Frauen sich hinabgebückt , und zogen mühsam den Leichnam eines Weibes aus dem Wasser , der kaum noch menschliche Züge verrieth . Um Gottes willen , gnädige Frau Baronin , kommen Sie fort von hier , das ist nichts für Sie ! rief der Gärtner dringend . Aber Angelika , obschon sie vor Entsetzen schauderte , meinte sich überwinden zu müssen . Ist hier denn Jemand ertrunken ? fragte sie . Der Gärtner verneinte es . Wer weiß , von wo die Leiche herabgekommen ist ! sagte er , und auch die Frauen schwiegen vorsichtig . Aber ein kleines Mädchen , die Tochter eines Gartenarbeiters , das von der anderen Seite neugierig herbeigelaufen war , als es den ungewöhnlichen Vorgang bemerkte , sagte ganz verwundert : Kennt Er denn die Pauline nicht mehr , Herr Weißhold ? Das ist ja die Pauline aus Rothenfeld , die sich ins Wasser gestürzt hat , den Morgen , wie der Herr Baron zur Hochzeit gefahren ist ! Unsinn , Unsinn ! rief der Gärtner und schob das Kind mit heftigem Stoße auf die Seite . Aber die Baronin , welche keine Sylbe von den Worten der Kleinen verloren hatte , hielt sie zurück , und bleich , mit erstarrenden Zügen fragte sie : Aus Rothenfeld ist diese Todte ? Ja wohl , aus dem Hause , das jetzt eingerissen wird , versetzte das Kind mit aller Bestimmtheit , welche Kinder in ihre Rede zu legen wissen , wenn man dieselbe bezweifelt . Ja wohl , es ist die Mamsell aus Rothenfeld . Und Pauline heißt sie ? wiederholte die Baronin , aber es waren die letzten Worte , welche sie sagen konnte . Sie griff mit der Hand nach dem Gärtner , als suche sie eine Stütze , und sank ohne Laut besinnungslos zusammen . Man trug die Ohnmächtige in das Schloß ; der Schrecken , die Aufregung waren allgemein . In wenigen Minuten wußte die ganze Dienerschaft , was vorgegangen war . Die Sorge um die junge Herrin , das Mitleid mit ihr ließen sich vernehmen , wo zwei Menschen beisammenstanden . Ein reitender Bote ward zum Arzte in die nächste Stadt geschickt , man spannte den Wagen an , der jenem folgen sollte . Die Kammerfrau und der Caplan waren um die Leidende beschäftigt , der Baron stand , ein Bild der Vernichtung , an ihrem Lager . Es währte lange , ehe ein leiser Seufzer den Geängstigten verrieth , daß Angelika dem Leben wiedergegeben sei . Als sie erwachte , fielen ihre ersten Blicke auf den Baron . Er hatte sich zu ihr geneigt und küßte , niederknieend , leise ihre Hände . Sie wehrte es ihm nicht , aber ihr Auge ruhte mit einem Ausdruck der Trauer auf ihm , der ihm das Herz durchbohrte . Er wagte kaum zu fragen , wie sie sich fühle , denn ihre Klage wäre eine Anklage für ihn gewesen , und gleichsam um sie zu beruhigen , sagte er ihr , daß nach dem Arzte gesendet sei und daß er sicher nicht auf sich warten lassen werde . Sie bewegte leise verneinend das Haupt : Ich bedarf des Arztes nicht , entgegnete sie . Das ist der Arzt , den wir brauchen , und er wird uns nicht verlassen ! - Sie reichte dabei dem Caplan die Hand , er legte sie in die ihres Gatten , so blieben sie eine Weile schweigend beisammen . Es war ein Unabänderliches geschehen , man mußte versuchen , zu sich selber zu kommen , und die Baronin war es , welche sich zuerst ermannte . Sie hatte kein Urtheil über die Zeit , welche seit ihrer Ohnmacht verflossen war , und fragte danach . Man sagte ihr , daß es Mittag sei . Morgen um diese Stunde werden sie kommen ! meinte sie , ihrer Eltern gedenkend . Dann richtete sie sich auf und verlangte , sich zu erheben . Der Baron wünschte sie davon zurück zu halten , auch der Caplan und ihre Kammerfrau machten Einwendungen , sie wollte nicht darauf hören . Ich muß wohl sein , wenn meine Eltern kommen , sagte sie , und ich habe auch keine Schmerzen . Laßt nicht mehr davon die Rede sein ; aber ich habe Ruhe nöthig , ich möchte allein bleiben für einige Stunden . Man fügte sich ihrem Wunsche . Als der Caplan und ihre Kammerfrau sich entfernt hatten , trat der Baron an sie heran , um ihr die Hand zu geben und ihr zuzusprechen , ehe er sie verließ ; aber sie nahm die dargebotene Hand nicht an . Es hat keinen Segen gebracht , sagte sie , daß wir uns die Hände reichten , und wenn es wieder geschieht , so muß es in einem anderen Sinne und in einem anderen Geiste sein . Auf dem alten Wege kann ich nicht weiter gehen .... Höre mich , Angelika , bat der Baron . Nein , jetzt nicht ! versetzte sie mit großer Festigkeit . Ueberlege auch Du , was uns beiden frommt . Ich hatte mir geschworen , mich ganz und überall Deiner Führung zu überlassen , als ich Dir Treue gelobte . Den ersten Eid kann ich nicht mehr halten , den zweiten werde ich halten , und Gott wird mir helfen und mir sagen , auf welche Weise ich es thun , auf welche Weise ich Dir meine Treue bezeugen soll . Laß mich mit mir und meinem Gott allein ! - Der Baron blieb vor ihr stehen ; es überkam ihn die Ahnung , daß in dieser jungen Frau eine Stärke des Willens und des Charakters verborgen liege , die er nicht in ihr vermuthet hatte , und in die widersprechenden Gefühle , die ihn erschütterten , in das Entsetzen , welches das Auftauchen der Leiche in ihm hervorgerufen , in den Schmerz und in die Sorge , welche die Ohnmacht seiner Gattin ihm verursacht hatte , in das Bangen vor der Zukunft seiner Ehe , in