In Ungarn müsse das Leben in der Attacke genommen werden . Und er wette , daß sie , richtig geleitet , den Mut und die Geschicklichkeit und vielleicht auch schon ein Stück Vorbildung dazu besäße . Die richtige Leitung aber habe gefehlt . Das Nächste sei , den kleinen Geistlichen unten auf Urlaub zu schicken , für den Rest hoff er sich persönlich verbürgen zu können . Egon , wenn er so neckte , durfte der Zustimmung des alten Grafen jedesmal sicher sein , der nur noch hinzuzufügen liebte : Franziska habe zuviel von des Goldschmieds Töchterlein mit Gebetbuch und Trippelschritt ; sie sei nicht bloß deutsch , sie sei sogar schwäbisch . Nur Gräfin Judith opponierte , wenn so gesprochen wurde , schüttelte den Kopf und wollte von Steeplechase nichts wissen . Franziska sei mehr auf die Betrachtung als auf die Durchlebung der Dinge gestellt und werde den Geistlichen , wenn er ausbleibe , gewiß schmerzlich vermissen ; sie säh es durchaus als ihre Pflicht an , um Franziskas willen in diesem Sinne zu sprechen . In Wahrheit aber sprach sie nur deshalb mit soviel Wärme für das Weitererscheinen des Herrn Curatus , weil sie persönlich nichts lieber hatte als Plaudereien über Beichtgang und den Stand der Sittlichkeit in der Gemeinde . Franziska , wenn der Kampf der Parteien in dieser Weise tobte , horchte dankbar lächelnd dem Lobe zu , das ihr von der alten Gräfin gespendet wurde , war aber doch zu jung , als daß sie nicht die bald in Angriff genommenen Lektionen im Sattel denen in der Grammatik vorgezogen hätte . Mitunter schloß sich der alte Graf an , meist aber war es Andras , der das junge Paar in die Berge hinein begleitete . Während dieser Ausflüge war es denn auch , daß sich Egon und Franziska recht eigentlich erst kennen und ein Gefallen aneinander finden lernten . In der rasch durchtrabten Plaine sprachen sie wenig , aber in das Schluchten- und Waldeswirrwarr einbiegend , wo zwischen Gestrüpp und Unterholz hin der Weg erst gebahnt werden mußte , wurde ihr Gespräch lebhaft . Egon zeigte sich dann sehr anders als im Kreise daheim . Er ließ den spöttischen Ton fallen , sprach ernst und einfach und vermied Fragen , die für ihn ohnehin so gut wie beantwortet waren . Er sah deutlich , daß Franziska vor einer Aufgabe stand , die schließlich ihre Kraft übersteigen würde . Sie gab sich freilich kühl . Aber war sie ' s ? Er hegte Zweifel und sah sich eines Tages in diesen seinen Zweifeln bestärkt . In einem benachbarten adligen Hause nämlich hatte sich ganz vor kurzem erst ein Entführungsroman abgespielt , in dem eine Schwägerin Graf Devavianys die Schuldige , nach Ansicht andrer aber , und zwar mit Rücksicht auf ihren sittenverdorbenen und grundschlechten Eheherrn , die Heldin war . Auch Franziska trat für die Verklagte mit lebhaften Worten ein , und als Egon , übrigens mehr aus Überlegung als aus Überzeugung , ihr widersprach , wurde sie mit jedem Momente heftiger und erregter . Einer der ihr feststehenden Grund- und Lebenssätze sei der von der Gegenseitigkeit der Pflichten , und die Forderung , eine gewohnheitsmäßige Pflichtuntreue mit unerschütterlicher Pflichttreue beantworten zu sollen , empöre sie geradezu , ja mehr , sie fühle ganz deutlich , daß sie durch Verrat und Untreue , denen sie wie selbstverständlich hingeopfert werden solle , zu den extremsten Dingen hingerissen werden könne . Dank und Pietät , ohne die die Welt roh und gemein sei , seien ihr , so hoffe sie wenigstens , tief ins Herz geschrieben , aber ebenso tief berge sie den leidenschaftlichen Hang nach Wiedervergeltung in ihrem Gemüt , und wenn sie zurückblicke , so gäb es für sie kein Gefühl , in dem ihre Phantasie so geschwelgt habe wie in dem befriedigter Rache . Egon , während sie so sprach , hatte sie von der Seite her scharf beobachtet und hielt ich von dem Augenblick an mehr noch als vorher überzeugt , daß die Kühle , die sie zeigte , nur Täuschung sei . Sein Interesse wuchs aber , je mehr ihn diese Frage beschäftigte . Siebenundzwanzigstes Kapitel Auch die Beziehungen , die Franziska zur alten Gräfin unterhielt , gestalteten sich , soweit eine Steigerung überhaupt noch möglich war , immer freundlicher und erfuhren durch kleine , halb scherzhafte Meinungsverschiedenheiten keine Schädigung , weil man sich in ernsthaften Dingen einig wußte . Dies trat schon an einem der ersten Tage hervor , wo Gräfin Judith , ihre Scheu gegen Treppensteigen überwindend , einen speziellen , allerdings auch wohl von Neugier diktierten Anstandsbesuch bei Franziska gemacht und eine herzliche Plauderstunde mit dieser gehabt hatte . Gleich beim Eintritt war sie froh überrascht gewesen , dem Muttergottesbilde wiederzubegegnen , das sie sich sehr wohl entsann in den Tagen ihrer Kindheit an eben dieser Stelle gesehen zu haben . Und wirklich , nur der Rosenkranz am Arm des Christkindes war neu hinzugekommen . Franziska , die rasch bemerkte , was im Gemüte der alten Gräfin vorging , schob ihr einen bequemen Sessel heran , setzte sie sorglich hinein und sagte dann erklärend und in einem gedämpften Tone : sie habe sich wohl gedacht , daß ihr das Muttergottesbild eine besonders liebe Erinnerung sein werde , weshalb sie denn auch eine Weile geschwankt habe , ob sie ' s nicht von der Konsole herabnehmen und unten im Schlafzimmer der Gräfin aufstellen solle . Aber sie woll es nur gestehen , sie habe sich ihrerseits nicht davon trennen mögen . Denn das Muttergottesbild sei das erste gewesen , von dem sie hier auf Schloß Arpa begrüßt worden sei , noch früher als von Hannah , und sosehr sie sich im ersten Augenblick als Protestantin über diesen Gruß verwundert und beinahe erschreckt habe , so sei ' s ihr doch am andern Tage schon gewesen , als wüchse das kleine Nischendach und nehme sie mit unter seinen Schutz . Von all diesem , als Franziska so sprach , war der guten