die Menschenfreunde , wenn sie einsehen , daß sie es außerdem mit Verzweifelnden zu thun haben . « August schüttelte den Kopf und sagte : » Auf alle Fälle ist es doch besser , wenn Ihr auch meint , daß uns Stiefel nicht schaden kann , wir suchen dahinter zu kommen , wer und was er eigentlich ist und was er will ; aber nur wir Dreie , denn von den Andern sind einige täppisch und geschwätzig , sie könnten Alles verderben . - Das ist mein erster Vorschlag und mein zweiter , daß wir jetzt ein wachsames Auge auf Anton haben . « » Um ihn vor ungerechten Beschuldigungen zu sichern , « sagte Franz etwas aufgeregt und fügte gelassener hinzu : » Mit Deinem ersten Vorschlag bin ich einverstanden . « » Ich auch , « sagte Wilhelm . » Ueber Nacht kommt guter Rath , wir wollen ' s beschlafen . « » Nun denn gute Nacht , « erwiderte August , » und Du , Franz , sei nicht böse . Bei Gott , Franz , wenn ich minder Dein Freund wäre , würde ich auch minder bedenklich sein ! « Franz drückte ihm die Hand . » Es ist gut , Du bist ein braver Junge geworden - gute Nacht ! « August schlenderte der Hütte zu , in welcher seine alte Mutter krank lag , und verschwand in der Thüre . » Es ist ein guter Junge « , wiederholte Franz ; » seitdem er sich aus seinem unordentlichen Leben herausgerissen hat , ist Keiner fleißiger und im Guten beharrlicher , als er . « » Bei Alle dem bin ich froh , daß er nicht länger mit uns ging , « sagte Wilhelm , » ich habe noch Etwas mit Dir allein zu reden - es hat mir schon lange auf dem Herzen gelegen und muß nun endlich einmal herunter . « » Wir wollen ein Stück in diese Allee gehen und uns dort auf der Steinbank unter der Linde ein Wenig niedersetzen , « gab Franz an . Als sie sich gesetzt hatten , begann Wilhelm : » Du bist seit einiger Zeit verändert - wenn wir Alle beieinander sitzen und unter Gesang und harmlosen Reden uns von den Mühen des arbeitvollen Tages erholen - so bist Du oft still und zerstrent , und wenn wir Dich aufmuntern , so fährst Du wie im Traume auf und besinnst Dich endlich , wo Du bist . - Das Loos der unglücklichen Brüder hat Dir immer Kummer gemacht , das Elend , das Dich umgiebt , hat immer an Deinem theilnehmenden Herzen gefressen . Ein Dichter , der noch andere Träume , ein Schreibender , der noch andere Dinge zu denken hat , als wir andern nüchternen Menschenkinder , bist Du immer gewesen - allen diesen Dingen kann man Deine Veränderung nicht zuschreiben - auch bist Du ja nicht immer traurig - zuweilen glänzt Dein Auge in lauter stiller Freude . - Ach ! Ich weiß recht gut , was allein über einen Menschen solche Macht hat . « Franz sah stumm vor sich nieder und scharrte mit seinen Füßen im Sande . Wilhelm fuhr fort : » Franz ! Du gehst oft in Herrn Felchners Haus und wenn Du zurück kommst - « » Wilhelm ! Wilhelm ! « rief Franz mit einem flehenden Tone , als wolle er sagen , schone mich ! fügte dem Ruf aber weiter Nichts hinzu ; doch Wilhelm fuhr dumpf fort : » Ich verstehe Dich - wärest Du weniger verschlossen gewesen - wer weiß , es wäre dahin nicht gekommen , es wäre mir leichter geworden , sie zu fliehen - hättest Du nicht geschwiegen - es wäre besser gewesen - ja wohl , wäre besser gewesen ! « » Wilhelm - um Gottes Willen - Du auch - Du auch ? « » Ja , ich habe sie auch lieb , wie ich noch kein anderes Mädchen geliebt , ich habe sie so lieb , wie sie irgend Jemand lieb haben kann , so lieb wie Du ! « » Wilhelm ! Du sprichst es aus , Du wagst es - was ich niemals wagte , niemals gewagt haben würde ? - Mir ist , als faßtest Du mit einer ruhigen festen Hand nach meinem Herzen , rissest es mir aus der Brust und sprächest kalt , indem Du es mir vor die zuckenden Augen hieltest : so sieht Dein Herz aus - Du Frevler ! « » Es muß sein - Du oder ich ! - Ich habe Dir Freundschaft geschworen bis in ' s Grab - wir dachten damals nicht , daß ich Dir meinen Eid bewähren müßte am Grabe meiner Liebe . Franz , ich entsage ihr , sobald ich nur weiß , daß Du ihr Deine Liebe gestanden . « Franz fiel ihm ins Wort : » Wie dürft ' ich das wagen ? « Aber Wilhelm fuhr ununterbrochen fort : » Sobald ich nur weiß , daß sie gern Dein ist - « » Bist Du von Sinnen ? « rief da Franz außer sich . » Wie kannst Du von Deiner Entsagung sprechen ? In dem Sinne , wie Du das Wort meinst - da müssen wir ja Beide entsagen ! - Wie kannst Du mich für so frech , so anmaßend halten , daß ich diesem Engel gegenüber ein Wort der Liebe auszusprechen wagte ? Und verstummt nicht jedes schmerzliche Gefühl , das mich fern von ihr zuweilen überfällt , sobald ich ihr gegenüber stehe , ihr folge ? Dann fühle ich weiter Nichts , als das unaussprechliche Glück , diese sanfte Heilige unsre unglücklichen Brüder segnen zu sehen , und in ihren Augen die Thräne des Mitleids zu erblicken für die leidenden Armen - und dann fühle ich nur Dank gegen Gott , daß er , der in ihrem Vater uns einen Tyrannen , uns in ihrer Tochter doch zugleich einen hilfreichen Engel sandte . « Staunend