein Heimatland ! Wie so innig , feurig lieb ich dich ! « dröhnte aus Hunderten von jungen Kehlen über den menschenvollen Platz . Alles war laute Freude , Stolz , gute Laune - man stand und sang , schrie , lachte , ohne sich zu drängen , ohne Eile fortzukommen , ohne belästigende , die Menge in Verwirrung bringende Polizei . Eines jener improvisierten Feste , an denen das Schweizerleben so reich ist , ein Besuch der Bergbewohner bei den Städtern , kräftig gefeiert durch körperliche Spiele und heitere Wettkämpfe in allerlei Fertigkeiten , begann mit diesem jubelnden Empfang auf dem Bahnhofplatze , dessen beflaggte Häuser den fröhlichen Ankömmlingen den Gruß der ganzen schönen Limmatstadt entgegenwinkten . Der lange Wagenzug hatte eine Menge Besucher gebracht , die alle durch ein Band vereint schienen . Die wenigen Privatleute , die zwischen die geschmückten gebräunten Gesellen vom Hochgebirge geraten waren , drückten sich langsam und wie beschämt vorwärts , wofern sie nicht Schaulust oder Teilnahme zum Stehenbleiben und Mitwarten veranlaßte . Einige begrüßten sich laut mit irgend einem starken Sennen oder einem berühmten Schwinger , stolz auf die Bekanntschaft und hoffend , daß von dem Glanze jener Berühmtheit etwas auf sie selber hinstrahlen werde . - - Einer nur , ein kranker gelber Mann , schleppte sich teilnahmlos und mühsam durch die gestauten Massen . In einem eleganten Anzuge , der ihm zu weit war und jene uns so sehr auffallende Mode von ehegestern zeigte ; mit einer kleinen juchtenledernen Reisetasche , die ihn ganz auf die linke Seite hinunterzog . Der unter den Schlapphüten unangenehm hervorstechende Zylinder gab ihm etwas Exotisches ; tief saß er ihm über den matten Augen . » Billete vorweisen gefälligst ! « schrie der Beamte an der Schranke zum Gott weiß wievieltenmal und streckte auffordernd die Hände aus . Der kränkliche Reisende beachtete nichts , hörte nichts . Den Kopf zwischen den Schultern , die Rechte auf die Brust gedrückt , wollte er ächzend vorübergehen . Als der Beamte ihn lauter anrief und den Arm vor die Nachdrängenden hielt , stieß er einen Schrei aus und begann plötzlich zu laufen . » Halte là ! « schrie der Beamte . » Billet ! « Eine resolute Frau packte ihn am Ärmel . » Ach ! ach ! « machte der Ergriffene kläglich , als ob die Schulter ihn vom Zupacken schmerze ; die Hand , mit der er endlich das verlangte Billet hervorzog , war blaß und gedunsen und zitterte so sehr , daß ihm das Kärtchen entfiel . Der Beamte