die mir zugedachte Ehre zu bedanken , von der ich keinen Gebrauch machen könne , - da - ich mich entschlossen hätte , Julius nach Grünwald zu begleiten . Der Einfall kam mir nämlich , wie ich die Phrase schrieb , und ich lief sogleich zu Frau von Berkow , und theilte ihr meinen Entschluß mit , worüber sie eine lebhafte Freude zu erkennen gab . - Nun sagen Sie mir , mein vortrefflicher Freund , der Sie die Güte gehabt haben , diese lange Geschichte anzuhören , was würden Sie thun , wenn Sie in meiner Lage wären ? Bedenken Sie dabei , daß ich bereits achtundzwanzig Jahre alt bin , aber noch meine sämmtlichen achtundzwanzig Zähne habe . - Die Weisheitszähne sind ausgeblieben , sei es aus einer Vergeßlichkeit der Natur , sei es aus einer weisen Vorsicht des Schicksals , das daran dachte , wie ich so manchmal im Leben wenig genug zu beißen haben würde . Was ich thun würde , wenn ich an Ihrer Stelle wäre ? sagte Oswald , wenn ich , wie Sie , ein wackrer , gewissenhafter , fleißiger - Bitte , bitte , Herr Collega ; sagte Bemperlein über und über roth werdend . Ich sage , gewissenhafter , fleißiger Mann wäre ? Nun , die Frage ist sehr leicht zu beantworten . Ich würde thun , was Sie bereits gethan haben ; ich würde dem Paradies naiver Gedankenlosigkeit und harmlosen Glaubens wohlgemuth den Rücken kehren , nachdem ich einmal vom Baum der Erkenntniß gekostet , und mich , so wenig wie Sie , in den Stall sperren lassen , in welchem die Heuchler , die schnöden Hunde im Schafspelze der Demuth , so ohrenzerreißend und markerschütternd winseln und heulen . Ganz wohl , ganz wohl ! sagte Herr Bemperlein , sich vergnügt die Hände reibend , und was würden Sie dann thun , Werthgeschätztester ? Dann , sagte Oswald , wenn ich Sie wäre , würde ich mich erinnern , welche Mühsal ich schon als schwacher Knabe erduldet , und welchen Fleiß und welche Ausdauer ich bewiesen habe , blos um mir einen Wust von Kenntnissen anzueignen , den ich jetzt froh bin , wieder vergessen zu können - dessen , sage ich , würde ich mich erinnern , und mir eine Wissenschaft zu eigen machen , die ich nicht wieder vergessen möchte , weil ich ihr Jünger sein darf , ohne vorher die freie Vernunft zu knebeln , und weil diese Wissenschaft fruchtbar für mich und fruchtbar für meine Mitbrüder ist . Vortrefflich , vortrefflich , sagte Herr Bemperlein , weiter , weiter ! Ich würde also mit einem Wort , fuhr Oswald fort , mich mit aller Macht auf die Wissenschaften werfen , in denen Sie sich ja schon versucht haben , und würde mich sobald als möglich nochmals in Grünwald inscribiren lassen , diesmal aber nicht , um Theologie , sondern etwa , um Medicin zu studiren . Die medicinische Facultät in Grünwald ist ausgezeichnet , sagte Herr Bemperlein . Sie ist anerkanntermaßen eine der besten in Deutschland , fuhr Oswald fort . Dann würde ich noch ein paar andere Universitäten besuchen , wenn das Geld reicht - Geld wie Heu , Geld wie Heu , rief Herr Bemperlein , sechs Jahre lang ein prinzliches Einkommen und freie Station , ich bitte Sie , Theuerster , ich habe für ein halbes Jahrhundert zu leben . Dann würde ich ein berühmter Arzt - Wissen Sie , sagte Herr Bemperlein , stehen bleibend und sich nach den Knaben umsehend , im Flüsterton : Ich habe schon ein Paar von Julius ' Kaninchen heimlich mit Blausäure vergiftet und hernach secirt , und die Frösche in dem Sumpf hinter unserm Park haben keine Ursache , meine Freunde zu sein . Bravo ! lachte Oswald , und dann heirathete ich . Wirklich ? fragte Bemperlein . Nun natürlich , und erzeugte ein halbes Dutzend kleiner Bemperleins , die in der Folge Alle große Bemperleins und Alle Leuchten und Fackeln der modernen Wissenschaft würden . Auch die Mädchen ? sagte Bemperlein lachend . Die Mädchen heiratheten wieder tüchtige , wahrheitsliebende Männer , und so hülfe ich theoretisch und praktisch die Zeit herbeiführen , wo die Freiheit erscheinen wird , die wir meinen . Ja , ja , rief Herr Bemperlein , so gehts , so gehts . Dank , tausend Dank , mein trefflicher Freund , daß Sie die letzten Wolken des Zweifels durch Ihre muthigen Worte zerstreut haben . Morgen reise ich mit Julius nach Grünwald . Ich will Ihnen einen Empfehlungsbrief an Professor Berger mitgeben , sagte Oswald ; er steht mit allen naturwissenschaftlichen Größen in Verbindung . Er riß ein Blatt aus seiner Brieftasche , schrieb ein paar Worte an Berger darauf und übergab es Bemperlein . Dank , besten Dank ! sagte dieser , das Blatt einsteckend . Die Bekanntschaft dieses Mannes kann mir sehr nützlich werden . Auf jeden Fall . Sprechen Sie durchaus offen gegen ihn , ohne allen und jeden Rückhalt , dann dürfen Sie aber auch versichert sein , daß er mit seiner Herzensmeinung nicht hinter dem Berge halten wird . Vielleicht empfiehlt er Ihnen , sogleich auf eine größere Universität , etwa nach der Residenz zu gehen . Folgen Sie dann seinem Rath . Nous verrons , nous verrons ! rief Herr Bemperlein . Aber da sind wir bei unserm Parkthor angekommen . Sie treten doch näher ! Nein , nein ! sagte Oswald hastig , ich möchte nicht gern so spät nach Grenwitz zurückkommen . Nun , dann leben Sie wohl ! In ein paar Tagen , wenn ich Julius in Grünwald installirt , und mich über mich selbst bei Berger ordentlich informirt habe , bin ich wieder hier , um definitiv Abschied zu nehmen . Leben Sie wohl so lange , mein werthgeschätzter Freund ! Adieu , Adieu ! sagte Oswald , hastig Bemperlein und Julius die Hand drückend , und Bruno mit sich zurück in den Wald ziehend , als hielte