von ihnen ... Eine Weile später kam Max zu ihm und führte ihn vertraulich beiseite . » Ich habe eine Bitte an dich , lieber Junge , « sagte er , » die Kehle ist mir ganz ausgetrocknet vom Wegstaub und vom Weinen . Kannst du mir nicht einen Schluck Bier verschaffen ? « Paul erwiderte , es wären wohl zwei volle Achtel da , die sollten aber erst morgen zur Begräbnisfeier angesteckt werden . » Gib mir nur immer den Kran , « antwortete Max , » ich verstehe mich darauf . Das Bier im Achtel wird morgen so frisch sein wie heute . « Und als Paul ihm seinen Willen getan , drehte er ihm den Rücken und ging von dannen . Um elf Uhr wurden die Kerzen am Sarge ausgelöscht man begab sich zur Ruhe . Paul fand , daß kein Bett mehr für ihn übrig war , und kletterte auf den Heuboden , wo er die Nacht über grübelnd aufrecht saß ... Um zehn Uhr morgens fanden sich die ersten Gäste ein , und zwar solche , die weder zugesagt hatten noch überhaupt erwartet wurden . Als Paul sie kommen sah , war sein erster Gedanke : » Hab ' ich auch genug Essen und Trinken besorgt ? « und je mehr Wagen auf den Hof gerollt kamen , je mehr wildfremde Männer den Seinen die schwarzbehandschuhten Hände entgegenstreckten , desto höher schwoll seine Angst , desto lauter klangen die Worte ihm ins Ohr : » Es wird nicht reichen ! « Der Vater hatte heute wieder einmal seinen großen Tag . Er saß in seinem Tragesessel wie auf einem Throne - seine beiden ältesten Söhne wie Vasallen um sich her - und ließ sich in seinem Schmerze bewundern . Wenn ein neuer Gast auf ihn zutrat , preßte er die dargebotene Rechte mit seinen beiden Händen , als ob er derjenige wäre , welcher zu kondolieren hätte , neigte gramvoll das Haupt und sprach mit schmerzerstickter Stimme abgebrochene Worte , wie : » Ja , sie ist dahin ! - Hin ist hin ! - - Es gibt keinen Balsam für die Wunden des Herzens ! - Möge der Himmel an ihr gutmachen , was die Erde verschuldete , « und dergleichen mehr . Dazwischen rief er zu Paul : » Mein Sohn , du sorgst nicht für Wein ! - Mein Sohn , Herr Wegmann wünscht eine Zigarre ! - Mein Sohn , denke daran , daß unsere Gäste sich erlaben . « Paul lief von einem zum andern , gleich einem Kellner , zählte voll Angst die Flaschen , die sich mit rapider Hast verringerten , und beneidete die Schwestern , die sich in ihren schönen , schwarzen Kleidern ruhig in eine Ecke setzen und von Herzen ausweinen durften , während die fremde Schwägerin sie tröstete . - An die Trauerkleider hatte er in seiner Berechnung gar nicht gedacht , und es war ein Glück , daß der Kaufmann sie ihm gutschrieb , sonst hätten die Schwestern sich nicht sehen lassen dürfen . Er selbst sah in seinem unscheinbaren grauen Anzug gar nicht wie ein Leidtragender aus , und die meisten der Gäste , die ihn nicht kannten , gingen ruhig an ihm vorüber und nahmen nur Notiz von seiner Existenz , wenn er ihnen Wein und Zigarren anbot . Auf dem Hofe hatte sich eine Anzahl fremder Frauen eingefunden , die die Mutter ihres stillen , schlichten Wesens halber lieb gehabt hatten und sich dem Zuge anschließen wollten , ohne daß sie zur Trauergesellschaft gehörten . Der Feldherrnblick des Vaters hatte sie alsbald entdeckt . » Paul , mein Sohn , « rief er , » geh hinaus und nötige die Damen ins Trauerhaus . « Zögernd folgte Paul dem Befehle , denn er wußte nicht , wie er die Einladung in Worte kleiden sollte . Als er auf die Schwelle trat , fiel sein erster Blick auf Elsbeth , die in einfachem Trauerkleide unter den Frauen des Dorfes stand und einen Kranz von weißen Rosen trug . Und als sie ihn sah , füllten sich ihre Augen mit Tränen . Für einen Augenblick war ihm zumute , als sollte er den Kopf in die Falten ihres Kleides pressen , um sich dort auszuweinen , aber daneben standen die andern und starrten ihn an . Er machte eine linkische Verbeugung und sagte : » Der Vater läßt bitten - ob Sie die Tote nicht sehen möchten . « Die Frauen schoben sich langsam in das Innere , nur Elsbeth zögerte noch . » Kommst du nicht auch herein ? « fragte er . » Mein armer , lieber Paul , « sagte sie und ergriff seine Hand . Er schloß die Augen und taumelte zwei Schritte zurück . » Komm doch , « sagte er , sich wieder fassend , » sieh sie dir an , sie hat dich ja immer so lieb gehabt . « » Paul , mein Sohn , wo bist du ? « hallte die Stimme des Vaters aus dem Innern . » Paul , « sagte sie stockend unter quellenden Tränen , » du sollst nicht verzagen , es gibt noch andre , die dich - lieb haben . « » O ja , « sagte er , » ich weiß wohl - aber komm - ich muß Wein einschenken . « Sie seufzte tief auf , dann ging sie schüchtern hinter ihm drein und mischte sich wieder unter die fremden Frauen . » Paul , komm her ! « winkte der Vater , der sich heute in seine alte Macht zurückzuträumen schien , und als Paul den Kopf zu ihm niederbeugte , flüsterte er ihm ins Ohr : » Ich höre , der Wein ist alle ? Was heißt das ? Willst du uns blamieren ? « » Ich glaub ' , es sind noch ein paar Flaschen da , « antwortete Paul . » Sorg , daß sie reichen , bis der Pfarrer kommt ;