können , die ihm unter den vorteilhaftesten Bedingungen ihre Dienste antrugen . Er wollte sich , bis Jos wieder ein wenig hergestellt war , mit Taglöhnern behelfen . Freilich lebten die sich weniger in alles hinein , was zum Hause gehörte , als ein Knecht , ließen auch eher dies und jenes außer acht ; aber ob jetzt hundert Gulden mehr oder minder aufgingen , kam weit weniger in Betracht als die Ehre des Stighofes , die es soweit als möglich zu retten galt . Unter Ehre denkt man sich sehr verschiedenes . Fast jede Lebensstellung bildet dafür ein eigenes Gefühl ; doch überall wird schließlich die Frage entscheidend , ob es dem Menschen um das Sein oder nur um den Schein zu tun ist . Im ersteren Falle findet er die Befriedigung seines Ehrgefühls in der Ruhe des Gewissens , die ihn bei allen äußeren Stürmen aufrechterhält , im anderen kann ihm nur Kühnheit oder der Zufall und die Blindheit der Menge , die nur dem Scheine folgt , dazu verhelfen . Hans dachte nie daran , daß das Gerede wegen der Magd seiner oder der Ehre des Hauses weh tun könne , weil er sich Dorotheen gegenüber nichts vorzuwerfen hatte , als was er nun selbst büßen mußte , nämlich die stolze Trägheit , mit welcher er den trotzigen Knecht in seiner üblen Laune ganz dem Schicksal überließ und schließlich durch sein ungeschicktes Auftreten zum Äußersten trieb . Wenn er hören mußte , er habe dem Knechte nicht geholfen und sei sogar noch gegen denselben im entscheidenden Augenblicke aufgetreten , weil er , wie Jos ja selbst deutlich genug verraten , den lästigen Nebenbuhler nicht nur habe entfernen , sondern auch demütigen wollen , so tat ihm das weit weniger weh , als wenn man sagte , er habe den Knecht verlassen , wo er mit einem Worte den Frieden hätte herstellen können , und der Beweis wäre nun geliefert , daß er selbst neben dem betrunkenen Jos noch der Dümmere sei . Das hatte Hans von einigen Freunden des ehemaligen Schneiders hören müssen , und das schnitt furchtbar tief ein . Entschuldigt freilich war Jos damit noch nicht . Das Bürschchen tat damals viel zu stößig und war zu sehr obenauf . Es tat gar nicht wie gewöhnlich und war kaum noch für den klugen Jos zu erkennen . Wer aber konnte das so gut wissen als Hans ? Jeder hat einmal seine schwache Stunde , und wer soll ihn dann ertragen und zurechtweisen so gut als möglich , wenn nicht die , die ihn besser kennen ? Dorothee hatte das auch gesagt , und er , zu redlich , um seine Fehler hinter fremde zu verstecken , ließ ihr ohne Widerrede vollkommen recht ; nur meinte er , daß eine kleine Demütigung dem Jos denn doch nicht übel getan hätte . Er sagte das an dem Morgen nach der Kirchweih , als er die Magd in der Küche traf , und hatte dabei schon etwas Schlaf in den Augen . Der aber verging ihm , als das Mädchen sich hart vor ihn hinstellte und sagte : » Weißt du nicht , daß einem leicht Seifenschaum in die Augen kommt , wenn man ihn mit Gewalt weißwaschen will ? Warum soll gerade er , der Fleißige , Durchtriebene , Unermüdete , von dessen Kraft und Kühnheit du und dein Hof das ganze Jahr zehren , an dem Tage gedemütigt werden , an welchem ihr alle euch in euerer Herrlichkeit zeigt und mit allem prahlt , was ihr habt ? « Hans eilte aus der Küche , als ob er fürchte , die aufgeregte Magd könnte ihm mit einem Topf voll siedenden Wassers nachstürmen . Das war aber auch alles , was die beiden in der Woche nach der Kirchweih über diese Geschichte miteinander redeten . Sie redeten überhaupt nicht mehr , als die Verrichtung der täglichen Arbeiten unumgänglich notwendig machte , und die Nachbarinnen hatten nicht ganz unrecht , wenn sie behaupteten , daß die beiden sich mit solchem Fleiß mieden , als sie sich in den Wochen vor der Kirchweih gesucht hätten . Das Unglück des armen Jos , den Dorothee jeden Abend besuchte , und seine unsicher gewordene Zukunft mit der seiner vielgeprüften Mutter machten dem Mädchen um so mehr Kopfweh , da es selber sich nichts vorzuwerfen hatte . Wenigstens in den ersten Tagen nicht . Nach und nach aber war denn der armen Magd nicht mehr recht wohl neben dem immer mürrischeren , immer schweigsameren Hans . Das Gefühl der Abhängigkeit begann ihre Teilnahme für Jos zu schwächen und sie immer schwerer , immer schmerzlicher zu drücken . Auf dem Stighofe hielt man sie so , daß sie kaum anders einmal an ihre Stellung gegenüber den Besitzern dachte , als wenn sie den außerordentlich großen Jahreslohn empfing . Dann war sie gerührt von so großer Güte , und mit tausend guten Vorsätzen ging sie gleich an ihre Arbeit , um wenigstens so vieler Wohltaten sich nicht unwert zu zeigen . Dieses Abhängigkeitsgefühl konnte aber bei so liebevoller Behandlung um so weniger lange dauern , da nur kindliches Pflichtgefühl sie noch an die Heimat am Argenstein fesselte , seit die Mutter einem jahrelangen Leiden erlag . Wohl trug sie dem alten , geldgierigen Vater und der kränkelnden Schwester jeden verdienten Kreuzer zu , ja sie versagte sich noch manches , um ihnen einen frohen Tag machen zu können , was , wie sie wußte , mit Geschenken immer gelang ; aber sie lieben , so recht gern haben und alles vor ihnen abschütteln , was drückte , das konnte sie nie . Es fehlte ihr Achtung und Vertrauen , doch wagte sie sich das nie zu gestehen und errötete vor sich selbst bei der Frage , was denn in der engen , heißen Stube ihr so die Brust beklemme und sie immer fast mit Gewalt hinaus und auf den Stighof zurücktreibe . Um sich wenigstens dem Vater gegenüber zu entschuldigen , hatte sie ihm