hatte , als eigentlich seine Absicht gewesen war ; hierin lag der eigentliche Grund des plötzlichen Abbruches seiner Mitteilungen . Was mich betraf , so war ich vollständig zufrieden mit dem , was ich gehört hatte . Ich wußte nun , warum er die heilige Schrift so gut kannte : Er war früher Christ gewesen und dann Muhammedaner geworden . Weshalb ? Diese Frage beschäftigte mich freilich , doch brauchte ich mir nicht den Kopf darüber zu zerbrechen . Er hatte von Namenchristen und von schlimmen Erfahrungen gesprochen , doch war es mir unbegreiflich , daß ein gebildeter Mann aus solchen Gründen zum Renegaten werden kann . Zu der gebildeten Klasse zählte er , denn einige seiner Aeußerungen ließen darauf schließen , daß er studiert hatte . Als die Zeit unserer kurzen Rast vorüber war , halfen wir ihm wieder in den Sattel und ritten dann weiter . Halef gesellte sich mir , wie gewöhnlich , zu und teilte mir seine Ansichten über den Blinden mit . Auch ihm war es aufgefallen , daß dieser von seinen traurigen Erfahrungen gesprochen und dabei doch erklärt hatte , er habe das Namenchristentum aus vielen , vielen Büchern studiert . » Weißt du , Sihdi , « sagte der Hadschi , » das mit den vielen Büchern mag wohl wahr sein , denn er ist wirklich ein Gelehrter ; aber die Ansichten , welche er uns mitteilte , schienen weniger aus diesen Schriften , als vielmehr aus seinem Leben zu stammen . Ich möchte behaupten , daß er sehr oft mit Christen zusammengetroffen ist , welche sich nicht mit dem Herzen , sondern nur äußerlich zu diesem Glauben bekannten . Was meinst du dazu ? « » Er ist ein Rätsel , dessen Lösung großes Interesse für mich besitzt , « antwortete ich ausweichend . » Eine Meinung kann ich erst dann haben , wenn ich mir über ihn klar geworden bin . Zunächst müssen wir uns mit der Thatsache begnügen , daß er ein verlassener , unglücklicher Mann ist , dem wir unsern Beistand zu widmen haben . « » Der soll ihm werden , Sihdi , und zwar von Herzen gern . Dieser vom Tode Erstandene hat mein Mitleid , meine ganze Teilnahme in der Weise erweckt , daß ich bereit bin , für ihn alles zu thun , was mir möglich ist . Als diejenigen , die ihm das bereits verschwundene Leben wiedergegeben haben , sind wir verpflichtet , in der Weise und so lange für ihn sorgen , wie es in unseren Kräften steht , und das werden wir thun ! « - - Im Verlauf der nächsten Stunde wurde die Beschaffenheit der Wüste eine andere , als sie bisher gewesen war . Der unsere Tiere so ermüdende Wechsel zwischen Höhen und Tiefen wiederholte sich weniger häufig ; die Hügelwellen wurden nach und nach flacher , und die Thäler hoben sich , bis sich beide in der Weise ausgeglichen hatten , daß das entstanden war , was man im gewöhnlichen Sinne unter Wüste versteht , nämlich eine vollständig ebene Sandfläche , deren Horizont einen ununterbrochenen Kreis bildet . Der Sand war zunächst tief und fein . Die Füße der Kamele und Pferde , » mahlten « förmlich im Mehle . Später wurde er seichter und gröber ; der Untergrund war hart . Es traten von Zeit zu Zeit und dann immer mehr steinige Stellen hervor , welche an Größe zunahmen und in ihrer schließlichen Vereinigung den Sand verschwinden ließen . Wir befanden uns im Serir , der Wüste des glatten Steines . Der Boden war von den Winden kahlgefegt worden und zuweilen so glatt , daß die Kamele ausrutschten . Hier mußte man sehr gut aufpassen , wenn die Spuren , denen wir folgten , nicht verloren werden sollten . In dieser Art von Wüste pflegen die Temperaturunterschiede am größten zu sein , weil der am Tage in der Sonne fast glühende Stein seine Wärme des Abends schneller ausstrahlt als der Sand und dann erkaltet . Der Europäer hat sich vor solchen Gegenden sehr zu hüten , weil Fieber und Erkältungskrankheiten die unausbleiblichen Folgen sind . Nach einiger Zeit änderte sich die Scene abermals . Der Steinboden wurde uneben . Er schlug zunächst flache und dann höhere Wellen , deren Zwischenräume , je weiter wir kamen und je tiefer sie waren , sich um so mehr mit Sand gefüllt zeigten , den der Wind hineingeweht hatte . Die wie glatt polierten Erhöhungen verwandelten sich in scharfgeschnittene Hügel , welche in dem weiten , ebenen Serir als einzelne , inselartige Gruppen aufragten und sich dem Blicke in die Ferne hindernd entgegenstellten . Ein solches Terrain ist für Leute , welche eine Begegnung zu scheuen haben , natürlich gefährlicher als die offene Wüste , welche Umschau nach allen Richtungen gewährt . Da muß auch derjenige , der keinen Feind zu haben glaubt , vorsichtig sein , weil grad die arabische Wüste eine Stätte nie aufhörender , blutiger Befehdungen ist . Uebrigens teilte uns der Ben Harb , unser Führer , mit , daß der Bir Hilu an den größten und zerklüftetsten der hier umhergestreuten Felseninseln liege , und zwar in der Entfernung von vielleicht einer halben Reitstunde von uns . » Da müssen wir sofort unsere Richtung ändern ! « sagte Halef . » Warum ? « fragte ich , obwohl ich wußte , was er meinte . » Welchen Grund könnte es wohl geben , von der geraden und darum auch kürzesten Linie abzuweichen ? « Da machte er eins seiner allerliebsten , pfiffigen Gesichter und antwortete : » Du betest täglich das christliche Vaterunser und handelst jetzt doch selbst gegen den Teil desselben , welcher Führe uns nicht in Versuchung ! lautet . Du weißt gar wohl , was ich will , denn ich habe es ja erst von dir gelernt . Man glaubt am Brunnen , daß wir von Norden kommen werden , und darum machen wir einen Umweg , um ihn aus einer andern Richtung zu erreichen