die Reise geben , und dann ist er gewissermaßen auch sogar dazu berechtigt . Er steckt persönlich viel tiefer mit drin , als er es sich jetzt noch vermutet . Jaja , guck nur , mein Junge ! Mach mir nur große Augen ! Also , du willst wirklich nicht mit uns zu Abend essen ? Na , dann unterhalte du jetzt meine Frau so lange , bis ich die nötige Toilette gemacht habe . « Er erhob sich schwer stöhnend von der Bank auf dem Wall des Prinzen Xaverius , griff , die erloschene Pfeife in der Linken , mit der Rechten zärtlich seinem Weibe unters Kinn und sagte : » Ja , bleib du lieber hier oben in der guten , lieben Luft unserer Schanze , Herz . Es ist ein zu angenehmer Abend und zu hübsch still , nur noch mit den späten Lerchen in der Luft ! Diesem Weltwanderer wird der Seewind und vielleicht so ' n kleiner Schiffbruch mit interessanter Rettung und dergleichen den fatalen Geruch von da unten wieder aus der Nase fegen . Und dann sehe ich ihn leider vielleicht in meinem ganzen Leben , nach seiner Abreise natürlich , nicht wieder und habe ihm also auch nicht Beruhigung , Seelenruhe zuzusprechen und dummes Gespenstergesindel aus der Phantasie wegzukehren . Aber mit dir - zwischen uns , mein armes Herz , ist das eben eine andere Sache . Dich habe ich nun einmal bei gutem und bei schlechtem Wetter , bei Zahn- und Leibweh und allen übrigen Lebensnöten und Gebresten auf dem Halse und - zugleich die Pflicht , doch auch mich in jeglichem Verdruß und Elend , bei jedwedem Gespenstersehen aufrechtzuerhalten . Was willst du jetzt persönlich dein altes Näschen in den Olimsblutundverwesungsquark hineinstecken ? Siehst du , ich bringe nur Eduard ein Stück Weges auf den Weg und nachher - nach Mitternacht - na , wie gesagt , Eduard , jetzt unterhalte du meine Frau ein bißchen : ich bin sofort wieder bei euch . « Er wackelte schwerfällig dem Hause zu , und sein Weib und ich sahen ihm von der Bank aus über die Schultern nach , sahen ihn unterwegs noch einmal anhalten , um seinen Kater zu streicheln , und sahen ihn in der Tür mit der Überschrift » Gehe heraus aus dem Kasten ! « verschwinden . Dann erst griff die Frau wieder nach ihrem Taschentuch und rief : » Was sagen Sie nun zu ihm ? Hier sitze ich nun in der lieben Abendsonne so still und gut , wie er sagt . O ja , und Sie , lieber Herr Freund , sehen es mir auch nicht zu sehr an , wie sehr diese heutige Nachricht mich innerlich aufregt ! Ein anderer als wie Sie , der selber soviel durchgemacht hat , würde auch ganz gewiß meinen : Dies ist denn doch eigentlich zu arg , und er hätte ganz gewiß nicht unrecht . Aber so ist er nun - meinen Heinrich meine ich , Er erfährt das Wichtigste und Schrecklichste , was Herz und Seele bewegen kann , und läßt dabei seine Pfeife nicht ausgehen . Sagt keinen Laut , bis es ihm paßt ! Und ich - ich , meines armen Vaters Tochter , ich habe so eine unruhvolle , schlimme Kinderzeit mit Steinwerfen , Fingernägelkratzen gegen jedermann durchlebt , daß ich mich gern und willig nun in meinen jetzigen Jahren in alles füge und bei seinem Besserverstehen nach nichts frage , sondern auch meine Ruhe behalte , obgleich das eigentlich leider Gottes gar nicht in meiner Natur liegt . Ich weiß es ja wohl , daß wir jetzt , Gott sei Dank , hier auf der Schanze so still für uns hinleben , daß wir für alles Zeit haben . Daß wir für alles die Zeit abwarten können , wo wir uns alles sagen , am Mittage oder um Mitternacht , das Schlimmste und das Beste . Ich kenne auch gottlob jede Fiber in seiner Seele und daß er kein Geheimnis vor mir hat ; denn sonst würden wir ja auch nicht so leben , wie wir leben : aber was zu arg ist , ist zu arg ! Und eine Tochter bleibt doch immer eine Tochter und eine Frau eine Frau , ja und , Herr Eduard , und ein Frauenzimmer ein Frauenzimmer : er kennt Kienbaums Mörder , er kann ihn vielleicht heute schon aufs Schafott bringen , und er hat des Bauern Quakatz Tochter von der Roten Schanze zum Weibe und nimmt die Sache so , als stecke er den Kopf aus dem Fenster und sage : Schwül genug war ' s den Tag über , vielleicht gibt es doch ein kleines Gewitter ! ... Ich bitte Sie , bester Herr , was sagen Sie hierzu ? « » Daß ihr zwei das glücklichste Ehepaar seid , das sich je zueinander gefunden und ineinander hineingelebt hat ! Und daß Stopf- mein Freund Heinrich Vollkommen recht hatte , wenn er unter seiner Hecke liegenblieb und hinter uns anderen jungen Narren höchstens dreingrinste , wenn er uns unsere Wege laufen ließ oder , wie wir damals meinten , laufen lassen mußte . « » Oh , Herr Eduard , nennen Sie meinen Mann dreist auch vor meinen Ohren Stopfkuchen ! Den Namen verdient er ebenfalls mit vollem Rechte « , lächelte trotz ihrer Aufregung und durch ihre Tränen Frau Valentine . » Das heißt « , fuhr sie dann aber doch , zärtlich allem Mißverständnis vorbeugend , fort , » daß er das Leben und sein Gutes hastig und gierig in sich hineinstopfe , kann man wirklich auch nicht sagen . O nein , wie er sich die gehörige Zeit beim Essen nimmt , so tut er ' s auch in allen anderen Angelegenheiten und Dingen . Wir erfahren ' s ja eben grade zu jetziger Stunde im allerhöchsten Maße ! Aber er ist nun einmal so , und daß ihn der liebe Gott so zu meinem Besten erschaffen hat ,