besten Frühstücke . Kavalier , schöner Mann und Anekdotenerzähler , war er allgemein beliebt , freilich noch mehr verschuldet , trotzdem er ein hohes Gehalt hatte . Plötzlich starb er , was man so sterben nennt ; die Verlegenheiten waren zu groß geworden . Das Wie seines Todes wurde vertuscht . Ich sehe noch die Frau von Zacha , wie sie dem Sarge folgte , tief in Trauer und angestaunt von der gesamten Männerwelt . Denn Frau von Zacha , damals erst dreißig , war noch schöner als Cécile . Diese mochte zwölf sein , als der Vater starb , aber sie wirkte schon wie eine Dame , darauf hielt die Mutter , die wohl von Anfang an ihre Pläne mit ihr hatte . Verwöhntes Kind , aber träumerisch und märchenhaft , so daß jeder , der sie sah , sie für eine Fee in Trauer halten mußte . Kurz nach dem Tode des Vaters ging es . Die junge Herzogin auf Schloß Rauden , die sich für die schöne Witwe mit ihren drei Kindern interessierte , gab und half . Aber die Wirtschaft war zu toll , und so zog sie zuletzt ihre Hand von den Zachas ab . Alles , was diesen blieb , beschränkte sich auf eine kleine Pension . An Erziehung war nicht zu denken . Frau von Zacha lachte , wenn sie hörte , daß ihre Töchter doch etwas lernen müßten . Sie selbst hatte sich dessen entschlagen und sich trotzdem sehr wohl gefühlt , bis zum Hinscheiden ihres Mannes gewiß und nachher kaum minder . Es stand fest für sie , daß eine junge schöne Dame nur dazu da sei , zu gefallen , und zu diesem Zwecke sei wenig wissen besser als viel . Und so lernten sie nichts . Oft mußten wir lachen über den Grad von Nichtbildung , worin Mutter und Töchter wetteiferten . Alle Quartal kam ihre Pension . Dann gaben sie Festlichkeiten und schafften neue Rüschen und Bänder an , auch wohl Kleider , aber immer noch Trauerkleider , weil die Mutter wußte , daß ihr Schwarz am besten stände . Vielleicht auch , weil sie gehört hatte , daß Königin-Witwen die Trauer nie ablegen . Sie hatte ganz verschrobene Ideen und war abwechselnd unendlich hoch und unendlich niedrig . Sie sprach mit der Herzogin auf einem Gleichheitsfuß , am liebsten aber unterhielt sie sich mit einer alten Waschfrau , die in unsrem Hause wohnte . War dann das Geld vertan , was keine Woche dauerte , so hatten sie zwölf Wochen lang nichts . Es wurde dann geborgt oder von Obst aus dem Garten gelebt , und wenn auch das nicht da war , so gab es Pilzchen . Aber glaube nur nicht , daß Pilzchen wirklich Pilze gewesen wären . Pilzchen waren große Rosinen , in welche , von unten her , halbe Mandelstücke gesteckt wurden . Das war mühevoll genug , und mit Anfertigung davon verbrachte Frau von Zacha den ganzen Vormittag , um die Götterspeise dann mittags auf den Tisch zu bringen . Inmitten des Schüsselchens aber lag , um auch das nicht zu verschweigen , eine besonders große Rosine , die nicht nur den ihr zuständigen Mandelfuß hatte , sondern auch noch von zwei horizontal liegenden und ebenfalls aus Mandelkern geschnittenen Speilerchen kreuzartig durchstochen war . An den vier Spitzen dieser Speilerchen saßen dann ebenso viele kleine Korinthen und stellten das morceau de résistance her , das in der Sprache der Zachas le Roi Champignon hieß . Eine Bezeichnung , von der die Leute sagten , daß sich sowohl der Witz wie das damalige Französisch der Familie darin erschöpft habe . Dies , meine liebe Clothilde , sind meine persönlichen Erlebnisse , Kindererlebnisse . Was dann weiter kam , weißt Du besser als ich . Wie immer Deine Eva L. « Gordon hielt den Zettel in der Hand und zitterte . Dann aber war es mit eins , als ob er seine Ruhe wiedergefunden habe . » Ja , das entwaffnet ! Großgezogen ohne Vorbild und ohne Schule , und nichts gelernt , als sich im Spiegel zu sehen und eine Schleife zu stecken . Und nie zu Haus , wenn eine Rechnung erschien . Und doch tagaus und tagein am Fenster und in beständiger Erwartung des Prinzen , der vorfahren würde , um Kathinka zu holen oder vielleicht auch Lysinka , trotzdem beide noch Kinder waren . Aber was tut das ? Prinzen sind fürs Extreme . Vielleicht nimmt er auch die Mutter . Alles gleich , wenn er nur überhaupt kommt und überhaupt wen nimmt . Sie gönnen sich ' s untereinander . Er ist ja generös , und dann können sie weiterspielen . Ja , spielen , spielen ; das ist die Hauptsache . Nur kein Ernst , nicht einmal im Essen . Ach , wer schön ist und immer in Trauer geht und Pilzchen ißt , der ist für die Fürstengeliebte wie geschaffen . Arme Cécile ! Sie hat sich dies Leben nicht ausgesucht , sie war darin geboren , sie kannt es nicht anders , und als der Langerwartete kam , nach dem man vielleicht schon bei Lebzeiten des Vaters ausgeschaut hatte , da hat sie nicht nein gesagt . Woher sollte sie dies Nein auch nehmen ? Ich wette , sie hat nicht einmal an die Möglichkeit gedacht , daß man auch nein sagen könne ; die Mutter hätte sie für närrisch gehalten und sie sich selber auch . « Er drehte den Zettel noch immer zwischen den Fingern , zupfte daran und knipste gegen Rand und Ecken , alles , ohne zu wissen , was er tat . Endlich erhob er sich und sah auf die Baumwipfel hinüber , die jetzt in vollem Morgenlichte lagen . » Die Nebel drüben sind fort , aber ich stecke darin , tiefer , als ob ich auf dem Watzmann wär . Und ist man erst im Nebel , so ist man auch schon halb in der Irre . Que faire