kommen . Beim Näherschreiten erkannte sie bald Fräulein von Walde , die Baronin und Hollfeld , die den Kaffee tranken in dem einzigen Zimmer , aus welchem der Pavillon bestand . » Sie kommen heute ein wenig zu früh , liebes Kind ! « sagte Helene , als das junge Mädchen über die Schwelle trat . Elisabeth sagte ihr , daß sie Miß Mertens zuvor einen Besuch machen wolle . » Ach , lassen Sie das heute ! « rief Helene lebhaft , aber sehr verlegen , während die Baronin mit einem unbeschreiblich maliziösen Lächeln von ihrer Häkelarbeit aufsah . » Wissen Sie , daß diesen Morgen ein großes Paket neuer Musikalien aus Leipzig angekommen ist ? « fuhr Fräulein von Walde fort . » Ich habe sie schon ein wenig durchgestöbert , meist prächtige Sachen . Vielleicht finden wir noch eine brillante Piece für unser Konzert ... Setzen Sie sich ; wir gehen dann zusammen ins Schloß . « Sie bot Elisabeth ein Körbchen mit Kuchen und legte ihr eine schöne Birne auf den Teller . Herrn von Waldes Hund sprang in diesem Augenblicke über die Schwelle . Sofort richteten sich beide Damen aus ihrer bisherigen Stellung auf . Helene blickte gespannt nach der Thür und gab sich offenbar die größte Mühe , so freundlich und harmlos wie möglich auszusehen . Die Baronin aber warf ihre Arbeit in den Korb ; sie untersuchte die silberne Kaffeekanne , ob sie noch heiß sei , stellte eine Tasse nebst Zuckerschale zurecht und zog einen Stuhl aus der Ecke an den Tisch . Das impertinente Lächeln war verschwunden , dafür lagerte sich ein gewisser Ernst auf ihre Stirn , und die ganze Erscheinung präparierte sich , einen würdevollen und imposanten Eindruck zu machen . Hollfeld eilte beim Erblicken des Hundes sogleich hinaus in den Garten und trat nach wenigen Minuten mit Herrn von Walde wieder ein , der , wie es schien , von einem Ausfluge zurückkam , denn er trug einen staubgrauen Ueberzieher und einen runden Filzhut . » Wir haben schon gefürchtet , lieber Rudolf , « rief Helene ihm entgegen , während sie sich erhob und ihm die Hand hinreichte , » dich für heute ganz entbehren zu müssen . « » Ich fand in L. mehr Geschäfte vor , als ich erwartet hatte , « erwiderte er und setzte sich nicht auf den ihm gebotenen Stuhl , sondern neben seine Schwester auf das Sofa , wodurch Elisabeth gezwungen wurde , sobald sie die Augen erhob , ihm in das Gesicht zu sehen , denn er saß ihr gerade gegenüber . » Uebrigens , « fuhr er fort , » bin ich schon seit einer halben Stunde wieder zurück ; allein Reinhard hatte mir eine Privatangelegenheit mitzuteilen und verlangte eine sofortige Entscheidung von mir ... deshalb wäre ich beinahe um das Vergnügen gekommen , den Kaffee bei dir zu trinken , liebe Helene . « » Der böse Reinhard , « schmollte Fräulein von Walde , » er hätte auch ein wenig warten können , die Welt würde ja wohl nicht gleich aus den Fugen gegangen sein . « » Ach , liebes Kind , « seufzte die Baronin , » das sind Dinge , die wir nie ändern werden ... Wir sind eben für unser ganzes Leben verurteilt , die Sklaven unserer Untergebenen zu sein . « Herr von Walde wendete ruhig den Kopf nach ihr und ließ seinen Blick langsam über ihre Gestalt gleiten . » Nun , weshalb fixierst du mich so angelegentlich , lieber Rudolf ? « fragte die Baronin nicht ohne einen Anflug von Verlegenheit . » Ich wollte mich nur überzeugen , ob du in der That geeignet seiest , eine jener traurigen Rollen in Onkel Toms Hütte durchzuführen . « » Stets Spott , wo ich Teilnahme suche , « entgegnete die Dame , indem sie sich bemühte , ihrer spröden Stimme einen weichen trauervollen Klang zu geben . » Ich könnte es nun nachgerade wissen ; allein ... « sie seufzte abermals . » Nicht jeder hat übrigens deinen beneidenswerten Gleichmut , der die kleinen Bitterkeiten und notwendigen Uebel des Lebens an sich vorübergleiten läßt ... Wir armen Frauen haben leider unsere unseligen Nerven , die uns jede Gemütserschütterung doppelt fühlbar machen ... Hättest du mich heute morgen gesehen , in welch trostlosem Zustande ich war - « » So ? « » Ich habe einen furchtbaren Aerger gehabt ... Nun , diese Miß Mertens wird es dereinst verantworten müssen ! « » Hat sie dich beleidigt ? « » Welcher Ausdruck , liebster Rudolf ! Wie könnte mich diese Person in ihrer Stellung beleidigen ! ... Erzürnt , auf das äußerste erbittert hat sie mich ! « » Nun , ich sehe mit großer Befriedigung , daß du dich nicht so leicht unter das Sklavenjoch beugen wirst . « » Ich habe in der letzten Zeit unsäglich viel mit dieser albernen Person zu ertragen gehabt , « fuhr die Baronin fort , ohne den Einwurf ihres Kousins zu beachten . » Meine Mutterpflichten sind mir heilig und aus dem Grunde halte ich es für unumgänglich nötig , den Unterricht meines Kindes zu überwachen ; denn es kann mir durchaus nicht gleichgültig sein , welche Richtung der jungen Seele gegeben wird ... Leider mußte ich immer mehr finden , daß Miß Mertens ' Wissen sehr mangelhaft , und ihre Anschauungsweise durchaus nicht derart ist , daß ich eine gleiche für ein junges Mädchen in Bellas Verhältnissen wünschen möchte ... Heute morgen höre ich , wie diese einfältige Mertens dem Kinde sagt , der innere Adel stehe weit über dem Adel der Geburt - als ob das zu trennen sei - sie stelle den Bettler , der ein reines Herz habe , höher , als ein gekröntes Haupt , das sündige , und dergleichen mehr ... Wenn ich dir nun sage , daß Bella dereinst - so es im Ratschlusse des Herrn liegt - am Hofe leben wird - ich habe eine