lieben . Aber stehe mir bei mit Deinem Gebet ; denn Du bringst Dich nach Außen in Sicherheit , während ich gleichsam in eine Arena zum Kampf mit wilden Tieren hinabgestoßen werde . Mir graut vor einer Welt , an welcher Orest und Florentin hängen . « » Der heilige Johannes Chrysostomus sagt , « antwortete Hyazinth , » eine Jungfrau , die sich Gott verlobt habe , müsse durch die Welt wie durch eine Wüste gehen , und während ihr Fuß auf Erden weile , mit ihrem Herzen im Himmel sein . Sieh ' , damals gab es viele gottgeweihte Jungfrauen , welche durch diese und jene Verhältnisse veranlaßt wurden , in ihren Familien zu bleiben . Auch später hast Du ähnliche Beispiele , und zwei der glänzendsten an den beiden Dominikanerinnen dritten Ordens , die heil . Katharina von Siena und die heil . Rosa von Lima , welche nie im Kloster lebten und doch die Welt mit dem Glanz ihrer Heiligkeit bestrahlten . Halte Dich zu ihnen . Dazu haben wir ja die lieben Heiligen . « Er zog von dannen , wie ein Seliger , der den Ballast der Erde schon abgeworfen und seinen Schwung zum Himmel genommen hat . Mit einer Art von Neid sah Florentin auf ihn ; nicht daß er sich gesehnt hätte , wie Hyazinth zu sehen , zu denken , zu glauben , zu sein ; aber er mißgönnte ihm diese klare Stille , diesen Frühlingsmorgen in der Seele , den der Glaube mit seinem Gefolge von Frieden und Liebe in ihr hervorruft . Nachdem Florentin , wie so manche junge Leute , an der Klippe schlechter Bücher und schlechter Gesellschaft einen traurigen Schiffbruch der Sittlichkeit gelitten hatte , ließ er sich leicht blenden durch philosophische Systeme und wissenschaftliche Studien , welche eine höhere Erkenntnis ewiger Grundwahrheiten zu geben versprachen , indem sie die göttliche Offenbarung als eine abgenutzte Antiquität beseitigten , die für den im Fortschritt begriffenen Menschengeist ohne Geltung sei : und warf sich mit dem Heißhunger und dem einseitigen Eifer einer zügellosen Jugend auf alle antireligiösen Schriften , an denen die Zeit so überreich war , daß sie auf jedem Gebiet des Denkens , in jedem Fach des Wissens wucherten . Sie entsprachen den bösen Instinkten , die sich in ihm , wie in jeder Menschenbrust regten , indem sie , die Abhängigkeit des Geschöpfes vom Schöpfer nicht anerkennend , dem Hochmut und der Ichsucht schmeichelten , der Genußgier keine Schranken setzten , das Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen maßlos steigerten , und dem Menschengeist die volle Omnipotenz zusprachen , welche sie dem Schöpfer und Regierer des Alls absprachen , so daß jedes Individuum sich selbst , als seinen Gott , anbeten durfte . Weil dies Zugeständnis aber für manche , in denen auch edle Instinkte sich regten , abstoßend gewesen wäre , so wurde die Vergötterung des Ich ' s verschleiert durch die Vergötterung der Ideen . Die Freiheit , der Fortschritt , die Gleichberechtigung aller Menschen , wozu natürlich auch die Emanzipation der Frauen gehörte , waren die Stichworte , bei denen man in Begeisterung verfiel , waren die Ideen , welche das Individuum , oder die Kotterie , oder die Partei , nicht im Zusammenhang mit der ewigen Wahrheit , sondern subjektiv erfaßt und gedeutet , vergötterte . Diese Ideen sollten in der Seele und in dem Leben und Streben des Menschen denjenigen Platz einnehmen , den bei dem Gläubigen Gott einnimmt ; man sollte sich selbst und andere nach ihnen bilden und für sie hinopfern . So spann man sich in die Selbsttäuschung ein , außerordentlich unegoistisch zu sein , während man in der Tat das liebe Ich im Maskenkleid der subjektiven Idee anbetete , wohlweislich die Vorsicht gebrauchend , die subjektive Auffassung immer als die einzig richtige und allgemein anerkannte darzustellen . Daß in Folge einer solchen Verfälschung der inneren Entwickelung des Geistes , seines Strebens und seines Zieles , Unwahrheit , Verwirrung und Unruhe in ihm herrschen , kann nicht befremden . Gott hat den Menschengeist geschaffen für die Offenbarung und hat die Offenbarung gegeben für den Menschengeist . Es besteht zwischen beiden eine übernatürliche , geheimnisvolle und doch ganz wahrhafte Verbindung , wie sie in der Natur zwischen dem Sonnenstrahl und der Blume besteht , die , vom Licht entfernt , farblos bleibt . Außerhalb seines Sonnenstrahls , der aus der Offenbarung auf ihn fällt und den Glauben in ihm weckt , bleibt der Menschengeist verkrüppelt . Er fühlt es , aber er will es nicht eingestehen ; er sucht vielmehr nach anderen Sonnen , nach anderem Licht , und irrt dabei immer weiter und weiter von dem Quell alles Lichtes ab und versinkt immer tiefer und tiefer in jammervolle Finsternis und in unstillbaren Unfrieden . Ein Zeichen dieses inneren Unfriedens ist es , daß der Glaubenslose den Gläubigen nicht neben sich , nicht einmal auf der Welt dulden will . Er hat das gemein mit dem Laster , welches auch gern die Tugend vertilgen möchte , die ihm ein Dorn im Auge ist . Daher der Grimm des Unglaubens gegen das positive Christentum , das sich am Bestimmtesten in der katholischen Kirche ausdrückt ; daher sein Haß gegen ihre Institutionen ; daher die Verachtung , mit welcher er sie in ruhigen Zeiten zu ignorieren - daher die Wut , womit er sie in gährenden und aufgeregten zu vernichten sucht . Das alles wogte durch Florentins Seele . Er hatte mit dem Glauben auch die Liebe verloren . Er wußte nichts von Dankbarkeit gegen den Grafen , der ihn , den armen , gequälten , vernachlässigten Fischerbuben , zum Kind seines Hauses gemacht hatte ; nichts von Anhänglichkeit an die jungen Leute , mit denen er als ein Bruder aufgewachsen war . Wie ein erstarrender Nachtfrost hatte sich der Unglaube über alle Blütenknospen seines Gemütslebens gelegt . Der Glaube verbindet tausend Herzen in der Liebe zu Gott ; der Unglaube trennt sich von Gott und vereinzelt somit Tausende , die wie vermauert in