Zustände betreffen . Im Allgemeinen ist der Moment einer Verbindung , welcher Art sie sei ! zufriedenstellend ; in der Folge entwickeln sich deren Schattenseiten : das pflegt man Enttäuschung zu nennen , es ist aber nur die sehr natürliche Reaction , die auf alle Uebertreibungen in der Empfindungs- oder Handlungsweise folgt . Haben sich die gährenden Elemente abgeklärt und gesetzt , so tritt bei gut- und glücklichgearteten Menschen die dritte Epoche dauerhafter Befriedigung ein - oder entschiedene Trennung , wenn nicht des Lebens , doch der Gemüther , falls ein Irrthum sie zusammengeführt hat . Ich traute mir Kraft zu um zu dieser dritten Epoche durchzudringen , und in Otbert setzte ich sie voraus , weil seine standhafte Ausdauer mich dazu veranlaßte . Nur vergaß ich seinen Charakter dabei in Anschlag zu bringen ! Er begehrte immerwährend in Athem gehalten , in Feuer gesetzt , in Emotionen geschleudert zu werden , um Flammen zu werfen und sich an denselben zu wärmen und zu ergötzen , während sie Andre blendeten und zur Bewunderung hinrissen . Hätte ich ihn zehn Jahre lang die Komödie seiner Liebe spielen lassen und derselben mit Interesse zugesehen , so würde ihn das unbeschreiblich an mich gefesselt haben . Er empfand dabei den feinen und lebhaften Genuß den ein guter Schauspieler haben mag , wenn er sich ganz in seine Rolle versetzt und als Hamlet oder Wallenstein glänzenden Beifall einerndtet : unwillkürlich traut er sich die Ader des Philosophen oder des Feldherrn zu . So glaubte Otbert in der That etwas an seine Liebe für mich . Wie der Schauspieler , wenn er die Bühne verlassen hat und neue Rollen zu studiren findet , allmälig seine Wallensteins-Launen vergißt um etwa ein Marquis Posa zu werden : so ging es auch Otbert ; nur mit dem Unterschied , daß bei ihm die Natur bewirkte , was beim Schauspieler die Kunst . Ich habe es schon einmal gesagt und ich muß es jezt wiederholen um sein Bild zusammen zu fassen : er war nicht gradezu falsch , lügenhaft , heuchlerisch - er hatte es nur durch unbewußte Mißachtung der Wahrhaftigkeit zu einer solchen Schauspielerschaft gebracht , daß sie ihm zur zweiten Natur ward ; und in jene Mißachtung war er allmälig durch seine grenzenlose Eitelkeit verfallen : er wollte das Idol der Welt sein . Dies war das Haar an welchem der Satan ihn hielt ! Sprach der zu Otbert : Bete mich an und du sollst König sein - König der Liebe , des Ruhmes , der Ehren , der Herrlichkeit ! - so betete Otbert ihn unbedingt an . Es war übel für mich , daß ich nicht im Stande war Otberts Talent so über Alles zu bewundern wie sein Beifallsdurst es erheischte . Er warf mir häufig vor , daß alle Welt ihm höhere Anerkennung schenke als ich . Ich entgegnete einmal : » Ich liebe Dich selbst so sehr , daß ich Dein Talent mit in den Kauf nehme , ohne es besonders in Anschlag zu bringen . « » Kühl wie Cordelia ! « rief er spöttisch . » Und wahr wie sie ! « entgegnete ich sanft . Ich fand seine Gedichte lieblich , harmonisch und doch auch tief und kräftig ; aber Otbert erschien mir nicht als der erste Dichter der Welt , nicht als ein gewaltiges Genie , nicht als ein deutscher Byron . Letzteres besonders war seine heimliche Sehnsucht ! Es war sehr natürlich daß in Venedig wo Byron so viel , so gern und vor wenigen Jahren gelebt hatte , unsre Gespräche sich häufig um ihn bewegten , und da hatte ich ebenso häufig Gelegenheit jene Schwäche Otberts zu bemerken . Da ich wirklich fürchtete daß sie ihn in eine falsche Richtung werfen könne , so warnte ich ihn einmal sich durch seine Bewunderung für Byron nicht beherrschen und zur Nachahmung hinreißen zu lassen . » Du mußt auf andern Wegen gehen als er - setzte ich hinzu , Du hast nicht seine wilde , schroffe , melancholische Seele .... wie könntest Du seinen Genius haben . « » Also Du meinst ich hätte eine zahme , schlaffe , lustige Seele , entgegnete Otbert tiefgekränkt . Mit einer solchen kann man freilich nur ein jämmerlicher Dichter sein . « Meine aufrichtigen Versicherungen , daß es mir nicht eingefallen sei ihn zu Gunsten Byrons herabsetzen zu wollen , versöhnten ihn ganz und gar nicht . » Du deprimirst mich wenn Du mich so sehr gering achtest - entgegnete er . Das ist für mich wie Regen auf den Flügeln des Vogels : er kann nicht fliegen . Wenn nicht einmal die Nächsten , die Liebsten mich ermuntern , woher soll mir dann die Zuversicht kommen ? - Und sage mir nicht , daß ich auf Dein Urtheil nicht zu hören brauche , Sibylle ! Du hast ein feines und richtiges Urtheil ! überdies höre ich auf ein jedes .... um wie viel mehr auf das einer geliebten Frau . « » Wenn ich nicht fürchtete aufs Neue etwas Ungeschicktes zu sagen , entgegnete ich verschüchtert , so würde ich meinen , daß Du nicht auf jedes Urtheil als auf einen maßgebenden Richterspruch hören solltest . Du magst sie anhören als ebenso viel Beweise verschiedenartiger Ansichten .... allein Dich danach richten - niemals . « » Du hast eine schroffe wilde Seele ! Dir würde in der Vereinzelung nicht weh sein ! Aber ich kann ohne Theilnahme und Wolwollen nicht leben , nicht athmen , nicht denken , nicht dichten - nichts ! ich werde dann eine todte Sache und höre auf Mensch , geschweige Dichter zu sein . « » Der innigste Zusammenhang mit dem All , das Verständniß der Menschenseele in ihren verschleierten Tiefen , auf ihren ätherischen Höhen - die Ahnung ihrer Qualen und Wonnen - die Erkenntniß der Natur , nicht nach den Regeln der Wissenschaft , sondern nach geheimnißvollen Anschauungen - und mehr als das Alles : ein starkes Herz , vom Strom der Empfindung