, Folgendes nieder : Bohemiconymphomachia . Libussa saß wie eine Prophetin auf dem Thron der Böhmen , und nachdem sie die Macht in den Städten , die Kraft in dem Volke , und das Gold und Silber in den Bergen vorhergesagt hatte , legte sie sich nieder an die Erde , um zu sterben . Zuvor berief sie noch einmal alle ihre Jungfrauen , eine schöne Reihe weinender Mädchen , die ihr treu gedient hatten in Leid und Freude , und sie segnete und beschenkte sie reichlich , und ihr glänzendes Auge ruhte zum längsten und bedeutsamsten auf diesen schmerzlich stummen Jungfrauen , bis es brach . Selbst Przemysl , der Herzog , welcher betrübt in der Ecke stand , war ihr nicht so theuer gewesen , als diese ihre Dienerinnen , mit denen sie wie mit zarten weißen Blüthenzweigen ihr ernstsinnendes Leben sich geschmückt hatte . Sie hatte sie in allen Künsten unterrichten und in der herrlichsten Bildung erwachsen lassen , und die Mädchen waren schön und stolz geworden , wie die Sonne , und hell und klug wie der Tag . Sie klagten laut , und schlugen sich an die blasse Wange und an die blühende Brust , und benetzten mit heißen Thränenströmen die Füße der Fürstin . Am stärksten weinte ein hohes schlankes Mädchen , mit langem blondem Haar , das in üppiger Fülle der Locken ihr über die Schulter floß . Sie hieß Wlasta , und hatte leuchtende Augen wie Sterne , und ein Antlitz wie Frühlingspracht . Libussa hatte dieser ihrer Lieblingin die Hand gereicht , und Wlasta wollte sie nun nicht mehr loslassen , so todeskalt sie geworden war . Und alle klagten und weinten , und das Volk draußen , das zusammengelaufen war , heulte und schrie . Sogar der verständige Przemysl , der noch nie geweint hatte , feuchtete seine Wimper mit einer Wittwerthräne , denn er saß nun allein auf dem Herrscherstuhl des Landes . Verschieden aber waren die Stimmen der Böhmen , die sich draußen vor des Schlosses Wäallen im unruhigen Getümmel durcheinandermischten . Etliche wehklagten , daß es um Böhmen nun geschehen sei , und etliche frohlockten , daß das Weiberregiment ein Ende habe , und Andere erinnerten an ein altes Wort , welches ein vornehmer Czeche der Libussa selber spottend ins Gesicht gesagt , daß Weiber , die lange Haare hätten , aber einen kurzen Verstand , besser zum Weben und Spinnen taugten , als zum Richten über Männer . Und Wlasta hob sich zornig empor , als der rohe Volkswitz in ihrem erhabenen Schmerz sie störte , und aus ihrem großen rollenden Auge schossen dunkle Blitze der beleidigten Seele hervor . Denn schöne Seelen empört am heftigsten ein schlechter Witz . Darauf verrichtete sie den Todtendienst bei ihrer unsäglich geliebten Herrin , und that ihr ein köstliches Gewand an , und gab ihr fünf Silbergroschen in die Hand , um sie dem unbekannten Gott dort unten zu opfern . Denn das Heidenthum lag noch mit finsterer Gewalt über diesen trefflichen Gemüthern . Nachdem nun Libussa vor den Thoren ihres Schlosses Libin begraben worden , kam der verwittwete Fürst Przemysl allmälig auf den Gedanken , daß es doch gut sei , keine Frau zu haben . Er fühlte sich äußerst behaglich , und begann sich in seinen Gemächern den ganzen Tag zu pflegen . Früher war er ein ehrbarer Ackersmann gewesen , der seine Felder bestellte und die Ochsen am Pfluge trieb , als Libussa , vom Wahrsagegeist ergriffen , sich ihn zum Mann prophezeite . Denn obwohl ihrer Macht nichts fehlte , und sie mit allen Geistern in Verbindung stand , so fehlte ihr doch ein Mann . Und sie nahm ihn , und machte ihn zum Herzog , und er setzte sich mit aller Ruhe an ihre Seite auf den Czechenthron . Bald aber mußte er einsehn , welche Qual es mit sich bringe , eine geistreiche Frau zu besitzen . Er konnte gar nicht mitreden , wenn sie zu philosophiren anfing , und so oft sie in Begeisterung gerieth , machte er ein dummes Gesicht dazu , und geberdete sich wie ein geschlagener Mann . Es graute ihm vor den Augen , wenn die Seherkraft über sie kam , und es wurde ihm unheimlich , daß er eine so kluge Frau hatte . Wenn er nach seiner Weise ein vernünftiges Wort zu ihr sagen wollte , saß sie in tiefen Gedanken und hörte ihn nicht . Er konnte nicht begreifen , wie man Gedanken haben könne , und wurde im Geheimen seines Lebens überdrüssig . Er ließ Alles geschehn , wie sie es wollte , und bekümmerte sich um nichts mehr , aber der Meth schmeckte ihm nicht , und die Jagd machte ihm nicht mehr Freude . Es war ihm immer , als müßte er sich vor seiner Frau geniren in Allem , was er that . Er verwünschte die geistreichen Weiber , und fürchtete sich doch zugleich sehr . Wenn sie ihn zuweilen mit ihren schönen tiefen Augen anstrahlte , kam er sich selbst ganz einfältig vor , und wußte nichts dazu zu sagen . Er wäre davongelaufen , hätte er sie nicht als eine Zauberin gekannt , deren Gewalt sich über Alles erstreckte . Jetzt aber war ihm wohl . Er schaukelte sich vergnügt auf dem purpurnen Thronsessel , auf dem sie sonst neben ihm gesessen , und merkte , daß er weit bequemer sitzen konnte . Er ließ seinen Freund Hinchvoch zu sich kommen . Mit dem schwatzte er sich aus , und sie tranken ein Faß Meth zusammen , und rauchten eine Pfeife Taback . Sie sprachen von lauter langweiligen Dingen , und Przemysl freute sich zum ersten Mal wieder , daß er ein ruhiges , gewöhnliches , alltägliches Gespräch führen konnte , bei dem er nicht viel zu reden brauchte . Denn Hinchvoch hatte keinen Geist . Zuletzt aber befahl Przemysl dem Hinchvoch , daß er unverzüglich die ganze Budecer Mädchenanstalt aufheben solle . Dies war die preiswürdige Anstalt