schön ist es bei Ihnen ! « Die Greisin streichelt ihr sanft die Wange - der alte Herr blickt schalkhaft zu ihr hinüber und droht ihr mit dem Finger : » Oh - o diese Augen ! Werden die noch Unheil genug in der Welt anrichten ? ... Sehen Sie mich nicht an , Fräulein von Fehse - sehen Sie mich nicht an ! « Am nächsten Morgen , in aller Gottesfrühe , war Röschen schon im Garten , und zu Mittag lag schon - niemand wußte , durch welche Zauberkünste - das Kindervolk im ganzen Umkreise des Schlosses in ihren Fesseln . Die zwei » Jüngsten « des Maiers und das » Allerjüngste « des Schmiedes und die » Sämtlichen « des Gärtnergehilfen liefen hinter ihr her wie Hündlein . Eine kleine , kugelrunde Anitschka mit kurzem Näschen und roten Pausbacken pflanzte sich vor dem Schloßtore auf , als Röschen darin verschwunden war , und ließ sich so wenig wie eine treue Schildwache von ihrem Posten vertreiben . Sobald der Gegenstand ihrer Leidenschaft wieder erschien , machte sie eine dicke Lippe , ergriff eine Falte von Röschens Kleid und watschelte so resolut neben ihr her , als hieße es nun : Durch Not und Tod ! Während Röschen die Jugend bezwang , eroberte Bozena das Alter . Gleich bei ihrer ersten Begegnung mit ihm hatte sie des alten Grafen Gunst errungen . Er erklärte sie sofort für eine der gescheitesten Personen , die ihm jemals vorgekommen seien . Sie mußte sich nachmittags auf der Terrasse einfinden und die Aussicht bewundern . Zufällig - dieser Zufall traf immer ein , sobald der Greis zehn Worte mit einem fremden Menschen gewechselt hatte - kam das Gespräch auf die Ereignisse des Jahres achtundvierzig . Bozena erzählte , durch seine Fragen gedrängt , von ihrem Aufenthalte in Ungarn , von ihrer Wanderung durch das kaum niedergeworfene Land . Der Graf - honneur aux dames ! - forderte sie auf , sich zu setzen , und als Bozena diese Zumutung , als könne sie nur im Scherze gemeint sein , lächelnd ablehnte , nahm der alte Herr seinen Hut ab und legte ihn neben sich auf die Bank . Beim Abendessen sprach er mit Regula mehrmals von ihrer Magd : » Eine Libussa , Ihre - wie heißt sie ? ... Eine Fürstin Libussa ! ... Eine solche Dienerin macht der Herrin Ehre . Auf Ihr Wohl , mein Fräulein ! « Er leerte ein Glas sauern Landweins mit einem solchen Behagen , als verwandle er sich auf seiner Zunge in den edelsten Johannisberger . Regula hatte den Nachmittag ihrer Korrespondenz gewidmet . Sie schrieb einen langen Brief an Wenzel und einen nicht viel kürzeren an Mansuet . Dem letzteren trug sie Grüße auf an alle ihre Bekannten und Verehrer . In der langen Liste der angeführten Namen fehlte nur der des Professors Bauer . Von diesem Getreuen erwartete sie schon mit der morgigen Post einen Brief , den zu beantworten sie sich vornahm . Ihr letzter Gedanke , als sie ihr Haupt auf das Kissen ihres dürftigen Lagers legte , war an ihn : Was wird er sagen , wenn er von meiner Verlobung hört ? ... Der Arme - vielleicht erschießt er sich ! Es war Sitte auf Schloß Rondsperg , um neun Uhr zur Ruhe zu gehen . Drei Stunden vor Mitternacht mußte der Graf geschlafen haben , sonst hatte er , seiner Meinung nach , nicht geschlafen . Um zehn Uhr durfte eigentlich kein Licht mehr im Hause brennen . So war denn auch heute alles still und dunkel , als Ronald langsam in den Schloßhof ritt . Nur an einem Fenster schimmerte noch ein matter Lichtschein wie der von einer verdeckten Lampe . Zu diesem blickte Ronald eine Weile sinnend und zögernd empor , dann faßte er einen raschen Entschluß , übergab seinen Klepper - einen Sohn der Myska - dem herbeieilenden Florian und trat einige Minuten später , nach leisem Pochen , in das Schlafzimmer seiner Mutter . Die alte Frau saß noch angekleidet vor dem Arbeitstischchen im Fenster . Vor ihr auf dem Nähkissen lag ein zerlesenes Buch : Albachs » Heilige Anklänge « . - Bei dem Anblick ihres Sohnes fuhr sie erschrocken zusammen ; er bemerkte es wohl und sprach beklommen : » Sie sind noch auf , gute Mutter ... « » Ich werde sogleich Nacht machen - wollte nur noch - « wie entschuldigend wies sie auf das Buch , » ein wenig beten . « » Der Vater schläft ? « » Seit einer Stunde . « Sie wagte nicht , ihn anzusehen ; ein Gefühl peinlicher Furcht hatte sie ergriffen , das echt weibliche Gefühl der Furcht vor der Entscheidung . O ging er wieder ! ... O spräch er nicht ! dachte sie und sagte : » Es ist spät . « Ronald blieb trotz dieses Winkes . Er holte einen Stuhl aus der Ecke des Zimmers und setzte sich seiner Mutter gegenüber . » Wir haben Gäste ? « fragte er . » Ja . Und - die kleine Waise « , fügte sie mit Lebhaftigkeit hinzu , » welch ein holdes Geschöpf ! ... Ein Herzenslabsal , dieses Kind ... « » So ? « entgegnete Ronald zerstreut und suchte vergebens nach Worten . Auch er hatte die Augen gesenkt und sah die Hände seiner Mutter in ihrem Schoß beben ; und diese welken , hilflosen Hände raubten ihm den Mut , brachten ihn um seine Entschlossenheit . Mutter und Sohn wandelten seit Jahren fast stumm nebeneinander . Was am schwersten auf ihnen lastete , darüber durften sie nicht sprechen , denn es hätte zur Klage geführt über den Gatten , den Vater , und Sorglosigkeit zu heucheln vermochten sie nicht . Bei ihrem Manne und bei der Tochter , die in ihrer Nähe lebte , hatte die Gräfin es endlich aufgegeben , Verständnis zu suchen ; allzu verschieden von ihr waren sie geartet . Durch mehr als