Wehe , und gesäet voll der Keime des Dichtergottes , jetzt zermalmt im Busen die Saat , - in aufseufzenden Tönen herübertrug ins Mutterland und wärmte - das Jammergeschick des Zwillingsbruders - in der Liebe , die aus der Verzweiflung Abgrund ihn mit heißer Begierde heraufrief , das müde jammervolle Haupt sanft zu lehnen , zusammen mit dem Geschick , das ausgeblutet hat . Ja , wer mit Gräbern sich vermählt , der kann leicht wahnsinnig werden den Lebenden - denn er träumt nur hier am Tag , wie wir träumen in der Nacht , aber drunten im Schlaf wacht er und geht mit jenen mitleidsvoll Hand in Hand , die längst verschollen der geschäftigen Eile des Tags sind . Dort fällt der Tau auf die Seele ihm , die hier nicht Feuchtung in der Kehle mehr hatte zum Seufzen . Dort grünen die Saaten und blühen , die hier der Dummheit Pflug - die Wurzel umstürzend wie Unkraut der Luft preis gab , und die tauvolle Blüte , rein vom Staube , stürzt in der Erde Grab . - Denn irgendwie muß die Saat der Götter lebendig werden , sie können Ewiges nicht verdorren lassen . Seine Seele wächst , die hier unten schläft und verwirrte Träume hat , hinauf als himmlisches Grün , die schwebende Ferse der Götterjünglinge umspielend , wie der frische Rasen hier seine tanzenden Blumen an meinem flüchtigen Lauf hinbewegt . - Ach Poesie ! heilig Grabmal , das still den Staub des Geistes sammelt und ihn birgt vor Verletzung . - O du läßt ihn auferstehen wieder , laß mich hinabsteigen zu ihm und die Hand ihm reichen im Traum , daß er mit heiligem Finger die goldnen Saatkörner mir auf die offne Lippe streue und mich anblase mit dem Odem , den er nach dem Willen der Götter aus ihrem Busen trinkt . Denn ich begehr sehnsüchtig , mit zu tragen gemeinsam Weh des Tags , und gemeinsam Tröstung zu empfangen in den Träumen der Nacht . - Was willst Du ? Halte mir ' s zugut , Günderode , daß ich so spreche , verfolg den Faden meiner Gedanken , so wirst Du sehen , es geht nicht anders . Du trägst ja auch mit mir , daß sie Dich meiner Narrheit beschuldigen . Mangel an historischem Sinn - ist es doch , das Weh , was in der Fabelwelt begraben liegt , mit dem zu mischen des heutigen Tages . - Sie haben Recht , mir keine Logik zuzusprechen , da müßt ich ja den dort verlassen , der aufgegeben ist , da müßt ich mich aufgeben , was doch nichts fruchtet . - Sei nicht bang um mich , ich bin nicht alle Tage so , aber ich komm eben vom Taubenschlag , wo die Sonne mir die blauen Berge anglänzte , wo Hölderlin schläft über dem Grabe des Ödipus , und hab ihnen den Gesang gesungen , mit Tönen unzurechnungsfähig der Kunst , auffassend , was sie vermochten an scharfem Wehe , und es besänftigend mit dem Schmelz der Liebe , den ich durch die Stimme hinzugoß aus dem Herzen , daß der durch die Wolken dringe - hinab am Horizont , hinauf - wo die gewaltigen Geschicke immer auch weilen - und sich mische mit ihren bitteren , salzigen Fluten . Was wären doch die Dichter , wären sie es nicht , die das Schauervolle ins Göttliche verwandeln . - Wo der Gesang doch allein aus meinen Sinnen hervordringt , nicht aus dem Bewußtsein , da spricht ' s nachher so aus mir , daß Stimmen aus mir reden , die mit keinem andern im Einklang sind , der Ton , der Rhythmus , den ich übe , ist es auch nicht ; keiner würde zuhören wollen , aber jene , denen ich singe , die müssen ' s doch wohl hören , nicht wahr ? - Es ahnt mir schon , Du wirst wieder bange werden um mich wie vorm Jahr ! - aber Du weißt ja , es ist nichts , ich rase nicht , wie die andern mich beschuldigen und mir die Hand auf den Mund legen , wenn ich sprechen will . Sei nicht dumm , lasse Dir nicht von den Philistern bange machen um meine Gesundheit , wo sie mir schon den Verstand absprechen ; wer seinen Bruder einen Narren schilt , ist des Todes schuldig , sie sind unschuldig , ich bin ihr Bruder nicht , Du bist mein Bruder . Noch einmal , ich bin nicht krank , störe mich nicht damit , daß Du mir das geringste sagst , denn ich will Dir noch mehr sagen , wenn ' s möglich ist , was hättest Du an mir , wenn ich nicht lernte Dir meine Seele geben , nackt und bloß . Freundschaft ! Das ist Umgang der Geister , nackt und bloß . - An die Bettine Liebe Bettine ! - Du drückst mir die Schreibefinger zusammen , daß ich kaum atme , noch weniger aber es wage zu denken , denn aus Furcht , ich könne willkürliche Gedanken haben , denke ich lieber gar nicht , magst Du am Ende meines Briefes fühlen , ob ich in den engen Grenzen meiner geistigen Richtungen Dich nicht verletzte , so daß Dein Vertrauen ohne Hindernis hinabströme zu mir , ja hinab , denn ich bin nichts . So lasse mich denn gesund mit Dir sprechen , da nichts mir fremd ist in Dir , denn in Deine Töne eingehen , das wäre Deinen Lauf stören . In Dein Lamento über Deine Geschichtsmisere stimme ich ein , sie macht mich mit kaputt , kauf in Gottes Namen ein paar Beinkleider als Sühnopfer und entlasse Deinen Arenswald in Gnaden . Clemens schreibt , daß ich ihm Antwort schuldig sei , ich wußte nicht , daß er in Marburg ist , wenn Du ihm schreibst , so gib ihm die Einlage , er ist mehr wie unendlich gut gegen Dich , und es