leben , gebt uns den Eh ' spruch ! « Ich weiß anfangs nicht , was das bedeutet , und als sie es klar tut , sage ich : » Habt Ihr den treuen Willen , so wird Euch der Ehesegen von der Kirche nicht vorenthalten werden . « » Mein Gott im Himmel ! « schreit das Mädchen , » mit der Kirche heben wir nichts mehr an , die versagt uns die Ehe , weil wir nichts haben . Aber wenn der Herrgott bös ' auf uns tät ' werden , das wäre arg ! - Das Gewissen läßt mir keine Ruh ' , und zu tausendmal bitt ' ich Euch , schenket uns den Segen , den jeder Mensch kann schenken . Ihr seid wohl selber noch jung , und habt Ihr ein Lieb , so werdet Ihr ' s wissen , es gibt kein Lösen und Lassen . Wir leben in der Wildheit zusammen , weil wir uns lassen mögen ; wir haben keine Seel ' , die unser Freund wollt ' sein und uns das Glück wollt ' wünschen von Herzen . Ein gutes Wort möchten wir hören , und wenn nur einer tät ' kommen und sagen : wollet mit Gottes Willen und Segen einander verbleiben bis zum Tod ! So ein einzig Wort und wir wären erlöst von der Sünd ' und ein Eh ' paar vor Gott im Himmel ! « Diese Sehnsucht nach Befreiung von der Sünde , dieses Ringen nach dem Rechten , nach der menschlichen Teilnahme , nach dem Frieden des Herzens - wen hätte das nicht zu rühren vermögen ! » Ihr herzgetreuen Leut ' ! « rufe ich aus , und reck ' die Arme : » der Herrgott mög ' mit Euch sein , ich wünsche es Euch ! « Da ist schon auch der Bursche neben dem Mädchen gekniet . Und so habe ich mit meinen Worten etwas getan , was von mir gar nicht zu verantworten ist im Himmel und auf Erden . Ich habe eine Trauung vollzogen mitten im grünen Wald . Am Peter- und Paulitag 1817 . Doch seltsam , was in diesem Jungen steckt , in des schwarzen Mathes Sohn . Er hat das Herz seiner Mutter und das Blut seines Vaters . Nein , er hat ein noch größeres Herz als seine Mutter und ein dreimal wilderes Blut , als sein Vater . Dieser Knabe wird ein Heiland oder ein Mörder . Die alte Ruß-Kath siecht seit Monaten . Die Leute sagen , es fehle ihr an gesundem Blut . Das hat auch der kleine Lazarus gehört , und gestern ist er zu mir gekommen mit einem hölzernen Töpfel und dem großen Seitenmesser seines Vaters und hat mich aufgefordert , ich möge aus seiner Hand Blut ablassen und es der Ruß-Kath schicken . Er glüht im Gesicht , ist aber sonst ruhig . Ich verweise ihm sein Ansinnen . Er schießt davon . Und bald danach hat er im Hofe des Winkelhüterhauses eine Taube erwürgt - aus Zorn , aus Liebe - ich mag es nicht entscheiden . Ich trete hinaus zu dem toten Tiere . » Lazarus , « sage ich , » jetzt hast du eine Mutter umgebracht . Siehst du die armen , hilflosen Jungen dort ? Hörst du , wie sie weinen ? « Bebend steht der Knabe da , blaß wie Stein , und ringt nach Luft und zerbeißt sich die Unterlippe . Ich drehe ihm den eingezogenen Daumen aus und gieße Wasser auf seine Stirn . Ich führe ihn in seine Hütte zurück . Dort fällt er erschöpft auf das Moos und sinkt in einen tiefen Schlaf . Es muß was geschehen , um das Kind zu retten . Wie , wenn es zu mir nähme , sein Vater und sein Bruder wäre , es zähmte und leitete nach meinen Kräften , es unterrichtete und zur Arbeit anhielte und in aller Weise seine Leidenschaft zu töten suchte ? Etwan hat der Knabe doch zu viel Blut ... meinen die Leute . Hundstage 1817 . Der Sturmhanns hat ein Hündlein , ein gar possierlich Tier , weiß recht klug dreinzuschauen und freundliche Augen zu machen und anhänglich schweifzuwedeln , daß man meint , man müsse es frei liebhaben , wie ein Menschenkind . Und da ich ihm in die Nähe gekommen bin - schwapp ! hab ' ich eins in den Waden . - Wie dieser Hund , so sind auch die Hundstage . Das ist ein Glitzern und Sonnenleuchten des Morgens und ein Vogelzwitschern und alle Blumen heben ihre Köpfeln zur Höhe und grüßen und lachen dich an . Und die Sonne streichelt dich und küßt dich und die Sonne umarmt die Welt mit glühender Lieb ' - wer wollte da nicht hinausstreichen in den wohligen Schatten der Wälder ? Du wandelst frei dahin und schauest zur grünen Erde und denkst : du lieber , du holder Tag ! - Da sind auf einmal die finsteren Wolken über dir und der Sturm reißt dir den Hut vom Haupt und der Regen schlägt dir rasend ins Gesicht - birg dich rasch - es kommt auch Eis gesaust . Die Hundstage . Kann denn auch die Natur untreu sein ? Der Mensch ist ' s , der ihr Böses zeiht , weil sein Denken unvernünftig und seine Weisheit mangelhaft ist . Es gibt nichts Böses und nichts Gutes , außer in dem Herzen des einen Wesens , dem der freie Wille gegeben ist . Wenn wir uns den freien Willen abstreiten könnten , dann wären wir alles Gewissens los . Im Walde gibt es manchen , dem das recht wäre . Am Jakobitag 1817 . Heute bin ich wieder im Hinterwinkel , im Hause des Mathes gewesen . Das Weib trostlos . Seit zwei Tagen ist der Knabe Lazarus verschwunden . Das Schreckliche ist geschehen . In seinem Jähzorn hat er einen Stein nach der Mutter geschleudert . Als das geschehen , hat er einen grausen