des auf tausend Schritt Entfernung vorüberfahrenden Eisenbahnzuges hörbar wurde . Ebba machte diese Fahrt zum ersten Mal . » Ich kenne den Süden nicht « , sagte sie , » aber er kann nicht schöner sein als das hier . Alles wirkt so geheimnisvoll , als berge jeder Fußbreit Erde eine Geschichte oder ein Geheimnis . Alles ist wie Opferstätte , gewesene oder vielleicht auch noch gegenwärtige , und die Wolken , die so grotesk drüber hinziehn - es ist , als wüßten sie von dem allen . « Die Prinzessin lachte . » Daß ich ein so romantisches Fräulein um mich habe ! Wer hätte das gedacht ; meine gute Rosenberg mit ossianischen Anwandlungen ! Oder , um ein Wortspiel zu wagen , meine Ebba auf Edda-Wegen . « Ebba lächelte , weil sie sich in ihrer romantischen Rolle selber ein wenig fremd vorkommen mochte ; die Prinzessin aber fuhr fort : » Und das alles schon angesichts dieses Fure-Sees , der doch eigentlich nur ein See ist wie hundert andre ; was steht uns da noch bevor , wenn wir erst in Frederiksborg an unserem Reiseziel sein werden , den Esrom-See zur Rechten und den Arre-See zur Linken , den großen Arre-See , der schon Verbindung hat miß dem Kattegat und dem Meer . Und er friert auch nie zu , die Schmalungen und die Buchten abgerechnet . Aber was spreche ich von den Seen , die Hauptsache bleibt doch immer das Schloß selbst , mein liebes , altes Frederiksborg , mit seinen Giebeln und Türmen und seinen hundert Wunderlichkeiten an jedem Tragstein und Kapitell . Und wo sich andre Schlösser mit einem einfachen Abzugsrohr begnügen , da springt in Frederiksborg die Dachrinne zehn Fuß weit vor , und an ihrem Ausgange sitzt ein Basilisk mit drei Eisenstäben im weitgeöffneten Rachen , und an den Stäben vorbei schießt das Wasser auf den Schloßhof . Und wenn dann das Wetter wechselt und der Vollmond blank und grell darübersteht und alles so unheimlich still ist und das ganze höllische Getier aus allen Ecken und Vorsprüngen einen anstarrt , als ob es bloß auf seine Zeit warte , da kann einem schon ein Grusel kommen . Aber dieser Grusel ist es gerade , der mir das Schloß so lieb macht . « » Ich dachte , Frederiksborg wäre eins von den guten Schlössern , ein Schloß ohne Spuk und Gespenster , weil ohne Blut und Mord und vielleicht überhaupt ohne große Schuld und Sünde . « » Nein , da hoffst du mehr , als dir mein schönes Frederiksborg erfüllen kann . Ohne Blut und Mord , das möchte sein . Aber ohne Schuld und Sünde ! Meine liebe Ebba , was lebt zweihundert Jahr ohne Schuld und Sünde ! Mir schwebt gerade nichts vor , nichts , wo man schaudert und klagt , aber an Schuld und Sünde wird ' s nicht gefehlt haben . « » Ich möchte doch beinah widersprechen dürfen , gnädigste Prinzeß « , sagte hier die Schimmelmann . » Ebba , denk ich , hat recht , wenn sie von einem guten Schlosse spricht . Unser liebes Frederiksborg ist doch eigentlich nur ein Museum , und ein Museum , denk ich , ist immer das Allerunschuldigste ... « » ... was es gibt « , lachte die Prinzessin . » Ja , das sagt man und ist auch wohl die Regel . Aber es gibt auch Ausnahmen . Altar , Sakristei , Grab und natürlich auch Museum - alles kann entheiligt werden , alles hat seine Sakrilegien erlebt . Und dann bleibt auch immer noch die Frage , was ein Museum alles beherbergt und aufweist . Da gibt es oft wunderliche Dinge , von denen ich nicht sagen möchte , sie seien unschuldig . Oder zum mindesten sind sie trüb und traurig genug . Als ich noch eine junge Prinzessin war , war ich einmal in London und habe da das Beil gesehen , womit Anna Bulen hingerichtet wurde . Das war auch in einem Museum , freilich im Tower , aber das ändert nicht viel ; Museum ist Museum . Im übrigen , wir wollen unserer lieben Ebba nicht unser schönstes Schloß verleiden , unser schönstes und mein Lieblingsschloß dazu , denn ich habe , durch viele Jahre hin , immer gute Tage darin verlebt . Und wie ' s auch sein mag , gruselig und gespenstig oder nicht , du , liebe Ebba , sollst es wenigstens sicher darin haben , denn ich habe mich für deine Unterbringung im Turm entschieden . « » Im Turm ? « » Allerdings im Turm , aber nicht in einem Turm mit Schlangen . Denn unter dir wird dein schwedisches Mädchen wohnen und über dir Holk . Ich denke , das wird dich beruhigen . Und jeden Morgen , wenn du ans Turmfenster trittst , hast du den schönsten Blick auf See und Stadt und auf den Schloßhof und alles , was ihn umgibt , und wenn sich meine Wünsche erfüllen , so sollst du glückliche Stunden in deinem Turmverlies verleben ... Ich weiß auch schon , was ich dir als Julklapp beschere . « Während sie noch so sprachen , waren sie bereits bis weit über die Nordostecke des Fure-Sees hinaus und näherten sich auf der fast gradlinigen Chaussee , deren Ebereschenbäume hier und da noch in roten Fruchtbüscheln standen , mehr und mehr dem Ziel ihrer Reise : Schloß Frederiksborg . Was zunächst sichtbar wurde , war freilich nicht das Schloß selbst , sondern das dem Schlosse vorgelegene Städtchen Hilleröd , und als sie bis dicht heran waren und schon zwischen den Mühlen und Scheunen des Städtchens hinfuhren , begann ein schwaches Schneetreiben . Aber eine Brise , die sich plötzlich aufmachte , vertrieb die Schneeflocken wieder , und als der Wagen der Prinzessin auf den Hilleröder Marktplatz hinauffuhr , klärte sich ' s mit einem Mal auf , und ein Stück blauer Himmel wurde sichtbar , darunter ein verblassendes Abendrot . Inmitten dieses