der Sohn . Er trug die rote Uniform des Husarenregiments Zieten ; die kleine Kirche war schwarz ausgeschlagen . In dem Augenblicke , in dem der Sarg niederstieg , rief die Irrsinnige , die sich auf dem Orgelchor versteckt hatte : » Seht , nun fährt er in die Hölle . « Alles entsetzte sich ; nur der , an den sie die Worte gerichtet hatte , lächelte . Er war übrigens ein ausgezeichneter Soldat , das hielt ihn . Als er nach dem Basler Frieden , der ihn wurmte , seinen Abschied nahm , zog er aus dem Havellande ins Oderbruch und kaufte sich in der Nähe von Schloß Guse an . Die Groß-Quirlsdorfer hatten sich wenig über ihn zu beklagen . Er setzte zwar das alte Leben fort ; aber die Oderbrücher , selber nicht diffizil , legten ihm durch Mißbilligung keinen Zwang auf . Sein Geschmack wurde immer wunderlicher . Starb wer Junges im Dorf , Bursch oder Mädchen , so ließ er ein großes Begräbnis anrichten , vorausgesetzt , daß die Leidtragenden ihre Zustimmung gaben , die Leiche zu schminken und in einem mit vielen Lichtern geschmückten Flur aufzubahren . Dann stellte er sich zu Füßen , rauchte aus einem Meerschaumkopf und sah , halb zugekniffenen Auges , die Leiche eine halbe Stunde lang an . Was dabei durch seine Seele ging , wußte niemand . Er galt für einen Tückebold , auch noch für Schlimmeres ; indessen er war General , märkisch und soldatisch vom Wirbel bis zur Zeh und von einem humoristisch verwegenen Mut . Erst vor drei Jahren hatte sein letztes Rencontre stattgefunden . Die Veranlassung war ganz in seiner Art. Eine Scheune auf einem Nachbargute brannte nieder ; Bamme , der den Besitzer nicht leiden konnte , sagte bei offener Tafel : » Hochversicherte Scheunen brennen immer ab . « Er sollte zurücknehmen . Statt dessen maß er seinen Gegner und krähte nur : » Jede Feuer-Assekuranz sagt dasselbe . « Nun kam es zum Duell ; Hauptmann von Rutze sekundierte . Der Beleidigte schoß Bammen den rechten Ohrzipfel samt dem kleinen goldenen Ohrring weg , den er » Rheumatismus halber « trug . Er ließ sich nun einen neuen Ring durch die stehengebliebene Ohrhälfte ziehen und sah seitdem skurriler aus denn je . Eine gewisse Schelmerei , wie zugestanden werden muß , söhnte manchen seiner Gegner mit ihm aus ; dazu kam , daß er sich gab , wie er war , und sein eigenes Leben rückhaltlos in den pikantesten Anekdoten aufdeckte . Seine geistigen Bedürfnisse bestanden in Necken , Spotten und Mystifizieren , weshalb er , wie kein zweiter , von allen Sammlern und Altertumsforschern in Barnim und Lebus gefürchtet war . Um seine Tücke besser üben zu können , war er Mitglied der Gesellschaft für Altertumskunde geworden . Feuersteinwaffen , bronzene Götzenbilder und verräucherte Topfscherben ließ er aussetzen und verstecken , wie man Ostereier versteckt , und war über die Maßen froh , wenn nun die » großen Kinder « zu suchen und die Perioden zu bestimmen anfingen . Turgany , wie sich denken läßt , zog den möglichsten Nutzen aus diesen Mystifikationen , und jedesmal , wenn Seidentopf etwas Urgermanisches aufgefunden haben und zum letzten Streiche gegen den zurückgedrängten Justizrat ausholen wollte , pflegte dieser wie von ungefähr hinzuwerfen : » Wenn nur nicht etwa Bamme ... « , ein Satz , der nie beendet wurde , weil schon die Einleitung desselben zur vollständigen Verwirrung des Gegners ausreichte . Alles in allem war der » General « eine Lieblingsfigur auf Schloß Guse , auch der Hecht im Karpfenteich . Die Gefahren und Unbequemlichkeiten , die sich daraus ergaben , wurden durch das frische Leben , das er brachte , wieder aufgewogen . Es kam nicht in Betracht , daß er über Sittlichkeit seine eigenen Ansichten hatte . Man ließ dies gehen . Die Gräfin schlug jede Kritik darüber mit der Bemerkung nieder : » L ' immoralité ouverte , c ' est la seule garantie contre l ' hypocrisie . « Nur den Vitzewitzes , alt und jung , war mit solcher Bemerkung nicht beizukommen ; sie verharrten , bei äußerlich leidlicher Stellung zu dem alten Schabernack , in ihrer Abneigung gegen ihn , und Berndt pflegte zu sagen : » Bamme und Hoppenmarieken , das hätt ein Paar gegeben ! « Neben Bamme , zugleich als sein natürlicher Gegensatz , stand Baron Pehlemann , die vierte Figur des Guser Kreises . Was Bamme an Mut zuviel hatte , hatte Pehlemann zuwenig . Daß er der Gräfin dadurch ein kaum geringeres Interesse einflößte als sein encouragiertes Widerspiel , braucht nicht erst versichert zu werden , aber auch der Kreis selbst war weit entfernt davon , dies Manko an Herzhaftigkeit ernstlich zu beanstanden . Am wenigsten die Militärs . Es läßt sich Ähnliches auch heute noch beobachten . Alle Stubenhocker dringen beständig auf » Opfertod « ; alte geschulte Soldaten aber , die aus fünfzig Schlachten her wissen , einerseits , welch ein eigen und unsicher Ding der Mut ist , andererseits , welche niedrige Organisation , welch bloßer , wer weiß woher genommener Taumelzustand ausreicht , um ein Heldenstück gewöhnlichen Schlages zu verrichten , alle diese denken sehr ruhig über Bravourangelegenheiten und haben in der Regel längst aufgehört , alles , was dahin gehört , in einem besonderen Glorienschein zu sehen . So kam es , daß Bamme und Pehlemann die besten Freunde waren . Natürlich fehlte es nicht an Hänseleien . Erst einige Wochen vor Beginn unserer Erzählung hatte Pehlemann , der mitunter ein ihn plötzlich überkommendes Zutrauen zu sich selbst faßte , die Versicherung abgegeben : » seine Abneigung gegen Schußwaffen beruhe lediglich auf einer allzu feinen Organisation seines Ohres « , worauf von seiten Bammes mit soviel Ernst wie möglich erwidert worden war : » Gewiß , dergleichen kommt vor ; so lassen Sie uns , wie alte Corpsburschen , einen Gang auf krumme Säbel machen ; das ist ein stilles Geschäft ; Ihr Ohr