behalten - besonders dürfe man diese Weisheit nicht vergessen , wenns einem mal schlecht gehe - denn sage man sich in solchen schlechten Zeiten , daß man eigentlich garnicht lebe , daß die Welt nur ein leeres Nichts , daß demnach die schlechte Zeit auch nur ein leeres Nichts sei - so werde man bald über die Not schrecklich lachen müssen . » Lachen « , sagt Abu Hischam , » lachen muß der Mensch zu allen Zeiten , und trinken muß der Mensch , wo er nur kann . Lachen und trinken ist die Hauptsache . « Zuweilen wurde der Philosoph von den jungen Gelehrten veranlaßt , einige Worte über die Entwicklung zu reden - und dabei pflegte dann der lachlustige Zecher ernster zu werden - er erinnerte sich an die vielen Gespräche , die einst auf Battanys langer Barke so heftig die Gemüter erregt hatten - das war schon fast vier Jahre her - - - und die Erinnerung stimmte den alten Philosophen sehr ernst . Er wars ja gewesen , der einst den » Bund der lauteren Brüder « feierlich gründete , aus dem jetzt so ganz was Andres wurde - die Inder hatten sich reingemischt und die Ägypter ebenfalls - und an den Gründer des Bundes dachte kein Mensch mehr . Wie schnell sich die Zeiten ändern ! Abu Hischam schimpfte oft auf den Abu Maschar , der immer behauptete , daß die Welt unveränderlich sei ... Safur wird immer schweigsamer , er sieht so leidend aus - - - Man besucht öfters die in der Nähe wohnenden Eremiten - und Abu Hischam redet dort wieder so vom Bunde , als wenn er bei der ganzen Geschichte noch was zu sagen hätte . Abu Hanifa , der sehr boshaft ist , bittet dann immer den Philosophen , ja keine Geheimnisse mitzuteilen - er , Abu Hanifa , könne beim besten Willen weder schweigen noch lügen - - - Dafür fragt dann gewöhnlich der Philosoph den Safur , ob der ihm nicht sagen könne , wie indische Pfauenpastete schmecke - er , als Feinschmecker , müsse das doch wissen . So wird Safur , der Feinschmecker , zur Zielscheibe des Spottes - Der Dichter ärgert sich drüber - nicht bloß , weil er seiner Armut wegen verspottet wird - sondern weil er an die Zeiten , in denen er sich als » Feinschmecker « wohlfühlte , nicht gern erinnert sein mag . Das Feinschmeckertum kommt ihm jetzt so schrecklich roh und dumm vor - er ist ja schon an ganz andre Genüsse gewöhnt - er verkehrt mit Geistern , mit Wesen aus einer anderen Welt ; und dieser Verkehr ist denn doch für ihn so genußreich , daß dagegen alle Pasteten und alle Weine der Erde nichts sind . Der Besuch der drei Brüder ist dem Dichter recht lästig . Nachts , wenn die Sterne glitzern und funkeln , stiehlt er sich oft heimlich aus der Kate fort und fährt mit seinem Nachen auf den Strom hinaus . Und in der Dunkelheit auf den plätschernden Wellen des Tigris sieht der Dichter wunderliche feine Gestalten vorüberschweben - und er hört Stimmen - laute und leise - die locken und rufen - die Möven krächzen dazu - die Wellen des Tigris plätschern und gurgeln - es ist so Vieles zu hören ! Einundzwanzigstes Kapitel Und eines Morgens kommt langsam Battanys lange Barke den Tigris hinauf und landet ebenfalls in der Nähe der Lehmkate . Osman , Kodama , Abu Maschar und der alte Jakuby - entsteigen - der langen Barke . Tarub freut sich natürlich schrecklich über den neuen Besuch - Safur schneidet ein sauer und süßes Gesicht - das hilft ihm aber nicht . Er hat nun sieben lautere Brüder als Gäste in seinem Hause - die vier zuletzt angekommenen bringen so viel zu essen und zu trinken mit , daß sich die Tarub garnicht zu lassen weiß vor Aufregung und Freude . Osman hat auch ein paar chinesische seidene Fenstervorhänge mitgebracht , die ganz mit bunten Blumen und noch bunteren Vögeln bestickt sind . Die Tarub hatte nämlich dem Kodama über die eisernen Kraten vor den Fenstern geklagt , hatte ihm gesagt , daß die Kraten , die der wilden Tiere wegen notwendig waren , in ihr stets ein unbehagliches Gefühl aufkommen ließen - als wenn sie sich im Gefängnis befände . Daher - Osmans seidne Vorhänge ! Osman ist immer schrecklich aufmerksam . Tarub freut sich - wien Kind . Und der alte Jakuby hat fünf eiserne Flammenschalen mitgebracht - nebst fünf eisernen Dreifüßen - der alte Geograph ist der Meinung , daß man nur bei der richtigen Beleuchtung gemütliche Feste feiern kann - welcher Meinung Alle bereitwilligst beipflichten . Die Stimmung ist bald eine recht gehobene . Und abends steht der Vollmond über dem Tigris und glänzt - glänzt festlich . Vor der Lehmkate flackern fünf mächtige Flammen . Safur und Tarub sitzen vor ihrer Tür auf dem viereckigen , mit roten Ziegeln gepflasterten Platze , von dem aus man den breiten , im Mondlicht glitzernden Strom wohl überschauen kann . Und dort sitzen auch die sieben Gäste ... Die Gesellschaft bildet einen wohl abgezirkelten Kreis . Man ißt mekkanische Hühner , indische Schnecken , Antilopenschinken und Bagdader Marzipan und trinkt wieder den köstlichen Wein aus Bassora dazu . Und man gedenkt der Abende bei Said ibn Selm , wird ein bißchen wehmütig , bleibt aber trotzdem guter Dinge . Daß Al Battany , der all die eß- und trinkbaren Herrlichkeiten hersandte , selber nicht mitmacht und daheim bei seinen Indern blieb , vermag die Stimmung nicht zu verschlechtern . Die Abwesenheit des alten Suleiman , der sich in so auffälliger Weise ganz von den lauteren Brüdern zurückzog , wird schon , eher mit schmerzlichem Gefühl empfunden . Der Wein macht natürlich die Gesellschaft sehr lebhaft - Alle reden und erzählen und haben sich so Vieles zu sagen ... Nur Safur bleibt schweigsam - er trinkt auch nicht . Und da kommt denn der Augenblick