, der sich durch Fleiß und Intelligenz emporgeschwungen und gegen alle Schicksalsschläge immer wieder erhoben hat , höher als vorher . In fernen Weltteilen ums Dasein kämpfend , kehrt er immer wieder mit der gerechten Siegesbeute zu den Seinigen zurück , zu den Kindern , die ihm die Gattin , ein Muster edler Weiblichkeit , treulich erzieht . Ein geachteter Handelsherr , ist er jetzt ein reicher Mann , ein Großer unter den Großen . Was tut er ? Baut er sich Paläste und Villen ? Fährt er in Kutschen , hält er Pferde wie die andern seinesgleichen ? Nein , er kennt schönere Freuden ! Die Ideale seiner Jugend sind es , welchen er nachgeht , fort und fort , jetzt wie einst ; an ihnen hängt er , an sie denkt er im Wachen und im Schlafen , für sie arbeitet und lebt und webt er ! Und was sind das denn für Ideale , wo liegen sie ? Sie liegen bei dir , o Volk , dein Wohl , deine Bildung , deine Rechte , deine Freiheit sind es , denen er einzig Zeit und Arbeit widmet , die er dem Geschäftsdrange abringen kann . Und was verlangt er dafür ? Anerkennung ? Ehrenämter ? Titel und Würden ? Nicht daß ich wüßte , meine Freunde ! Da sitzt er unter uns mit der verehrten Gattin , wie der Geringste so anspruchslos , um dem Volke sein Bestes darzubringen , den jugendlichen Söhnen und Vertretern desselben die geliebten Töchter ! Eine bedeutungsvolle Hochzeit ! Hat er sie in den blumengeschmückten , teppichbelegten Domkirchen , in den Prunksälen der Hauptstadt feiern wollen ? Hierher in unsere ländliche Gegend hat es ihn gezogen ; unser altes Dorfkirchlein , dieser grüne Rasen , der Schatten dieser Fruchtbäume ist der Schauplatz , den er sich auserwählte , um so recht in der Mitte , am Herzen des Volkes das Fest abzuhalten ; da ist ihm wohl und da soll es auch den neuen Familien wohl sein und bleiben ; denn hellere Sterne könnten nicht über ihren Dächern strahlen als die Ideale unseres Freundes Martin Salander ! Sehet dort die lieblichen Bräute in Schleiern und Myrtenkränzen und sehet die edeln Eltern und helfet mir nun , das feurigste Lebehoch mit Glück- , Heil- und Segenswünschen den vier verbundenen Gastfreunden darzubringen ! « Bis das Hochrufen und Gläserklingen verrauscht war , hatten sich die Sänger zusammengestellt und trugen ein bei politischen und sonstigen öffentlichen Akten übliches Vaterlandslied vor . Der Geistliche , von der Bühne heruntergestiegen , drang mit seinem Notpokale , einem vom Wirte gelieferten Schützenbecher , bis zu dem Tischhaupte vor , wo die Gefeierten saßen und auch er seinen Platz hatte . Salander sagte just zu seiner Frau , die blutrot im Gesichte war und nicht aufblickte , der Herr Pfarrer habe ihm die Rede unmöglich gemacht , die er nun zu halten beabsichtigt . Alle Gesichtspunkte seien ihm von der gewaltsamen Schmeichelei schiefgedrückt - da unterbrach ihn der Pfarrer mit dem Pokale , mit dem er herumging . Salander schwieg und stieß mit ihm an . » Ich danke herzlich für die gute Meinung ! « sagte er , ihm die Hand schüttelnd . » Wieso gute Meinung ? Hab ich etwa gelogen ? « erwiderte jener mit dem Tone , in welchem derartige Naturen in solch unvermuteten Fällen sogleich eine Schraube anziehen . Einen Schritt weiter , mit Frau Marie Salander anstoßend , sagte er : » Wie steht es mit Ihnen , verehrte Frau , sind Sie auch nicht zufrieden mit meinem Toast ? « » Im Gegenteil , mehr als zufrieden , Herr Pfarrer , « gab sie zur Antwort , » ich danke Ihnen auch nur für das , was mir wirklich zukommt ! « » Das kann ich nicht so genau bemessen , wie Sie sich denken können , und nehme daher an , Sie danken mir für alles , was ich gesagt . Ein Volksredner muß immer ein Ganzes bieten . das sozusagen künstlerisch abgerundet ist . Wer sich in Gefahr begibt , kommt darin um , das müssen Sie nicht vergessen ! « » Wir wollen uns nicht streiten , Herr Pfarrer ! Auf Ihr Wohlsein ! « Damit schien sie ihn abzudanken , und er schritt würdig um das obere Tischende herum zu den Gegeneltern . Jakob Weidelich äußerte gar nichts , als daß er mit ihm anstieß , als daß er für die Ehre danke , worauf der geistliche Herr sich an Frau Amalie wandte : » Und wie sind Sie mit meinem Trinkspruch zufrieden , Frau Weidelich , hab ich ' s Ihnen recht gemacht ? « » Schön haben Sie ' s gemacht , Herr Pfarrer ; wenn ich so reden könnte ! Es muß doch , der Tausend noch einmal ! etwas Schönes sein , wenn man den Menschen eine solche Freude machen kann ! Sehen Sie , es ist mir nicht um mich zu tun , ich bin eine unwissende Frau ; aber der Söhne wegen freut es mich doch , solche Dinge zu erfahren ! Sie sollen auch hochleben , Herr Pfarrer ! Ich danke Ihnen tausendmal ! « Der Pfarrer betrachtete sie mit wohlwollendem Lächeln . Sie glühte vor Vergnügen und auch vom heute zahlreicheren Nippen wie ein Rose , durch welche die Sonne scheint , und sah dabei aus wie eine Landvögtin . Auf den Rat der Salandertöchter hatte sie eine frisierende Frauensperson kommen und sich von ihr die immer noch braunen Haare besser ordnen und mit ein wenig Spitzenwerk bereichern lassen . Auf dem nagelneuen dunkeln Seidenkleide prangten Uhr und Kette nebst einer Agraffe , welche die auf Porzellan übertragenen Photographien der Zwillinge enthielt , wie sie als Knaben gewesen . Sie war aufgestanden , und da der Pfarrer sich mit seinem Schützenbecher den Brautpaaren selbst näherte , ging sie , das Glas in der Hand , in ihrer Lebhaftigkeit mit , um auch mit ihnen anzustoßen und anzufragen , wie es