ihn nicht mehr . Eine Kugel hatte ihm den Kopf zerschmettert . - XI Als der Prinz A. in dem Moment , als er von Alicen getrennt wurde , das Militär anrücken und den Platz besetzen sah , bemächtigte sich seiner eine tiefe Bestürzung . Er konnte diese Maßregel in diesem Augenblicke - der enthusiastischen Freudigkeit der Menge gegenüber - nicht begreifen . Er eilte um das Schloß herum , um von jener Seite den Versuch zu machen , zu dem König zu dringen und ihm den Stand der Dinge wahrheitsgetreu zu schildern . Aber wie erstaunte er , als er , nach dem Lustgarten eilend , auch hier dasselbe Schauspiel fand , nur daß es nicht Musketiere waren , die mit gefälltem Bajonette in das wehrlose Volk eindrangen , sondern Kürassiere , welche ihren Pferden die Sporen einsetzend mit geschwungenem Säbel wie Rasende um sich hieben . - Die Verwirrung und das Geschrei war sinnebetäubend . - Der Prinz starrte sprachlos auf das Gemetzel ; dieser plötzliche Umschwung der Dinge überstieg seine Fassung . Da dämmerte ein furchtbarer Gedanke in ihm empor . Es schien ihm , als habe er jetzt einen schrecklichen Zusammenhang gefunden . - Das ist Verrätherei ! murmelte er , und blickte , vor seiner eigenen Ahnung erbleichend , mit trostlosem Blicke zum Schlosse empor . Doch hier galt es zu handeln . Sein Inkognito aufgebend , gelangte er leicht in das Innere des Schlosses . Rasch stürmte er die Wendeltreppe empor , eilte den Corridor hinab in die Vorzimmer des Königs . Eine Menge Deputationen hatten sich bereits versammelt . Auch Herrn v. M. erblickte er unter ihnen . - Ich komme so eben vom Könige - sagte dieser , ihn auf die Seite ziehend . - Es ist Alles vergeblich . Auch Sie werden Nichts ausrichten . Der König ist durch einen mächtigen Einfluß in seinen besten Entschlüssen schwankend geworden . - Wer ist bei ihm ? - Der Prinz von Preußen , die Königin , der Prinz Karl und einige Minister . - Welche Minister ? - Bodelschwingh , Thiele und - - Genug . Ich werde das Aeußerste versuchen . Er öffnete ohne Weiteres die Thür . Der König saß mitten im Zimmer auf einem weiten Lehnsessel , mit dem Gesicht nach dem Fenster , so daß er die Aussicht auf die Kurfürstenbrücke hatte . Sein mit spärlichem Haar bedecktes Haupt war etwas nach vorn herübergebeugt , als erliege es unter der Gewalt des Augenblicks . Neben ihm , die Hand auf die Rücklehne seines Sessels gestützt , stand die Königin . Ihr bleiches , thränenvolles Gesicht beugte sich auf den König . Mit unaussprechlicher Angst in den leidenden Zügen blickte sie auf ihn herab , als erwarte sie ein unheilvolles Wort aus dem Munde des Königs . Auf der andern Seite des Sessels , doch etwas entfernter , stand ein kleiner feister Mann mit herabhängenden Armen und niedergeschlagenen Augen . Auch er schien einen Entschluß zu erwarten . Er schien eben zum Könige gesprochen zu haben und jetzt das Resultat seiner Worte abwarten zu wollen . Es war der fromme Herr Minister v. Th . Einige Schritte von dieser schweigenden Gruppe entfernt standen in einer Fensternische im eifrigen , aber leisen Gespräch begriffen fünf Männer . Es handelte sich auch hier um die große Frage des Augenblicks , das lehrte ein Blick auf ihre theils consternirten , theils zornigen Gesichter . Nur Einer unter ihnen blickte , scheinbar ohne andere als passive Theilnahme an der Unterhaltung , mit aufmerksamem Auge auf die Straße hinab . Der Prinz A. trat mit raschen Schritten auf diese Gruppe zu . - Wozu ist der König entschlossen ? - fragte er den Prinzen Carl , welcher ihm zunächst stand . Dieser zuckte die Achseln und schwieg . - Man muß die Hand zur Versöhnung bieten ; es erfordert die Klugheit , jenes unselige Mißverständniß durch schnelle Nachgiebigkeit vergessen zu machen - sagte ein schmächtiger , hoher Mann mit aristokratischen Zügen . - Sprechen Sie nicht von Mißverständnissen , Graf A. - sondern von Mißgriffen , erwiederte zornig ein dritter Herr , mit schwarzen , schlichten Haaren und einem breiten , gutmüthigen Gesicht , dessen Züge in diesem Augenblicke von Zorn oder Angst auf eigenthümliche Weise verzerrt waren . - Keine Verdächtigung , lieber Schw . - nahm der Prinz Carl das Wort . - Lassen Sie uns einig sein , um das Fürchterlichste abzuwenden . Der König ist noch unentschlossen . - - Aber er wird sich entschließen ; ich bin dessen sicher . Wie ist seine Nachgiebigkeit belohnt worden ? Sie haben es ja gesehen . Reichen Sie dem Pöbel den kleinen Finger , so verlangt er nicht etwa die ganze Hand , nein Kopf und Kragen . Die einzige Rettung liegt für uns in der Festigkeit . Die Nachgiebigkeit und Versöhnlichkeit des Grafen A. würde als Furcht ausgelegt werden und dadurch gerade das Entgegengesetzte bewirken . - Es war der Minister von B. , eine große massive Figur , in der man eher einen derben Landwirth , als einen preußischen Minister vermuthet hätte . - Ich sage - warf der Prinz A. ein , indem eine edle Entrüstung auf dem feinen blassen Gesicht eine matte Röthe hervorrief - ich sage , meine Herren , daß Verrath im Spiele ist . - Verrath ! ? - rief fast laut Herr von B. aus . In demselben Augenblicke wandten der Prinz von Preußen und der noch immer am Stuhle des Königs harrende Herr von Th. das Gesicht dem kühnen Sprecher zu , so daß ihre Blicke sich begegneten . Beide lächelten , aber das Lächeln des Herrn von Th. war ein Lächeln der Schadenfreude , der Prinz von Preußen lächelte wie Jemand , der eine Unschicklichkeit aus Klugheit nicht rügen will , um nicht den Schein persönlicher Gereiztheit auf sich zu laden . Auch A. und Schw . lächelten , jener wie ein Diplomat , der weder bejahen noch vereinen will - dieser in