Alte spart ' s , der Junge gibt ' s aus - wir werden uns schon vertragen ! Aber wo ist das Mädel ? « Türkischgelb gab ihm einen Rippenstoß , daß er drei Schritte weit flog . » Verzeiht ! « sagte er zum Uhrmacher , » er ist so aufgeregt , weil ich ihm viel von dem Mädchen erzählt habe , und jetzt brennt er schon darauf , sie zu sehen . Nun - da kommt sie ja ! « In der Tat erschien jetzt in der Türe , welche in die Wohnung führte , die Frau des Uhrmachers und hinter ihr ein sechzehnjähriges wohlbeleibtes Mädchen . » Guten Tag ! « rief ihnen Sender entgegen . » Ist das das Mädel ? Na , für den Winter nicht übel - aber im Sommer müßte man sie im Keller halten , sonst zerschmilzt sie an der Sonne - « » Was ? ! « rief Frau Rifke - sie traute ihren Ohren nicht - » Nun , Reb Itzig « , fuhr Sender gemütlich fort , » ich hab ' sie mir zwar nach Eurer Beschreibung anders gedacht , aber - « fügte er in gedämpftem Tone hinzu , den man bis auf die Gasse hinaus hören konnte , » wenigstens sieht sie gottlob ihrer Mutter nicht ähnlich ! « » Was ? ! « rief Frau Rifke noch gellender und stemmte die Arme in die Seiten . » Ja , ja ! « rief Türkischgelb laut , » freilich sieht sie der Mutter ähnlich - ich hab ' s dir ja gesagt - darum ist sie so schön , so - « Frau Rifkes überbreites Antlitz verzog sich zu einem verlegenen Lächeln - wem sollte sie nun glauben ? ! » Gottlob gar nicht ähnlich ! « wiederholte Sender laut . Dann wandte er sich an den Uhrmacher . » Nebenbei - « sagte er halblaut - » eine Frage im Vertrauen ! Wie seid Ihr zu den vielen Uhren gekommen ? ! « » Was meint Ihr damit ? « fragte der Uhrmacher entrüstet . » Gekauft hab ' ich sie ! « » Ich hab ' gemeint , weil auf so vielen Genève steht - das sind vielleicht Andenken an Euren Bruder ! « ( Ein unübersetzbares Wortspiel : » Genève « , die Bezeichnung der Genfer Uhren , » Geneve « , hebräisch Diebstahl . ) Reb Mortches breites Gesicht färbte sich dunkelrot . » Ihr wagt es ... « pustete er . » Ihr wagt es ... « Wieder gab Türkischgelb dem Jüngling einen Puff , daß er gegen den Ladentisch flog . » So ist der Jung ' ! « lachte er . » Brennt fürs Geschäft ! Sieht gleich nach , welcher Stempel auf einer Uhr steht ! « Aber alle Geistesgegenwart nützte da nichts mehr . » Genug ! « unterbrach ihn der dicke Mann keuchend vor Erregung , aber entschieden . » Ich hab ' Euch gleich gesagt , ich will mit dem Pojaz nichts zu tun haben . Ihr habt mir vorgelogen , daß er vernünftig geworden ist . Es ist nicht wahr ! - Geht mit Gott - kommt gesund heim ! « » Bleibt gesund ! « rief Sender fröhlich und war mit einem Satz zur Türe hinaus . Er ging zur Schenke und harrte auf den Marschallik . Aber dieser kam nicht wieder . Und je länger er ausblieb , desto ernster wurde Sender , desto bänger wurde ihm vor den Folgen seiner Handlungsweise . Und als er sich endlich nach vierstündigem Warten entschloß , allein heimzufahren , da war ihm alle Lustigkeit vergangen . Der Abend dämmerte schon , als er vor den Mautschranken hielt . Die Mutter öffnete ihm . Ein Blick in ihr Antlitz zeigte ihm , daß der Marschallik bereits vor ihm dagewesen . Er hatte diese Züge noch nie so streng und finster gesehen . » Ich will den Wagen abliefern « , sagte er demütig . Sie nickte stumm . Als er heimkam , sagte sie mit jener dumpfen , klanglosen Stimme , die der Sohn so sehr fürchten gelernt : » Du bist ein Lump ! Aber ich spreche nicht gern über Dinge , welche sich nicht mehr ändern lassen . Nur über die Zukunft ein Wort ! Ich habe den Marschallik bewogen , dir eine andere Partie zu suchen . Benimmst du dich da ähnlich , so jage ich dich aus dem Hause und kenne dich nicht mehr . So wahr mir Gott gnädig sei ! « Sie erhob die Hand zum Schwure . Zwölftes Kapitel In den nächsten Tagen war Sender sehr zerknirscht , die Reue , die Mutlosigkeit lasteten schwer auf ihm . » Es war Notwehr « , sagte er sich zur Entschuldigung , aber wenn er die Trauer der Mutter sah oder ihrem finsteren , vorwurfsvollen Blick begegnete , kam er sich wie ein rechter Sünder vor . Dann freilich regte sich jener leichte Sinn wieder , der ihm ebenso im Blute lag wie der dunkle Drang nach seinem Ziel . Es gab nun freilich nur noch eine Hilfe für ihn : der Direktor in Czernowitz mußte ihn aus seinen Barnower Ketten befreien , aber dieser Mann tat es auch sicherlich ! Und seltsam genug wuchs seine Zuversicht desto mehr , je länger die Antwort auf sich warten ließ . » Warum schweigt er ? « dachte er . » Weil der gute Mensch eine Beschäftigung für mich sucht . Einen anderen Grund kann er gar nicht haben . Wollte er Nein sagen , er würde mich darauf nicht warten lassen ! Und bis er was findet , brauch ' ich ja nicht müßig zu bleiben : ich hab ' ja die Bücher im Kloster ! Freilich schneidet mein Fedko mürrische Gesichter , wenn ich ihm keinen Schnaps zahlen kann , aber er läßt mich doch immer hinein , und mit der Zeit wird mir der liebe Gott auch wieder zu einem Fläschchen