haben und war nur Auge für Kitty und sein Bild ; es hatte sogar den Anschein , als käme das letztere bei dieser Teilung zu kurz , denn je häufiger er die Blicke von der Leinwand hob , desto länger hafteten sie an dem holden Bild des Lebens ; manchmal , tief atmend , schüttelte er den Kopf , als vertrüge vor seinem eigenen Urteil das künstlerische Abbild , an dem er schaffte , nicht den Vergleich mit der schönen Wirklichkeit . Kitty , die still und geduldig wie ein Mäuschen saß , gewahrte die Unruhe , die ihn befiel , und als er wieder einmal den Rücken der Hand an die glühende Stirn preßte , fragte sie leise : » Herr Forbeck - ? « Tante Gundi ließ das Buch sinken . Da knirschten Schritte auf dem Kiesweg . Der alte Moser erschien : hemdärmelig , die nackten Arme bis über die Ellbogen mit Blut besudelt , ein paar rote Fingerstriche im lachenden Gesicht und in den Händen das frisch abgesägte Geweih eines Zwölfenders . » Ich bitt , meine lieben Herrschaften , so was muß man anschauen ! « rief er und hob das Geweih . » So an Hirsch hat der Herr Graf schon lang nimmer gschossen . Dös is einer , der noch aus meiner Zeit übrigblieben is ! « Tante Gundi schalt : » Aber Moser ! Sind Sie verrückt ? Wie können Sie sich einfallen lassen , in solchem Aufzug vor Damen zu erscheinen ! Wie ein Mörder ! Gehen Sie mir aus den Augen ! Flink ! « » Jesus Maria ! « brummte der Alte erschrocken und wandte sich zur Flucht . Hinter den Büschen blieb er kopfschüttelnd stehen . » Und da gibt ' s Menschen auf der Welt , die für so a Gweih kein Sinn haben ! Man sollt ' s net glauben ! Natürlich , Frauenzimmer ! Da fehlt ' s weit ! « Gundi von Kleesberg vermochte sich lange nicht zu beruhigen . Der » gräßliche Anblick « war ihr auf die Nerven gegangen ; und was aus ihrem Ärger herausredete , war nichts weniger als ein Lobgesang auf die Jagd . Graf Egge wäre dabei übel weggekommen , hätte nicht Kitty gemahnt : » Aber ! Tante Gundi ! « Von den dreien schien Forbeck der einzige , dem die Störung willkommen und von Nutzen gewesen . Er war ruhiger geworden und arbeitete mit gleichmäßigem Eifer . Dann plötzlich kam es wie stürmische Ungeduld in seine Hand , alles an seinem Wesen war freudige Hast . Tante Gundi machte große Augen . » Herr Forbeck ? Was haben Sie denn ? « » Sehen Sie nur die Beleuchtung ! « stammelte er , ohne die Arbeit zu unterbrechen . » Wie das Haar an der Schläfe schimmert ! Und die Wange ! Wie das im Schatten noch leuchtet ! Das muß ich haschen ! « Stille Minuten vergingen . Dann trat er von der Leinwand zurück , mit einem stockenden Atemzug , wie nach gewaltsamer Anstrengung ; die Freude verzerrte ihm fast das Gesicht . » Ich glaube , ich hab ' s ! « Gundi Kleesberg rauschte zur Staffelei . Auch Kitty machte eine Bewegung , als wollte sie aufspringen . Das gewahrte Forbeck , und mit glücklichem Lächeln sagte er : » Wollen Sie sehen ? « Sie kam herbeigeflogen , während Tante Gundi dem jungen Künstler schon ein wortreiches Loblied sang . Schweigend , das Gesicht von glühender Röte übergossen , stand Kitty vor dem Bild ; dann blickte sie zögernd zu Forbeck auf und sagte mit einer Stimme , in der ihre Freude sich verriet : » Sie haben aber sehr geschmeichelt ! « Er sah sie mit leuchtenden Augen an , und Gundi Kleesberg übernahm die Antwort : » Aber nein , Kind ! Genau so war es ! Unglaublich , wie Herr Forbeck das getroffen hat ! Dieser Duft ! Dieser Sonnenschimmer ! « Das sprudelte so weiter . Forbeck wurde verlegen , gab neue Farben auf die Palette und wandte sich an Kitty . » Darf ich bitten , nur noch ein Viertelstündchen für das Kleid , ehe das Licht sich ändert ? « Sie eilte zum Lehnstuhl , um ihre Stellung wieder einzunehmen . Aus dem Viertelstündchen wurde eine lange Stunde rastloser Arbeit . Forbeck war so vertieft in Schauen und Schaffen , daß er die Schritte Tassilos überhörte , der gegen Mittag kam , ein offenes Blatt in der Hand ; seine Augen blickten noch ernster als sonst ; als er einen Blick auf die Leinwand geworfen hatte , legte er die Hand auf die Schulter des jungen Künstlers . » Ja , lieber Freund , Werner wird seine Freude haben an dieser Arbeit ! « Eine Weile stand er in die Betrachtung des Bildes versunken , dann trat er auf die Kleesberg zu , und ohne die Verwirrung zu gewahren , die sein zu Forbeck gesprochenes Wort in ihr hervorgerufen hatte , reichte er ihr das offene Telegramm und sagte zu seiner Schwester : » Robert und Willy kommen heute nachmittag . « Jubelnd sprang Kitty auf und wollte zu Gundi Kleesberg hinüber . Auf halbem Wege stand sie erschrocken still , sah Forbeck an , und ein Schatten glitt über ihr Gesichtchen . Auch Forbeck war erregt , schien die Sitzung für beendet zu halten und schloß den Farbenkasten . Inzwischen besprach Gundi Kleesberg ein bißchen konfus mit Tassilo alle nötigen Vorbereitungen : man mußte einen Wagen zu der eine Stunde entfernten Bahnstation schicken und die Träger für den Aufstieg zur Jagdhütte bestellen , der nach Graf Egges Anordnung schon am kommenden Morgen erfolgen sollte . Seufzend griff sie an ihre Stirn und zappelte davon , ohne sich von Forbeck zu verabschieden . Tassilo hatte eine tiefe Furche zwischen den Brauen . Und Kitty schien die Sprache verloren zu haben . Forbeck nahm die Leinwand von der Staffelei und verhüllte sie . Dann gingen sie