hingestürzt wo , müd und erschöpft , so fuhr er wieder auf , wenn er Hundeklaffen und ein Jagdhorn hörte , denn so hatte der Wahnsinn sein Hirn umdüstert , er glaubte der Hirsch zu sein , den der Markgraf niedergestoßen , und hinter ihm jage die wilde Jagd , geführt von Sanct Johannes , daß sie den letzten Elennhirsch fange , auf den der Fürst den großen Preis gesetzt . Da nährte er sich von Wurzeln und Gras , trank das Wasser aus dem Fließ und scharrte sein Lager in den Gebüschen . Im Traume zuckte er auf , von den Speeren und Pfeilen durchbohrt ; er stöhnte vor Schmerz und wünschte doch , daß seine Stunde komme . So hatte der Wahnbethörte sich hineingedacht in die Seele eines Thiers , das dem Untergang geweiht war , als eines Nachts der Mann mit dem zottigen Haar und dem Fell über dem Nacken ihm auf die Schulter klopfte : Nun hast Du gebüßt Deine bösen Gedanken durch böse Gedanken , aber das ist nicht genug . Du wardst ein Thier und folgtest Deinem Triebe . Nun wache auf als Mensch und büße durch freie That Dein böses Thun . Tödte und zerfleische Dich selbst . Dann erst wirst Du rein sein von der Schuld . Als Wußo aufsprang , war der heilige Johannes verschwunden , aber unfern von einem Spring sah er den großen Elennhirsch seinen Morgentrunk schlürfen . Da war er auch erwacht aus seinem Traume und seinem Wahnsinn . Den Hirsch mußte er tödten . Das war seine Aufgabe ; sein Herr , dem er das Leben verwirkt , hatte es geboten . Der Hirsch floh . Wer kannte , wie Wußo , die Schluchten des Waldes , die jähen Seeufer , die Erdstürze , die Fährten des Wildes durch das Dickicht . Da endlich hatte er es in die Enge getrieben , wo es nicht mehr fliehen konnte . Es machte Kehrt und stand . Aber nicht mit der Wuth des gehetzten Wildes , das sein Leben im letzten Verzweiflungskampfe theuer erkaufen will . Das kluge Thier schien sein Loos zu kennen , nicht wie ein grimmer Feind , wie ein Opfer , das den Todesstreich erwartet stand es vor ihm . Den Jäger , der den Elch endlich stehen sieht nach langer , heißer Jagd , ergreift ein sonderbar Gefühl . Der Elch mit dem langen , weit ausgreifenden Geweih , wie ein König des Waldes , mit den klugen , schönen Augen , wie ein Mensch , mit dem struppigen grauen Bart , wie ein Geist aus einer andern Welt . Dem rauhesten Jäger schlägt das Herz , der Finger zittert ihm am Rohr . Er glaubt der Elch spreche mit ihm , und sein Auge strafe ihn . Was mußt du mich vernichten ? Bin ich ja doch dem Untergang geweiht . So sprachen des Hirsches Augen zu Wußo . - Mußt du mich tödten , so tödtest du dich selbst . Leben kann ich nicht mehr , wo ich der einzige bin meiner Art , der nur umschleicht wie das Gespenst auf den Grabhügeln derer , die mit ihm lebendig waren ; und ihnen gehörte der Wald , die Wiese , das blaue Wasser . Nun gehören sie Andern , die uns nicht dulden wollen ; die den Wald , die Wiese , das Wasser anders machen wollen , als der Herr es machte , der uns hineinsetzte . Bist du nicht ich ? Ist dir ' s heimisch noch im Land , wo die Fremden deine Wälder roden , in denen du Schatten hattest und Lust ; deine Götterbilder verbrennen , vor denen du betetest , und sie schützten dich ; die Grabhügel deiner Väter durchwühlen ; wo sie Thürme bauen in den Himmel , der frei war ; wo sie Crucifixe aufrichten , daß du denken sollst mit Zittern und Grauen nur an Qual und Graus , und unter deinen alten Göttern ging der Pokal um in Freude und Lust ? Ist ' s noch dein Land und dein Geschlecht , wo die fremde Zunge die Sprache verdrängt , so deine Väter sprachen , und du lalltest sie schon als Kind ; magst du leben in Freudigkeit , wo sie auf dich und deine Brüder herabschauen als Wesen schlechterer Art , nur aus Gnaden aufgenommen , und du warst frei wie der Vogel in der Luft , wie der Fisch im Wasser , wie wir im Walde ? Ich bin der letzte meines Geschlechts , willst du ' s nicht sein , willst du dich fügen als ein Knecht in die fremde Knechtschaft , so hilf ihn ausrotten und roden , hilf ihnen verläumden und schmähen , die alten Freien , hilf ihnen den Boden der Väter umackern , ihre Gräber zerstören , ihre Heiligthümer verbrennen , und schleudre dein tödtlich Geschoß mir in die Brust , aber laß mich noch einmal athmen die Luft , die frei war , noch einmal blicken in den grünen Wald und den blauen Himmel , dann - dann tödte dich selbst . Wieder mit zugedrückten Augen warf Wußo seinen Speer . Er hoffte , daß wieder der heilige Mann mit dem zottigen Haar den Speer fassen werde . Aber die Luft sauste , es krachte , und nieder stürzte der stolze Zehender . Die Bäume rauschten wie vor Schrecken . Wußo mochte nicht ertragen den letzten Blick des Elchs , er sah sich selbst in den sterbenden Zügen . Zusammenstürzte auch er , nicht in seinem Blute , im hitzigen Fieber . Als er genas , wollte er nicht mehr in den Wald , auch nicht zu Hof und nicht ausreiten mit dem Fürsten . Sein Sinn war dieser Welt erstorben , und er pries den Herrn , daß es so war . Ein hären Gewand zog er um den nackten Leib und ging in das Kloster Lehnin zu den Cisterciensern . Da hörte man ihn oft seltsame Gebete murmeln , daß es die